"Wir wollen aus diesem Haus kein Produktionshaus machen"

14. Dezember 2017. Zur Frage, ob die Volksbühne "nun als Ensemble- und Repertoiretheater abgewickelt wurde und als ein Plattformtheater, ein Produktionshaus, ein Festspielhaus wieder aufgemacht hat", trifft Ulrich Seidler von der Berliner Zeitung (14.12.2017) die Programmdirektorin der Volksbühne Berlin, Marietta Piekenbrock, zum Interview.

Ein "Systemwechsel" sei an der Volksbühne unter Neu-Intendant Chris Dercon nicht beabsichtigt, so Piekenbrock: "Wir wollen aus diesem Haus kein Produktionshaus machen. Wir sind ein Staatstheater. Die Volksbühne ist ein Haus mit großartigen Handwerksbetrieben, mit einer sehr leistungsfähigen Infrastruktur, die für die Entstehung von Kunst essenziell ist. Und so ist auch unser Spielplan ausgerichtet."

"Der Ensemble-Gedanke ist nicht das Zentrum unserer Programmidee"

Zur Frage nach dem festen Ensemble, für das bei Vorgängerintendant Frank Castorf noch 27 Planstellen bereit standen (von denen 11 fest besetzt waren und der Rest für Gast-Engagements reserviert wurde) und das das Team um Chris Dercon bisher nicht neu formiert hat, sagt Piekenbrock: "Mit einem festen Ensemble und all den Vorabsprachen, die daraus erwachsen, könnten wir einen international ausgerichteten Mehrsparten-Spielplan, nicht gestalten." Daher sei der Ensemble-Gedanke "nicht das Zentrum unserer Programmidee".

Mit Blick auf das HAU, mit dem die neue Volksbühne regelmäßig verglichen wird, sagt Piekenbrock: Das HAU sei ein gut aufgestelltes Produktionshaus, "aber sie stoßen bei größeren Produktionen, wie wir sie zeigen, schnell an ihre natürlichen Grenzen, räumlich, budgetär und was die Probenzeiten auf der Bühne anbelangt". Im Übrigen erfährt man, dass Marietta Piekenbrock wie alle künstlerischen Mitarbeiter*innen des Hauses – mit Ausnahme von Chris Dercon – einen jährlich kündbaren Vertrag besitzt.

(Berliner Zeitung / chr)

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