Tiroler Affairen

1. August 2018. Nach den massiven Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe und Mobbings hat der Intendant der Tiroler Festspiele in Erl Gustav Kuhn gestern seine Funktion ruhend gestellt. Bis zur vollständigen Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe werde sein bisheriger Stellvertreter Andreas Leisner interimistischer Leiter der Festspiele. Das meldet derStandard.at (online 31.7.2018, 17:31 Uhr).

Gustav Kuhn 280Gustav Kuhn (Mitte)   © Tiroler Festspiele Seit dem Frühjahr hatte es gegen den ehemaligen Karajan-Schüler Gustav Kuhn zunächst anonyme Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs gegeben. In der letzten Woche hatten fünf früher in Erl beschäftigte Künstlerinnen Kuhns Handlungen in einem Offenen Brief konkret beschrieben. Laut Standard bestreitet Kuhn die Vorwürfe, stellte aber, "um Schaden von den Festspielen abzuwenden", seine Funktion als künstlerischer Leiter der Festspiele "bis zur vollständigen Klärung mit sofortiger Wirkung ruhend".

Krisensitzung

Die Entscheidung sei auf einer "Krisensitzung des Stiftungsvorstands in Wien" mit den drei wichtigsten Geldgebern der Festspiele gefallen: Mäzen und Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner, Kultursektionschef Jürgen Meindl als Vertreter des Bundes und die Tiroler ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader. Das Land Tirol finanziert die Festspiele jährlich mit 1,15 Millionen Euro, der Bund steuert 500.000 Euro bei, berichtet der Standard.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Eine Rückkehr des bis 2020 vertraglich gebundenen Gustav Kuhn habe Festspielpräsident Haselsteiner nicht ausschließen wollen. "Das hänge von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ab, aber auch von der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt, die die Geschäftsführung der Festspiele nun anrufen werde." Vor der Gleichbehandlungskommission herrsche die Beweislastumkehr, das bedeutet, Kuhn muss seine Unschuld beweisen. Julia Oesch, eine der Künstlerinnen, die Gustav Kuhn in einem Vorfall aus dem Jahr 1999 belastet, habe dem Standard mitgeteilt, die Vorwürfe seien "nur die Spitze des Eisbergs", man wisse von mehr.

Ovationen

Für sein Dirigat des viertägigen "Ring des Nibelungen" war Gustav Kuhn, laut Standard, am vergangenen Sonntag vom Publikum der Tiroler Festspiele mit stehenden Ovationen gefeiert worden.

(derStandard.at / www.tiroler-festspiele.at / jnm)

 

Update, 3. August 2018. Trotz der Vorwürfe wollen die Festspiele Erl auf Gustav Kuhn als Dirigent nicht verzichten. "Wir planen das weitere Programm ab kommendem Herbst mit Kuhn am Dirigentenpult", so der zum interimistischen musikalischen Leiter bestellte Andreas Leisner in der Tiroler Tageszeitung. Leisner rechnet zudem offenbar mit einer Rückkehr seines Vorgängers: "Ich werde Kuhns Stuhl warmhalten und nicht an ihm sägen."

Politiker von SPÖ und Grünen kritisierten die Weiterbeschäftigung Kuhns scharf. Für Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) stelle sich "die Frage des Dirigats derzeit nicht".

(Tiroler Tageszeitung / miwo)

 

 

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