Preis wird zu Stipendium

29. Dezember 2017. Das Mainfranken Theater Würzburg widmet seinen Leonhard-Frank-Preis zu einem einjährigen Stipendium um. Das teilt das Theater in einer Presseaussendung mit. Erster Stipendiat sei ab Januar 2018 Gerasimos Bekas.

Mainfranken-Theater-Intendant Markus Trabusch zur Erklärung der Umwidmung: "Wir ersetzen einen Preis, für den viele Autoren weitgehend losgelöst vom Theaterbetrieb und auch finanziell auf sich allein gestellt gearbeitet haben, durch einen künstlerischen Prozess, in den wir als Bühne gemeinsam mit einer Autorin oder einem Autor eintreten."

Theater vergibt Preis alleine, keine verbindliche Uraufführungs-Klausel

Der Leonhard-Frank-Preis war seit 2009 vom Mainfranken Theater und der Würzburger Leonhard-Frank-Gesellschaft gemeinsam vergeben und seit 2016 mit Markus Trabuschs Amtsantritt ausgesetzt worden. Das neue "Leonhard-Frank-Stipendium zur Förderung zeitgenössischer Dramatik" wird vom Theater alleine vergeben – es wird finanziell durch den Theater- und Orchesterförderverein Würzburg ermöglicht, der Preisträger*in wird von der künstlerischen Leitung des Mainfranken Theaters bestimmt.

Über eine Laufzeit von jeweils einem Kalenderjahr erhält ein*e Autor*in eine monatliche Zuwendung in Höhe von 500 Euro sowie "eine kontinuierliche Begleitung durch das künstlerische Team der Bühne", so die Presseaussendung des Theaters. Im Rahmen des geförderten Jahres solle eine Textarbeit entstehen, die sich auf spezifische Weise mit der Stadt Würzburg oder ihr verwandten Themen auseinandersetzt. "An das Stipendium kann sich die Uraufführung des entstandenen Theatertextes in einer Spielstätte des Mainfranken Theaters anschließen."

2014 war das Mainfranken Theater zu einer Konventionalstrafe verurteilt worden, weil es das Stück des Preisträgers 2011 Paul M. Waschkau nicht zur Uraufführung gebracht hatte, wie es der Preis damals noch verbindlich enthielt.

LFST GerasimosBekas 560Katharina Nay (Schauspieldramaturgin), Antonia Tretter (Schauspieldramaturgin), Gerasimos Bekas
(Stipendiat), Markus Trabusch (Intendant und Schauspieldirektor)
© Mainfranken Theater Würzburg / Lee Hinkelmann

Der erste Leonhard-Frank-Stipendiat Gerasimos Bekas, 1987 in Ostwestfalen geboren, studierte in Würzburg und Bamberg und lebt in Berlin und Athen. 2014 gewann er beim Open-Mike-Wettbewerb in Berlin den Publikumspreis, 2015 wurden sein Stück "Glitschgott" im Studio des Maxim-Gorki-Theaters Berlin und sein Text "G for Gademis" an der Experimentalbühne des Athener Nationaltheaters aufgeführt. Die Uraufführung seines jüngsten Stücks "Das große Wundenlecken" fand in der Spielzeit 16/17 am Theater Augsburg statt (wo Markus Trabusch vor seiner Würzburger Intendanz bis 2014 Schauspieldirektor war).

Auch am Mainfranken Theater war Gerasimos Bekas bereits zu Gast: Im Rahmen des "Writers Club 2017" wurde hier sein Theaterfragment "PARA PERA – Ein Stück weiter" szenisch gelesen. Mit dem Leonhard-Frank-Stipendium, so die Presseaussendung des Theaters, solle Bekas nun die Möglichkeit erhalten, an diesem Text, der sich mit der Würzburger Stadtgesellschaft auseinandersetze, weiterzuarbeiten.

(Mainfranken Theater Würzburg / sd)

Mehr zum Leonhard-Frank-Preis, der jetzt ein Stipendium ist:

– 2008 wurde er vom Mainfranken Theater und der Würzburger Leonhard-Frank-Gesellschaft erstmals ausgeschrieben

– 2009 ging er an Johanna Kaptein, 2010 an Julia Kandzoras, 2012 an Sarah Trilsch, 2013 an Heidi Fuchs, 2014 an Ulrike Schäfer, 2015 an Karsten Laske, 2016 wurde der Preis mit dem Amtsantritt des neuen Mainfranken Theater-Intendanten Markus Trabusch zunächst ausgesetzt.

– 2011 ging der Preis an Paul M. Waschkau, dessen prämiertes Stück aber nicht in Würzburg uraufgeführt wurde, was ein juristisches Nachspiel hatte

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