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Die Kehrseite des Erfolgs?

Zürich, 25. April 2018. Ev Manz berichtet im Zürcher Tages Anzeiger (online 24.4.2018, 11:37 Uhr) über das Ende der zweijährigen professionellen Schauspielausbildung mit anschließendem Praxisjahr, die seit zehn Jahren vom inklusiven Theater Hora in Zürich angeboten worden war.

Das Ensemble ist komplett

Die Stiftung Züriwerk, der das Theater Hora angegliedert ist, gebe seinen dreijährigen Ausbildungslehrgang ab Herbst 2018 auf. Begründung: Das bestehende Ensemble sei voll besetzt und könne neue Lernende nach der Ausbildung nicht mehr aufnehmen, wie es die Absicht gewesen sei", so habe es der interimistische Theaterleiter Curdin Casutt auch im Namen von Züriwerk-Direktor Reto Fausch mitgeteilt. Mit dem vorläufigen Ende der Ausbildung verliere auch Urs Beeler, der Erfinder und Leiter des Ausbildungsganges, seinen Arbeitsplatz. Er erhielt die Kündigung am 60. Geburtstag.

Das Ausbildungssystem habe, so der Tages-Anzeiger weiter, "so lange funktioniert, wie sich Zu- und Abgänge die Waage hielten". Doch in den vergangenen Jahren, in denen die Erfolge des Ensembles stetig zugenommen hätten, habe es kaum mehr Austritte gegeben.

Druck vom Träger?

Manz berichtet weiter, es gebe Spekulationen, die Sozialversicherungsanstalt Zürich (SVA), die die Ausbildungen im Züriwerk finanziert, hätte auf Beendigung des Ausbildungsganges gedrängt, weil die Hora-Abgänger wenig Chance auf eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt hätten.

Oder Kurswechsel?

Der Tages-Anzeiger spekuliert, wie im übrigen auch die Neue Zürcher Zeitung (online 24.4.2018, 17:26 Uhr), dass das vorläufige Ende der Ausbildung am Theater Hora mit einem beabsichtigten Kurswechsel durch den neuen Hora-Leiter Curdin Casutt und den neuen Direktor des Züriwerks Reto Fausch zusammenhänge. Weil auch der künstlerische Leiter Michael Elber nach 25 Jahren seine Arbeit am Hora beende, stünde einer "totalen Neuausrichtung des Theaters auf dem Papier theoretisch" nichts mehr im Wege.

Was diese Neuausrichtung bedeuten könnte, schreibt der Tages-Anzeiger nicht. Casud und Fausch bestreiten derlei Absichten. Allerdings sei unklar, ob ein "ähnliches Ausbildungsprogramm in naher Zukunft wieder aufgebaut werde". Curdin Casutt, schreibt die Neue Zürcher Zeitung, sehe die Zukunft des Lehrgangs allerdings weniger düster. Es würden "alle Optionen geprüft", um eine "langfristig funktionierende Lösung anbieten" zu können.

(Zürcher Tages-Anzeiger / Neue Zürcher Zeitung / jnm)