logo_nachtkritik_klein.png
Drucken

Urfaschismus

1. März 2018. In der ZEIT gibt die Schriftstellerin Ivana Sajko einen Erfahrungsbericht über den Rechtsruck in Kroatien und die Auswirkungen auf die Kulturszene. Im Rückgriff auf den politischen Essayisten Marko Kostanić schreibt sie, "dass in Kroatien heute eine dezentralisierte Zensur wirkt, die durch die Vereinigungen der Kriegsveteranen und der katholischen Kirche im Namen der Regierung umgesetzt wird".

Die Zensur laufe nach einem Schema ab: Wenn Arbeiten unter den Verdacht fielen, nationale oder religiöse Gefühle zu verletzen, erfolgten Angriffe nicht nur auf die "konkrete Quelle dieser angeblichen Provokation, sondern auch auf die Kulturinstitution, die sie produziert hat". Im Anschluss "folgen personelle Veränderungen, die in der Vergangenheit etwa dazu geführt haben, dass heute in den Theaterausschüssen, die über das Repertoire und die Finanzierung der Theater entscheiden, politische Akteure mit extremen Haltungen sitzen, die Kultur ausschließlich als politische Plattform benutzen".

Mit Ecos Essay über den "Urfaschismus" schließt Sajko den Text. Die Symptome, die Eco nennt, seien "zur Normalität in der kroatischen Gesellschaft" geworden: "Traditionskult, Irrationalismus, Angst vor den Anderen, Vorwurf des Verrats und Besessenheit für die Vorstellung moralischer Perversionen ihrer vermeintlichen Gegner, individuelle und soziale Frustration, Verachtung gegenüber dem Denken, stattdessen Populismus, Heroismus-Kult und Machismus. In Kroatien versucht man heute, die Geschichte zu fälschen und fiktive Feinde zu finden, die man in den Reihen der nationalen und sexuellen Minderheiten sucht oder eben unter den Künstlern."

(zeit.de / chr)

 

Mehr zum Thema:

Interview: Oliver Frljić on the worsening conditions of making political theatre in Croatia (5/2016)

Video Interview: Der kroatische Regisseur Oliver Frljić über sein politisches Theaters (6/2017)