Ein Image nimmt Schaden

13. Juni 2017. Die Bühnen Halle stehen finanziell in Bedrängnis. Ein 2014 mit der Stadt ausgehandelter Vertrag sieht Einsparungen beim Personal vor. Stefan Rosinski, der Geschäftsführer der Theater GmbH, lässt derzeit ausgehandelte Einsparungen beim Staatsorchtester erneut prüfen. Dessen Leistungsfähigkeit stehe auf dem Spiel. Konflikte mit den Geldgebern scheinen programmiert. Hinzu kommen nun auch Querelen in der Führungsetage der Bühnen, wie Stefan Petraschewsky vom MDR (13.06.2017) berichtet.

So soll Rosinski eine Kooperation des Puppentheaters mit der Oper Lyon aushandeln, ohne Opernintendant Florian Lutz darüber informiert zu haben.

Lutz ist seit Beginn der laufenden Spielzeit Intendant und versucht seitdem das Opernhaus mit experimentellen Arbeiten für junge Zuschauer zu öffnen. Im April dieses Jahres entbrannte eine Diskussion über diese Agenda. "Tenor: zu viel ambitioniertes Regietheater an der Oper in Halle." Petraschewsky beleuchtet den Hintergrund der Debatte. Diese habe begonnen, nachdem Geschädtsführer Rosinski den Aufsichtsrat über schwindende Zuschauerzahlen informierte. Interne Statistiken seien der Mitteldeutschen Zeitung zugespielt worden, woraufhin diese schrieb, die Erlöse der Oper seien "um ruinöse 44,5 Prozent eingebrochen".

Viel Lärm um nichts?

Petraschewsky vermutet hinter dem Rückgang an Erlösen und Zuschauern allerdings eine harmlose Ursache: Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hätten fünf Gastspiele stattgefunden und damit "deutlich mehr als im Zeitraum Januar bis April 2017. Pro Gastspiel kommen im Schnitt einige Zehntausend Euro in die Kasse, und die Gastspiele werden üblicherweise vom Geschäftsführer oft noch vor dem jeweiligen Spielzeitbeginn vereinbart. Das wäre im konkreten Fall Rosinskis Vorgänger, Rolf Stiska, gewesen. Der aber ging in Rente."

Auf die Frage, warum Rosinski nicht auf diesen Umstand hingewiesen habe, soll dieser geantwortet haben, "er fände so eine Diskussion um das künstlerische Profil erst einmal legitim." Der entstandenen Imageschaden für die Oper wäre gleichwohl "bedauerlich".

Petraschewsky beschuldigt Stefan Rosinski nicht direkt, Florian Lutz beschädigt zu haben, weist allerdings auf dessen Vorgeschichte als Geschäftsführer des Volkstheater Rostock hin. Als das Haus zu Spartenkürzungen gedrängt wurde, vertrat Rosinski die Position, man solle sich in Zukunft auf die Musiktheatersparte konzentrieren. Petraschewsky zitiert Antje Jonas, die Vorsitzende des Vereins 'Freunde und Förderer Volkstheater Rostock': "Das von ihm formulierte Hybridmodell zum strukturellen Umbau des Rostocker Vier-Sparten-Theaters in ein Musiktheater- und Opernhaus war vermutlich mehr von eigenen Ambitionen als Opernregisseur getragen als von der realistischen Einschätzung der Gegebenheiten vor Ort."

(miwo)

 

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