"Es hörte sich alles so ungeschickt an..."

28. April 2017. Morgen Abend kommt am Wiener Akademietheater René Polleschs neues Stück "Carol Reed" heraus. Zum ersten Mal hat die große Bühnenbildnerin Katrin Brack mit  Pollesch zusammengearbeitet, wie man aus einem Interview erfahren kann, das Norbert Mayer von der Wiener Tageszeitung "Die Presse" im Vorfeld mit Pollesch geführt hat. Über den Titel zum Beispiel, der aus Orson Welles' in Wien spielendem Nachkriegsthriller "Der Dritte Mann" stammt. Oder über Alfred Hitchcocks enigmatischen dramaturgischen Joker namens "MacGuffin".

Auch war man in Wien offenbar neugierig, was eigentlich geschah, als Berlins damaliger Kulturstaatssekretär Tim Renner und sein Kandidat für die Castorf-Nachfolge an der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, 2015 um Pollesch warben.

René Pollesch dazu: "Der damalige Kulturstaatssekretär, Tim Renner, hat mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen könne, bei dem Nachfolger Castorfs, den er als Generalintendant installieren werde, dabei zu sein, und ich sagte Nein. Es hörte sich einfach alles so an, und es war so ungeschickt gefragt, dass ich dachte, so wie jetzt werde ich da nicht arbeiten können. Castorf hat sich nie in meine Arbeit eingemischt. Dann dachte Renner, ich würde es mir vielleicht anders überlegen, wenn ich wüsste, wer der neue Generalintendant sei. Und weil mich einfach interessiert hat, was er mit der Volksbühne vorhat, hab ich Dercon getroffen. Er redete stark vom Wir, von Team und von Kollaboration. Begriffe, die ich eigentlich nicht schlecht finde. Allerdings hörte sich das bei ihm eher so an, als müssten sich die verschiedenen Kompetenzen gegenseitig auslöschen. Ich dachte einfach, er wird mich nicht in Ruhe arbeiten lassen. Er wird alles als seines betrachten, also wie ein Kurator eben. (...) Castorf wurde damals im Zuge dessen vorgeworfen, er sei ein "Leuchtturm", der alles um sich herum vernichtet. Aber das ist er natürlich gar nicht. Er war ein super Intendant."

(sle)

 

 
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