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Islamkritik in der Tradition von Shakespeare

21. Februar 2018. Für die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (21.2.2018) hat Simon Strauß mit dem Dramatiker Ayad Akhtar über "das Theater, Religion und das neue Opium fürs Volk" gesprochen. Wir geben im Folgenden einige Auszüge aus dem langen Gespräch, die sich um das umstrittene Stück "Geächtet" drehen.

In Deutschland

Akhtar sagt der FAZ, er fühle sich "sehr wohl in der künstlerischen und intellektuellen Atmosphäre" in Deutschland. "Ich sage manchmal: Die Deutschen gehen ins Theater, um sich darüber klarzuwerden, was sie denken. Das ist etwas, was die Leute in Amerika nicht tun."

Mit seinem Schreiben knüpfe er an "die deutsche", die schillersche und goethesche Interpretation von Shakespeare an. "Ich lese sehr viel Shakespeare, weil ich viel von ihm lerne." Die erste Theateraufführung, die ihn am Broadway in ihren Bann gezogen habe, sei eine Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" gewesen.

Zu "Geächtet"

Es gebe Kritiker, die dem Stück unterstellten, eine "islamfeindliche Stimmung zu befeuern", stellt Strauß fest. Darauf Akhtar: "Wenn Sie einen Antihelden beschreiben, der weiß ist, ist er ein Antiheld. Wenn Sie aber einen Antihelden beschreiben, der nicht weiß ist, ist es ein Stereotyp." Kunst sei "keine heilsame Fiktion", die die Wirklichkeit "schönmalt und zu einem Ganzen" füge. Er habe "Geächtet" geschrieben, bevor die "Diskussion über Identitäten" so eine Fahrt aufgenommen habe. Das "eigentliche Thema" des Stücks sei der "Zusammenbruch des bürgerlichen Diskurses". Es gehe "nicht eigentlich um den Islam". Das sei nur sein "persönlicher Hintergrund", die Beobachterposition, von der aus er schreibe.

"Unglücklicherweise" erwarteten die Leute von einem muslimischen Künstler im Westen, dass er "ständig für die positiven Seiten des Islam" werbe. Das wolle er aber nicht.

Keine Kritik gewohnt

Im Grunde richte sich "Geächtet" ja an ein muslimisches Publikum. Es sei wie "in einem dieser wunderbaren Schiller-Stücke", in denen "die Hauptfigur das Publikum attackiert". Daher könne das Stück "wohl auch nicht in einem islamischen Land aufgeführt werden, weil wahrscheinlich das Theater angezündet würde". Im Westen sei die vorherrschende Ansicht unter Muslimen, es gehe nicht an, dass ein Muslim kritische Sätze zum Islam vor einem weißen Publikum ausspreche. Man habe es da mit Leuten zu tun, "die es nicht gewohnt sind, kritisch gesehen zu werden".

(jnm)