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Christian Grashof wird Ehrenmitglied des DT Berlin

Der feine Gestus der unteren Bezirke

Berlin, 1. Oktober 2018. Der Schauspieler Christian Grashof ist zum Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Berlin ernannt worden. Wie das Deutsche Theater mitteilt, wurde Grashof die Ehrung am gestrigen Sonntag im Anschluss an die Vorstellung der Jürgen-Gosch-Inszenierung von Tschechows "Die Möwe" verliehen. In seiner auf der DT-Website veröffentlichten Laudatio würdigte der Theaterkritiker Hans-Dieter Schütt Grashof als Spieler, der "stets gefeit gewesen" sei "gegen die spezifischen Gefährdungen einer kultgierigen Mimen-Aura; dazu ist er zu bodenständig, vor allem fehlt ihm das notwendige Quantum Dummheit für diese um sich greifende Lebensart. Er hat sich allzeit den feinen Gestus der unteren Bezirke bewahrt, wo Bescheidenheit eine soziale Vorsichtsmaßnahme bleibt", so Schütt.

Grashof Christian 560 Arno Declair u meldungChristian Grashof vom Deutschen Theater Berlin © Arno Declair

Christian Grashof wurde 1943 im damaligen Gablonz an der Neiße (heute Jablonec nad Nisou) geboren. Er wuchs in Löbau auf, studierte von 1964 bis 1967 an der Staatlichen Schauspielschule Berlin und debütierte am Theater Karl Marx Stadt, dem er von 1967 bis 1970 angehörte. Seit 1970 ist er, unterbrochen von Gastspielen und einem zweijährigen Engagement am Berliner Schillertheater (1990–1992), am Deutschen Theater Berlin engagiert und hat mehr als 50 Rollen gespielt. Dazu zählen Goethes "Torquato Tasso" (Regie: Friedo Solter) und die Doppelrolle Danton/Robespierre in Büchners "Dantons Tod" (Regie: Alexander Lang). In Robert Wilsons Inszenierung von "Dr. Caligari" spielte er die Titelrolle. Er war u. a. in dem Heiner Müller-Abend "GERMANIA. Stücke" (Regie: Dimiter Gotscheff), in Horváths "Kasimir und Karoline" (Regie: Andreas Dresen) oder in "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller, inszeniert von Dimiter Gotscheff, zu sehen. In Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierungen Onkel Wanja und Die Möwe trat Grashof auf, ebenso in Ivan Panteleevs Beckett-Umsetzung "Warten auf Godot".

Seit 2000 ist Grashof Mitglied der Berliner Akademie der Künste, Sektion Darstellende Kunst. Seit 2015 ist er Stellvertretender Direktor der Sektion.

(Deutsches Theater Berlin / chr)

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