Freier Eintritt gegen Populismus

10. Januar 2019. Bei der gestrigen Programmpräsentation des Theater Kosmos in Bregenz teilte Hubert Dragaschnig einer der beiden künstlerischen Leiter mit, dass FPÖ-Mitglieder für die vier Produktionen dieses Jahres freien Eintritt im Theater erhalten werden. Das schreibt der ORF Vorarlberg auf seiner Website.

Das Theater Kosmos, das sich mit fünf weiteren freien Theaterhäusern Österreichs zur Theaterallianz zusammengeschlossen hat, begründet diese positive Diskriminierung damit, dass man mit den FPÖlern ins Gespräch kommen und sie für ein "solidarisches Verhalten" gewinnen wolle.

Theater als Bastion der Mündigkeit

"In Zeiten, wenn Populisten versuchen, mit oberflächlichen Phrasen die Gesellschaft zu spalten und immer mehr Teile der Gesellschaft sich dieser Haltung anschließen, sind wir drauf und dran, wieder in eine selbstverschuldete Unmündigkeit zu geraten", sagte Dragaschnig. Das Theater verstehe er als "eine Bastion der Mündigkeit". Die Bühne sei als Ort der Begegnung mit Menschen und ihren Biografien zu verstehen. Das würde "Mitgefühl, Respekt, Empathie und Verständnis" befördern, zitiert der ORF den Theaterleiter.

FPÖ warnt vor Spaltung

Der Vorarlberger Landesparteivorsitzende der FPÖ Christof Bitschi warnte in einer Presseaussendung, laut ORF, vor "einer Spaltung der Gesellschaft" - Mit Aktionen wie der des Theater Phönix werde gezielt versucht, "die Stimmung in unserem Land zu vergiften und gegen eine demokratisch gewählte Partei und deren Mitglieder zu hetzen".

Siehe auch Hachenburg

Eine ähnlich gelagerte Aktion hatte zum Jahreswechsel das Kino in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) gestartet. Es bot den Mitgliedern der rechten AfD kostenlosen Eintritt für den Steven Spielberg-Film "Schindlers Liste" am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag. Aufgrund der sich anschließenden Disussionen verkündete das Kino vergangenen Donnerstag, allen Besuchern am 27. Januar freien Eintritt zu gewähren. So meldet es unter anderen die in Innsbruck erscheinende Tiroler Tageszeitung (3.1.2019).

"Wie gefällt Euch unsere Zeit?"

Das Theater Kosmos will in diesem Jahr mit Stücken von Bernhard Studlar, einer Odyssee-Variation nach Homer sowie zwei Uraufführungen von Mario Wurmitzer und Michael Köhlmeier "Position gegen den Populismus und die Ökonomisierung des Kulturbetriebs" beziehen. Das Motto der Spielzeit fragt mit Ödön von Horváth "Wie gefällt Euch unsere Zeit?"

Um eine Diskussion über die "zunehmende Ökonomisierung aller Facetten unseres Lebens", bei der öffentliche Bereiche wie Bildung, Soziales, Kunst und Kultur zunehmend "profaner Rentabilität“ unterstellt würden, in Gang zu setzen, werde je eine Aufführung der vier Produktionen nicht nur für alle Besucher gratis sein, jeder Besucher erhalte beim Verlassen des Theaters auch noch zehn Euro.

(www.vorarlberg.orf.at / www.tt.com / jnm)

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