Eine Prise Aufklärung, bitte

24. September 2018. Noch ehe der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) die Opposition im Stadtrat über seinen Vorschlag informieren konnte, Barbara Mundel zur neuen Intendantin der Kammerspiele zu machen, "wussten schon kommunalpolitische Twitterer aus der AZ und anderen Redaktionen Bescheid", schreibt Robert Braunmüller in der Münchner Abendzeitung (AZ). "Solche Demütigungen mag kein Politiker besonders."

Nun braucht es in der Münchner GroKo aber nur die Zustimmung der mitregierenden CSU, und die werde Küppers schon bekommen, denn es würde "ein hübsches überregionales Donnerwetter auslösen, wenn die CSU Barbara Mundel durchfallen ließe", so Braunmüller – nachdem erst vor kurzem Berliner Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier, "angeblich der städtische Wunschkandidat für die Lilienthal-Nachfolge" (Braunmüller) München eine Absage erteilt hatte, er gehe nicht nach "Söderland".

Braunmüller greift aber Kritik der Opposition am Entscheidungsprozess auf: "Die Opposition meint sich auch an ein Versprechen aus dem Rathaus zu erinnern, kulturpolitische Personalien im parteiübergreifenden Konsens zu klären. Wolfgang Heubisch (FDP/Hut) wäre es lieber gewesen, wenn sich im Stadtrat mehrere Kandidaten vorgestellt hätten", so Braunmüller: "Ja, warum eigentlich nicht? In kleineren Städten es der Brauch, dass sich Bewerber für Intendanzen nach einer Ausschreibung mit ausführlichen Konzepten vorstellen." Man könne gegen andernorts übliche Findungskommissionen einwenden, dass sie Netzwerke gegenseitiger Gefälligkeiten befördern. "Aber dabei kann manchmal auch mehr weltläufige Sachkunde zusammenkommen als bei der in München bei Staat und Stadt üblichen Entscheidung im Minister- oder Kulturreferentenzimmer, wo gern auch mal ein Gartenzaun die Sicht begrenzt. Ein Jahrhundert nach der Revolution wäre es geboten, dem Absolutismus solcher Entscheidungen eine Prise Aufklärung hinzuzufügen."

(sd)

 

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