Politisch? Partisanenartig!

8. Juli 2017. Reine Unterhaltung oder relevante Unternehmung? Zum Thema Politik und Theater hat Tim Hofmann von der Freien Presse (6.7.2017) Roland May befragt, den Generalintendanten des Theaters Plauen-Zwickau.

DDR-sozialisiert mit der Berliner Volksbühne der 70er- und 80er-Jahre, sieht Roland May den damaligen Anspruch von Bühnenkunst als "eingreifendes Denken" oder "Laboratorium sozialer Phantasie" im Sinne Heiner Müllers nach 1989 "entschwunden". Den Bedarf an gesellschaftlicher Auseinandersetzung gebe es nach wie vor, doch die Bedingungen hätten sich geändert: "In kurzer Zeit das maximale Erlebnis zum günstigsten Preis – das sind die Koordinaten, die auch einem Theaterdirektor heute engegengebracht werden." May plädiert dafür, die Förderung durch Steuergelder weiterhin zu nutzen, um "durch Überraschung, Spannung, Erkenntnis und Emotion tiefere Zusammenhänge unserer Existenz spielerisch offenzulegen", statt die "Manufaktur"-Kunst Theater "mehr und mehr unter Kostenaspekten" zu betrachten.

Theatermachen abseits der Metropolen stelle dabei eine Herausforderung dar, so May: "Es gibt gegenwärtig wenige Häuser, wie etwa die Berliner Volksbühne, die allein auf Grund ihrer gesellschaftsrelevanten Setzungen fast immer voll sind. Die konnte wirklich inhaltlich und ästhetisch autonom arbeiten, da sie auch die nötigen Einnahmen generierte. Davon sind Häuser in der Provinz wie unseres weit entfernt, da die Künstler nicht nur ihre eigene Generation ansprechen, sondern das gesamte Spektrum der Bevölkerung." Der Trick des sächsischen Intendanten? Ein größeres Publikum erreichhe er "mit der tollen, überwältigenden Oper oder dem Musical", das "Gesellschaftsrelevanz im Libretto" verhandle. "Inhaltliche und ästhetische Wagnisse" packe er "fast partisanenartig auf die kleinen Bühnen".

(eph)

 
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