Basel hui, Volksbühne pfui

30. August 2018. Das Theater Basel geht mit acht Nennungen als Theater des Jahres aus der diesjährigen Kritiker*innen-Umfrage des Fachmagazins "Theater heute" hervor. An der Umfrage beteiligten 43 Kritiker*innen. Die Ehrung für die besten Schauspielleistungen gehen an Caroline Peters für ihren Auftritt in Simon Stones Hotel Strindberg vom Akademietheater Wien (7 Stimmen) sowie Benny Claessens für seine Rolle in Falk Richters Jelinek-Uraufführung Am Königsweg vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg (10 Stimmen). Claessens hatte für seinen Auftritt bereits den Alfred-Kerr-Darstellerpreis 2018 beim diesjährigen Berliner Theatertreffen gewonnen.

Elfriede Jelineks "Am Königsweg" wurde zudem zum besten Stück des Jahres gekürt (9 Stimmen), seine Uraufführung durch Falk Richter gilt einer Mehrheit von sechs Kritiker*innen als Inszenierung des Jahres. Richters Kostümbildner Andy Besuch räumt für seinen Beitrag zu "Am Königsweg" den Lorbeer für das beste Kostümbild ab (5 Stimmen). Die Bühne des Jahres haben in den Augen von acht Kritiker*innen Vegard Vinge und Ida Müller mit ihrem Nationaltheater Reinickendorf geschaffen.

Im Nachwuchssegment siegte Regisseurin Anta Helena Recke für ihre "Schwarzkopie" der Anna-Sophie-Mahler-Inszenierung Mittelreich an den Münchner Kammerspielen (8 Stimmen). Die Auszeichnung für die besten Nachwuchs-Autor*innen geht an Enis Maci für Mitwisser und Thomas Köck (der vier Nachwuchsautoren-Stimmen plus zwei Voten in der Kategorie "Bestes Stück" für mehrere seiner Texte erhielt). Mit paradies spielen (abendland. ein abgesang), uraufgeführt in Mannheim von Marie Bues, gewann Köck in diesem Jahr auch den Mülheimer Dramatikerpreis.

Wie jedes Jahr waren die 43 Kritiker*innen auch dazu aufgerufen, das Ärgernis des Jahres zu benennen. Ähnlich wie im Vorjahr zeigt sich hier eine Mehrheit der Beteiligten von den Ereignissen um die Berliner Volksbühne bewegt, wobei sich auch Stimmen des Bedauerns über den vorzeitigen Abschied von Intendant Chris Dercon in den Chor der Kritiker seiner Arbeit mischen. Weiteren Unmut zieht die Münchner CSU-Kulturpolitik auf sich, für ihren Umgang mit Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal.

(Jahrbuch "Theater heute" / chr)

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