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Umwandlung in Gastspielhaus verhindern

4. September 2017. Die Initiatorinnen der Petition "Zukunft der Berliner Volksbühne als Schauspieltheater neu verhandeln!" übergaben heute mehr als 40.000 Unterschriften an den Berliner Kultusenator Klaus Lederer und den Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.


Petition VB Übergabe 560 zenit uDie Übergabe der Petition an Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke, 4. v.r.) und die Vorsitzende des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten Sabine Bangert (Grüne, 3. v.r.). © privat

Forderungen

Die Petenten sprechen sich dagegen aus, dass die Volksbühne in einen Gastspielbetrieb umfunktioniert wird und fordern ihren Erhalt als Repertoire- und Ensembletheater. Die Petenten fürchten, dass der Entwurf des Wirtschaftsplanes und eine bereits stattgehabte Umformulierung im Haushaltsplan die Umwidmung der Volksbühne in ein Gastspielhaus legitimieren soll.

Die Petenten bitten die Abgeordneten, der Umformulierung des Volksbühnenprofils im Haushaltsplan nicht zuzustimmen und den vorliegenden Wirtschaftsplan mit den einschneidenden Veränderungen im Stellenplan zu überprüfen – insbesondere, ob er den Anforderungen eines Ensemble- und Repertoiretheaters gerecht wird.

Vorschlag

Die Petenten schlagen vor, ein unabhängiges Expertinnen- und Expertenengremium zu schaffen, das die weitere Entwicklung moderierend begleitet und seine Expertise dem Kultursenator und dem Kulturausschuss zur Verfügung stellt.

Umwidmung

Zum Hintergrund: im Gegensatz zu der bisherigen Formulierung im Haushaltsplan 2016/2017 "Die Volksbühne ist ein im Ensemble- und Repertoirebetrieb arbeitendes Theater“, bezeichnet der Berliner Haushaltsplan 2018/2019 die Volksbühne auch als "kulturelle Plattform", die "Theater, Tanz, Performance, Konzert, Kino, Bildende Kunst und Kulturen des Digitalen unter einer Dachmarke versammelt". Wie Berlins Kultursenator Klaus Lederer am heutigen Montag, dem 4. September 2017, im Kulturausschuss erläuterte, gehen diese Neuformulierungen zur konzeptionellen Ausrichtung der Volksbühne als "Plattform" auf Absprachen zur Berufung von Neuintendant Chris Dercon zurück, die den Abgeordneten bereits 2015 vorgelegen hätten und in einer Anlage "Volksbühne Berlin – Kollaboration als Modell" spezifiziert worden seien. Sie fänden ihren Niederschlag in der Präambel des auf fünf Jahre abgeschlossenen Vertrags von Chris Dercon.

Spielplan-Recherche

Eine vorgelegte Spielplan-Recherche zeigt, dass von den 16 vom Team Dercon angekündigten Uraufführungen nur zwei Schauspiel-Inszenierungen tatsächlich für die Volksbühne produziert wurden. Unter den übrigen angekündigten Novitäten finden sich Produktionen, die seit vielen Jahren um die Welt touren, die Großprojektion eines 1987 publizierten Fotobuches, ein zweitägiges Gastspiel von Sandra Hüller mit Bilder deiner großen Liebe vom Zürcher Theater Neumarkt oder die "World Premiere" eines Computerspiels.

Stellenplan

Des weiteren sieht der Stellenplan der Volksbühne (Seiten 12 f) die Abschaffung aller Regie- und Dramaturgiestellen sowie die Halbierung des Ensembles, dafür aber die Verdopplung der Stellen für Programmdisposition und Marketing und die Schaffung von acht Kuratorenstellen vor.

Sollten Haushalts- und Stellenplan ohne Änderungen beschlossen werden, wäre die Umstrukturierung der Volksbühne von einem Ensemble- und Repertoiretheater in ein Plattform- oder Gastpielhaus petrifiziert.

(www. change.org/volksbuehne / jnm)