Bunter wird es werden

13. Februar 2018. "Wo stoßen Frauen am Theater auf Benachteiligung?", fragt Dorothee Krings vom General-Anzeiger (9.2.2018) die Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp. Leider immer noch in vielen Bereichen, so Bramkamp: bei der Bezahlung, bei Führungspositionen, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Besetzung von Jurys oder Regieposten. Über diese strukturellen Probleme "müssen wir dringend sprechen".

Bewegung in der Frauenfrage

Zwar seien Männer- und Frauengagen nicht ohne Weiteres vergleichbar – ist die Amme in "Romeo und Julia" vergleichbar mit der Rolle des Macbeth? –, aber die Ensembles sollten gegebenenfalls auf das Fehlen anspruchsvoller Frauenrollen in der Weltliteratur reagieren. "Im Bereich Migration und Inklusion haben wir schon tolle Fortschritte gemacht", konstatiert Bramkamp. "Auch in der Frauenfrage brauchen wir Bewegung." In Oberhausen etwa spielten in einem paritätisch besetzten Ensemble Frauen auch Männerrollen: "[D]as ist eine Herausforderung für Regisseure, für die Sehgewohnheiten des Publikums, da gibt es noch viel Redebedarf."

Beim Bonner Treffen der Theatermacherinnen im März sollten die Teilnehmerinnen "den Status quo bestimmen", eine Meinung bilden und Forderungen aufstellen: "Egal, wie man dazu steht, es ist klar, dass es in der Theaterszene strukturelle Veränderungen geben muss."

Bringt #MeToo die Wende?

Auch die MeToo-Debatte sei "im Kern kein Frauenthema, sondern eine Debatte über Macht und Machtmissbrauch", so Bramkamp. Diese Debatte sei sehr wichtig – dass Betroffene an die Öffentlichkeit gingen und für Fragen von Macht und Machtmissbrauch sensibilisierten. "Aber natürlich gibt es in der Kunstszene Exzentriker, anstrengende Charaktere, die für ihre Genialität geschätzt werden. Sicher wäre es falsch, nun in Puritanismus zu verfallen."

In der Regiearbeit gehe es um Kunst, die "anders, gerne auch exzessiv sein" dürfe. Aber was in der Regie "in gewissen Grenzen" tolerierbar sei, sei es nicht bei einer Theaterleitung. Die Rollen sollten genau getrennt werden: "[I]n der Theaterleitung geht es um Existenzen, und da sollte eine gewisse Form von Objektivität und Seriosität herrschen. Dafür muss es auch gesetzliche Rahmenbedingungen geben, die Machtmissbrauch und Benachteiligung ausschließen." Denn: "Wir können nicht als Theaterleute ständig kapitalistische, patriarchale Systeme kritisieren und hinter den Kulissen geht es zu wie vor 50 Jahren."

Eine "große Trendwende" zum mitarbeiterfreundlichen Theater sei Nicola Bramkamp zufolge bereits zu verzeichnen: "Da ist das Theater auf einem guten Weg." Ihre Überzeugung: "Es wird vielfältiger und bunter werden am Theater."

(General-Anzeiger Bonn / eph)

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