Der Unverwechselbare

17. September 2016. Der große Schauspieler Himar Thate ist tot. Das teilte die Berliner Akademie der Künste mit, deren Mitglied Thate seit 1974 war. Der Mitteilung zufolge starb Thate bereits am 14. September 2016 in Berlin.

Hilmar Thate 280 EdmondFrederik CCBY SA2.0 deHilmar Thate © EdmondFrederik / CC BY SA2.0 de1931 geboren und in Halle an der Saale aufgewachsen, kam Thate 1959 zu Helene Weigel ans Berliner Ensemble. Nach ihrem Tod wechselte er 1971 ans Deutsche Theater, dessen Ensemble er bis 1980 angehört hat. Neben seiner großen Theaterkarriere gehörte Thate auch zu den prägenden Gesichtern der DEFA, wirkte in berühmten Filmen von Kurt Mätzig  ("Das Lied der Matrosen", 1958) oder Konrad Wolf ("Der geteilte Himmel", 1964) mit.

Als Unterzeichner des Protestschreibens gegen die Ausbürgerung des Sängers Wolf Biermann geriet er ab 1977 ins Abseits. 1980 verließ Hilmar Thate mit seiner Frau, der Schauspielerin Angelica Domröse, die DDR und lebte seitdem in Berlin-Charlottenburg. Bis zu dessen Schließung nach der Wende gehörte Thate zum Ensemble des Schiller-Theaters und spielte unter anderem in Filmen von Thomas Brasch ("Engel aus Eisen", 1981), Rainer Werner Faßbinder ("Die Sehnsucht der Veronika Voss", 1982) und Volker Schlöndorf ("Der neunte Tag", 2004).

Hilmar Thate war auch ein populärer Fernsehschauspieler. In der DDR als LPG-Leiter "Daniel Druskat" in Lothar Bellags gleichnamiger Mini-Serie (1976) u.a. mit Käthe Reichel, Angelica Domröse, Manfred Krug und Ursula Karusseit. Nach der Wende erntete er 1998 noch einmal großen Fernsehruhm mit Dieter Wedels Mehrteiler "Der König von St. Paul". Unter den Auszeichnungen, die er für seine Arbeit erhielt, waren der Nationalpreis der DDR (1964, 1976), der Adolf-Grimme-Preis (2001) und der Bayerische Fernsehpreis (2003).

"Hilmar Thate war ein leidenschaftlicher Schauspieler, der seine körperlich kraftvollen Darbietungen oft mit Ideenwelten verband", so die Berliner Akademiepräsidentin Jeanine Meerapfel in ihrer Kondolenznote. "Einer, der das Theater für so voll und so widersprüchlich und so ernst nahm wie das Leben, ist gegangen. Wir werden ihn, seine sonore Stimme, seine glasklare Haltung zum gesellschaftspolitischen Geschehen, seine unverwechselbare Figur, sehr vermissen."

(sle)

 
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