Die Inhouse-Katharsis wäre nicht nötig

6. März 2018. Immer wieder verursachen Unfälle mit Sprinkleranlagen Wasser-Schäden an Theatern. Zuletzt am Sauerland Theater Arnsberg und an der Deutschen Oper Berlin, wo sich die Schadenshöhe nach aktuellen Schätzungen auf 4 bis 5 Millionen Euro beläuft. Anlass, bei Wesko Rohde von der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft nachzufragen:

Warum entstehen an Theatern eigentlich so oft Schäden durch Löschanlagen, die doch dem Schutz der Häuser dienen sollen?

Wesko Rohde: Sicherheit ist ein hohes Gut, ohne Zweifel. Theaterbrände haben in der Geschichte zu entsetzlichen Katastrophen geführt. Im Jahre 1881 kamen beim Brand im Wiener Ringtheater im Feuersturm 384 Menschen ums Leben. Seither haben sich Theater zu den sichersten Gebäuden Deutschlands entwickelt. Um Fragen der Sicherheit hat sich eine Industrie gebildet, mit einigen Vor- und noch mehr Nachteilen. Sucht man aber nach Antworten, warum diese sensiblen Technologien immer öfter immer größere Schäden anrichten, und fragt man, warum am Ende alte Systeme alles fluten, als wäre eine Inhouse-Katharsis vonnöten, muss man leider etwas weiter ausholen.

Wasserschaden Deutsche Oper 560 uDie Belüftung nach dem Wasser. Der millionenschwere Schaden an der Deutschen Oper Berlin war durch Fehlverhalten des externen Reinigungspersonals entstanden © Deutsche Oper Berlin

Es beginnt bereits bei Brandschutzertüchtigungen oder Sanierungen der vielfach denkmalgeschützten Gebäude. Dort hat sich um den Bau von Versammlungsstätten, so heißen Theater im Baujargon, eine ganze Reihe von Missständen manifestiert. Die Nutzer, sprich Theatermenschen, sitzen sehr oft nicht mit am Tisch und/oder müssen sich ihre Teilnahme erstreiten, wenn über die Zukunft ihres Theaters gesprochen wird. Das allein ist schon hanebüchen. Planungen werden von ängstlichen Stadtverwaltungen ausgeschrieben, ohne eben jene Kenntnisse der Bedürfnisse des Nutzers und oftmals ohne die geringste Ahnung von den Abläufen in einem äußerst komplexen Haus der Kunst. Den Bedarf könnte man ermitteln, aber das gelingt nur wenn man mit den Nutzern über Verfahrensweisen spricht, die nur erfahrene Theaterleute kennen. Pyrotechnik, Nebelgeräte, Videowände und schnelle Lichtwechsel sind nur einige Beispiele, die Anlagen auslösen können.

Moderne Löschanlagen fehlen vielerorts

Bei den Ausschreibungen kommen die günstigsten Anbieter zu Einsatz, die den Betrieb ebenfalls nicht kennen und über die Werte einer Bühne nicht in Kenntnis gesetzt werden, von wem auch? Was im Jahre 2018 wirklich an hochwertiger Technik in ein Bühnenhaus eingebaut wird, weiß bis dahin im schlimmsten Falle noch niemand. Bei Brandmeldeanlagen kommen sensible Melder zum Einsatz, die, weil die Planer es nicht besser wissen, bereits durch oben beschriebene Effekte ausgelöst werden können. Das Abschalten der Anlage auf der Bühne während einer Vorstellung – auch deshalb ist ja die Feuerwehr immer während einer Vorstellung im Theater – wird teilweise von örtlichen Behörden untersagt. Ein Effekt kann die Löschanlage bereits auslösen, wenn mehrere Melder anspringen. Gelegentlich wird auch vergessen, die Anlage abzustellen. Das kommt aber eher selten vor.

Moderne Löschanlagen, die mit wenig Wasser auskommen und das unter Hochdruck vernebeln, sind nur in einigen wenigen Theatern eingebaut, aber eigentlich die Lösung aller Probleme. Man darf auch darüber nachdenken, ob man immer und überall automatisierte Anlagen benötigt oder ob eine einfache Überwachung nicht ausreichend ist? Die kausale Kette der Unkenntnis, des Unwillens und der Weigerung, sich mit den komplexen Möglichkeiten einen modernen Bühnenbetriebs auseinanderzusetzen rundet das Bild ab.

Leider ist die Bedeutung von Theatern für Städte längst einer Diskussion um Effizienz gewichen und vielerorts machen die Theaterleiter noch mit. Es sind die gleichen Kleingeister, die für die Mutlosigkeit halbherziger Baumaßnahmen verantwortlich zeichnen und Kosten explodieren lassen. Ob mangelnde Strukturkenntnisse von Sachverständigen, völlige Unkenntnis der eingebauten Werte bei der Planung, zum Schluss noch schlecht eingewiesenes Personal. Wir sind gut beraten, die Dinge einmal zu hinterfragen, um Theater weiterhin zu ermöglichen.

 

Wesko Rohde 180 uWesko Rohde ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG) und hat unterschiedliche Sanierungsprojekte denkmalgeschützter Theaterbauten als Projektleiter begleitet. Zwischen 2002 und 2017 war er in Celle und Osnabrück als Technischer Direktor und Ausstatter tätig. Aktuell berät er Bauherren und Theaterleitungen bei Sanierungen.



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