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Zuwenig Glanz

13. März 2018. "Ich kann die Sehnsucht verstehen, dass man große Monologe sehen will, die mit feurigem Atem an der Bühnenrampe vorgetragen werden, dass man auch eine Sehnsucht hat nach Theater, wie man es aus der guten alten Zeit kennt", sagt Franz Rogowski, der bis letzten Sommer dem Ensemble von Matthias Lilienthals Münchner Kammerspielen angehörte, im Interview mit dem Filmportal critic.de zur schwelenden Debatte um die Neuausrichtung des Theaters. Er glaube aber trotzdem, dass einer Stadt wie München "ein weiteres klassisches Theater nichts bringen" würde. "München sollte schon froh sein, dass es die Kammerspiele in dieser Form gibt. Wenn die Stadt ein Problem hat, dann ist es das Provinzielle und Konservative, nicht, dass da jetzt der Punk regiert."

Allerdings habe er im Film "die Erfahrung gemacht, dass ein Regisseur und ein Schauspieler zusammen überlegen, wie man eine Szene am besten spielen kann. Und dann eine Szene schaffen, in der das glaubhaft ist und berührt". Im Theater habe er das "nicht so erlebt. Da helfen Regisseure ihren Schauspielern oft nicht, sondern versuchen ihr eigenes Konzept auf die Bühne zu bringen." Bei so einer Form von Kunst sehe er die spannenderen Arbeiten allerdings eher "im Hamburger Bahnhof oder auf der Documenta, aber nicht im Stadttheater", so Rogowski: "Ich finde, dass die Schauspielkunst eine Stärke des Theaters ist und dass im modernen Theater oft eher der künstlerisch relevante Diskurs die Rampensau ist."

"Im Moment" würde er deshalb sagen, dass er als Schauspieler am Theater weniger Möglichkeiten habe. "Dass jemand mit dir eine Rolle erarbeitet, in der du glänzen sollst, kenn ich nur aus dem Film. Ich glaube aber, dass jemand wie Lars Eidinger das auch aus dem Theater kennt." Es gehe ihm "nicht darum, da jetzt 'ne Riesen-Egoshow draus zu machen. Aber wenn man immer nur im Kollektiv Texte erarbeitet, kann man bestimmte Erfahrungen eben nicht machen."

(sd)