Ein Ende. Die Wende?

26. April 2018. Der Cottbusser Intendant Martin Schüler ist überraschend zurückgetreten. Das meldet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Der genaue Rücktrittsgrund sei noch nicht bekannt. In den letzten Wochen gab es am Staatstheater Cottbus Auseinandersetzungen um den Generalmusikdirektor Evan Christ. Sänger*innen und Orchester waren mit Kritik an Christs Führungsstil an die Öffentlichkeit gegangen. Zuletzt hatte Martin Schüler dem Chefdirigenten eine Pause nahegelegt.

Eigenwilliges Verhalten des GMD

In ihrer Kritik an Evan Christ hatte die Belegschaft cholerische Ausbrüche, Drohungen und Beleidigungen des Generalmusikdirektors angeführt, wie die Lausitzer Rundschau berichtete. Evans räumte in einem Interview mit der Lausitzer Rundschau cholerische Ausbrüche ein und entschuldigte sich. Eskaliert war der Konflikt, weil der Musiker Frank Bernard seine Sicht auf die Situation öffentlich auf Facebook gepostet hatte, so der rbb-Sender Antenne Brandenburg. Der tägliche Terror sei unerträglich geworden, schrieb Bernard. Dem Sänger wurde dem Sender zufolge unmittelbar danach gekündigt.

In einem offenen Brief wandten sich Gesangs-Solist*innen daraufhin an die Brandenburgische Kulturstiftung, die das Theater betreibt. Adressiert hätten sie ihre Vorwürfe an den Intendanten Martin Schüler und dessen Geschäftsführenden Direktor Martin Röder, so Antenne Brandenburg. Schüler warf dem Ensemble daraufhin Verantwortungslosigkeit vor und schlug einen Mediationsprozess vor.

Vertragsauflösung angestrebt

Evan Christ habe die Mediation abgelehnt und stattdessen eine Vertragsauflösung ins Spiel gebracht. Die Vertragsauflösung sei vom Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung als "machbar" bezeichnet worden, so der Rundfunksender in seiner Meldung. Die jüngste Premiere der Oper "Macbeth" von Giuseppe Verdi dirigierte am 21. April 2018 bereits der 1. Kapellmeister Alexander Merzyn.

Schwieg die Kulturministerin zu lange?

In einem Kommentar für Antenne Brandenburg wies Sylvia Belka-Lorenz vor wenigen Tagen darauf hin, dass der eigentliche Skandal an den bereits länger bekannten Vorfällen rund um Evan Christ das Schweigen des Intendanten und der brandenburgischen Kulturministerin Martina Münch (SPD) sei, die dem Stiftungsrat vorsitzt. Erst 2017 hatte die Brandenburgische Kulturstiftung die Verträge von Intendant Martin Schüler und Generalmusikdirektor Evan Christ um sechs Jahre bis 2024 verlängert.

Allerdings hatte Martina Münch zuletzt das Gespräch mit den Musikern des Staatstheaters gesucht. In einigen Tagen wollte man sich wieder treffen - so der Plan noch Anfang dieser Woche, Christ sollte bis dahin eine Auszeit nehmen, schreibt die Berliner Zeitung (online 26.4.2018, 13:59 Uhr).

(rbb / Antenne Brandenburg / Lausitzer Rundschau / Berliner Zeitung / eph / jnm)

 

Update, 27. April 2018. In einer Stellungnahme äußert sich der Cottbusser Intendant Martin Schüler zu seinem Rücktritt: "Leidenschaftlich um künstlerische Perfektion und den Erfolg für das Theater bemüht, habe ich die wachsenden Nöte des Ensembles und die Zwänge, unter denen Leistungen erbracht wurden, aus dem Blick verloren", so Schüler in einer per E-Mail verschickten Presseaussendung. "Ich habe die wichtigste Grundlage der Zusammenarbeit – das Vertrauen des Ensembles – verloren", so Schüler weiter. "Das bedaure ich sehr. Ich entschuldige mich bei all denjenigen, die darunter zu leiden hatten." Er übernehme die "volle Verantwortung für die entstandene Situation" und trete zum Ende der Spielzeit 2017/18 von seinen Ämtern zurück, "um den dringend erforderlichen Neustart am Staatstheater Cottbus möglich zu machen".

Welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen und zu "gewährleisten, dass Respekt und Verantwortung im Umgang miteinander das Arbeitsklima am Staatstheater prägen", schreibt der Vorstandsvorsitzender der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus, Martin Roeder: Eingeladen werden sollen Mediatoren, zudem würden gemeinsam verbindliche Führungsgrundsätze und ein Verhaltenskodex (Code of Conduct) erarbeitet sowie eine Beschwerdestelle eingerichtet. Die Kündigung gegenüber dem Studienleiter Frank Bernard werde zurückgenommen. Evan Alexis Christ sei als Generalmusikdirektor bis zum Ende der Spielzeit beurlaubt, die Beendigung seines Arbeitsverhältnisses werde angestrebt. (Stand: 18:30 Uhr)

Update, 27. April 2018. In einer außerdordentlichen Sitzung wird der Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung die Beendigung der Anstellung von Evan Christ als Generalmusikdirektor des Staatstheaters Cottbus thematisieren. Das teilten die brandenburgische Kulturministerin Martina Münch und der Cottbusser Oberbürgermeister Holger Kelch bereits am 26. April 2018 in einer gemeinsamen Stellungnahme mit."Unabhängig davon erwarten wir, dass künftig ein respektvoller Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Staatstheater sichergestellt wird", so Münch und Kelch. (Stand: 21:45 Uhr)

(Staatstheater Cottbus / Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg / eph)

 

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