Kraft der Emotionen

6. Juli 2018. Im Interview mit Alexandra Kedves im Zürcher Tages-Anzeiger spricht Dramatikerin Nino Haratischwili über ihr Verständnis von Theater. Sie finde es "wichtig, dass Figuren zur Sprache kommen, die normalerweise in der Gesellschaft keine Stimme haben. Es ist ein wenig erschreckend, dass post­migrantisches Theater nicht automatisch als Teil der Theaterlandschaft verstanden wird.“

Als störend empfinde sie es, wenn das Theater der Aktualität hinterherrenne, die Nachrichten auf die Bühne holen wolle. "Für mich funktioniert Theater in der Übersetzung – die mach ich, bitte schön, als Zuschauer selbst." Das Theater solle sich mehr auf die Menschen zurückbesinnen: "die Figuren, die Zuschauer im Menschsein abholen und nicht nur einen intellektuellen Diskurs anstreben". Die Emotionalität gehe im Gegenwartstheater "oft flöten. Schade, dass man die Kraft der Emotionen auch im politischen Sinn unterschätzt.“

Marxistische Thesen hingegen blieben für sie "eine grosse Utopie": "Für einen Sozialismus im besten Sinne müsste der Mensch anders sein, als er ist. Er dürfte nicht nach Macht streben und die eigenen Interessen an erste Stelle setzen, nicht habgierig sein und nach eigenen Vorteilen suchen. So wurde die Idee des Sozialismus binnen weniger Tage nach der Machtübernahme der Bolschewiki verraten.“

(geka)

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