Depri in Deutschland

von Sarah Heppekausen

Oberhausen, 8. Februar 2019. "Und einmal, da stand ich kurz vor meiner Abschlussprüfung an der Schauspielschule. Und da sagte meine Jahrgangsleiterraupe zu mir, du wirst niemals an einem Theater engagiert werden, denn für ein kleines Theater bist du zu auffällig ... Nur ein sehr großes Theater kann sich ein Luxusprodukt wie dich leisten." Diese Textpassage aus Technocandys neuer Produktion "Schaffen" mag biografisch sein, muss sie aber nicht. Fakt ist, Banafshe Hourmazdi ist nicht nur Teil des Performancekollektivs Technocandy, sondern auch eins von 18 Ensemblemitgliedern am Theater Oberhausen, fest engagiert. Intendant Florian Fiedler setzt auf Diversität, auf kulturelle Vielfalt im Team und im Programm – dafür wird das Theater jetzt auch von der Kulturstiftung des Bundes aus dem 360°-Fonds gefördert. In Workshops wird in Oberhausen gegen rassistische, sexistische, diskriminierende Kommunikation und Strukturen am Arbeitsplatz gearbeitet.

Der Intendant will, die Verwaltung sperrt sich

Es ist schon grotesk, dass gerade dieses Theater über eine Anti-Rassismus-Klausel stolpert. Die gibt es seit Anfang des Jahres, konzipiert für Theaterschaffende von der Regisseurin Julia Wissert und der Anwältin und Dramaturgin Sonja Laaser. Darum geht es: Werden Produktionsbeteiligte rassistisch diskriminiert, muss das Theater reagieren und aufklärende Workshops anbieten. Andernfalls haben die Betroffenen das Recht, die Premiere abzusagen. Die Technocandys waren begeistert und forderten diese Klausel für ihren Vertrag. Auf den Eintrag warten sie allerdings bis heute. Nicht, weil die künstlerische Leitung sich weigert, sondern die Verwaltung. Intendanten machen Verträge eben nicht alleine. Für Florian Fiedler muss es ein Schlag ins Gesicht sein. Bei Deutschlandfunk Kultur sagte er: "Vielleicht braucht es auch einfach noch mehr Zeit, um das juristisch abzuklären. Vielleicht ist es aber auch eine Haltungsfrage." Oberhausen hätte als erstes Theater, das diese Klausel unterschreibt, ein Zeichen setzen können.

Dennoch. Die Premiere fand statt, auch ohne Klausel im Vertrag. Banafshe Hourmazdi, Golschan Ahmad Haschemi und Frederik Müller treten als Schmetterlinge auf. Transformation ist das Stichwort. Die drei haben es geschafft. Als flügelflirtende Verwandelte bezirzen sie ihr Publikum, auch mit Donuts. Oder sie erinnern sich an ihre Zeit als Raupe, an unbeantwortete E-Mails, an misslungene Dates, an Lohnungerechtigkeit, an sexuelle Belästigungen. Aus Trauer, Wut oder Verzweiflung hauen und treten sie dann auf große schwarze Sitzkissen ein (Bühne: Debo Kötting). Einen Flügelschlag später kippt die Stimmung ins Fröhlich-Tänzelnde, ins Absurd-Komische, ins Scheinbar-Demütige. Oder die drei stoßen an, mit Kaffee, der Droge der Arbeitenden. So schwirren die (großen) Themen und (heftigen) Gemütslagen gefühlschaosartig durch den Theatersaal. Skizzenhaft. Angedeutet. Haltlos. Was der Performance fehlt, ist eine verbindende Substanz, die Empathie möglich machen könnte und etwas mehr und anderes wäre als ein übergeordnetes Thema.

Momentaufnahmen aus dem Künstler*innen-Prekariat

Dabei sind die drei charmante Performer*innen: Frederik Müller als unsicherer, tröstlicher Singer-Songwriter, Golschan Ahmad Haschemi als langgelockte, mutige Karaokesängerin mit reichlich Wut im glitzernden Bauch. Und Banafshe Hourmazdi tritt einer unfairen Welt mit liebenswürdiger Lässigkeit und erfahrenem Trotz entgegen. Ausdauernd demonstriert sie Klopftherapie gegen seelische Schmerzen. Nur der Schmerz, der ist nicht spürbar. Vieles ploppt bloß worthülsenhaft auf, nicht mehr als ein weiterer Baustein im Textgefüge. Glücklicherweise nehmen die drei sich selbst nicht so ernst, plaudern davon, dass sie sich Infos für 'diese ganze Chose' auch bei Wikipedia geholt hätten.

Schaffen 1 560 IsabelMachadoMuller uFrederik Müller, Banafshe Hourmazdi, Golscham Ahmad Haschemi © Isabel Machado Rios

Sie spielen mit Texten aus der Bibel ("Selig sind, die da arm sind, denn ihrer sind die Produktionsmittel"), dichten witzige Songverse ("Wir können dich zwar nicht bezahlen / Weh mir, oh weh, aber die Erfahrung ist doch auch was wert"), hauen den Hit "Depressiv in Deutschland" raus und kleben am Ende insektenartig plattgemacht an der Wand. Momentaufnahmen, die einiges insinuieren, aber wenige Denkräume eröffnen. Spielerische Leichtigkeit ist ja nicht verkehrt, aber "Schaffen" fehlt es an Wucht und Nachdruck. Da sorgt die Debatte um die Anti-Rassismus-Klausel für größere Aufregung.

Schaffen
Wer ohne Arbeit ist, werfe den ersten Stein
von Technocandy
Konzept und Regie: Golschan Ahmad Haschemi, Banafshe Hourmazdi, Frederik Müller, Bühne und Kostüme: Debo Kötting, Dramaturgie: Elena von Liebenstein.
Mit: Golschan Ahmad Haschemi, Banafshe Hourmazdi, Frederik Müller.
Premiere am 8. Februar 2019
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

www.theater-oberhausen.de

 

Kritikenrundschau

Von einem "Reinfall" spricht Jens Dirksen in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (9.2.2019). "Viel guter Wille, wenig Können", gibt der Kritiker zu Protokoll. Dabei würden wichtige Dinge verhandelt: sexualisierte und rassistische Diskriminierung, allzu genormte Geschlechtlichkeit. Aber all dies werde verdeckt "von einer verblüffenden Laienhaftigkeit des Spiels, die man in einem Stadttheater nicht erwartet, nicht erwarten darf. Texte werden aufgesagt statt gesprochen, manchmal weggenuschelt. Der recht häufig eingesetzte Gesang ist deutlich zu ungeschult, als dass man ihn auf einer Bühne erklingen lassen sollte. Und dann war auch noch eine der beiden eingesetzten Gitarren schlecht gestimmt." In gewissen Phasen nahm der Abend dem Eindruck des Kritikers zufolge "Züge von psychotherapeutischen Übungen an."

 

Kommentare  
Schaffen, Oberhausen: Ende des Rechtssystems
'Die Vereinbarung sieht vor, dass die beschuldigte Partei, etwa ein Theater, im Falle eines Verstoßes auf eigene Kosten eine Schulung oder vergleichbare Maßnahme mit ihren Mitarbeiter*innen durchführen lassen muss, die zur Aufklärung über rassistische Strukturen und rassistische Wortwahl beiträgt. Eine Besonderheit ist, dass die Deutungshoheit darüber, welche Beleidigungen als rassistisch diskriminierend eingestuft werden, bei den Betroffenen selbst liegt.' - das widerspricht schon dem gesunden menschenverstand einer offenen diskursgesellschaft. keinesfalls muss ich, weil sich jemand beleidigt fühlt, allein deswegen bereits irgendwelche workshops mitmachen. rassismus ist genauso wie jeder andere sachverhalt beweispflichtig, und der beweis kann sich niemals aus subjektiven empfindungen ergeben. so eine klausel ist per se illegal, weil sie die verleumdung des beschuldigten impliziert, und sie allein durch die beschuldigung in ein urteil transformiert. wenn urteil und anklage im selben sprechakt vollzogen werden können, wird damit nichts anderes als das ende des rechtssystems eingeläutet.
Schaffen, Oberhausen: Einwand zur Klausel
http://kanzlei-laaser.com/wp-content/uploads/2019/01/Anti-Rassismus-Klausel.docx

Die Rechtsanwältin weist auf ihrer Website darauf hin, das Besondere der Klausel sei, dass es einzig in der Entscheidung der mutmasslich Betroffenen liegt, was sie als rassistisch empfinden. Ich bezweifle, dass der Subventionsvertrag einer öffentlich geförderten Institution es zulässt, sich auf eine schwammige Klausel einzulassen, die gegebenebfalls hohe Kosten und Imageschaden verursachen kann, deren Anwendungspflicht aber einzig auf dem subjektivem Empfinden Einzelner beruht. Abgesehen davon kann diese Klausel eine Atmosphäre von Misstrauen und Denunziation schaffen, da ausdrücklich auch subjektiv als rassistisch empfundenes Verhalten gilt - das heißt, wenn jemand sich in der Kantinenschlange übergangen fühlt, mit seinen Probenbedingungen untufrieden ist - alles kann als rassistisch ausgelegt werden.
Schaffen, Oberhausen: Sehnsucht nach Konkretheit
Ich hätte bei der ganzen Debatte eine große Sehnsucht: Konkretheit!

(...)


(Große Teile des Kommentars entsprachen nicht unseren Regeln, die besagen, dass hier keine Mutmaßungen und unüberprüfbaren Behauptungen veröffentlicht werden. Mit der Bitte um Verständnis und herzlichem Gruß, Esther Slevogt)
Schaffen, Oberhausen: Code Of Conduct
das theater oberhausen, wenn es sich so progressiv darstellen will - soll sich einen code of conduct geben, natürlich im bottom-up process.
den klebt es einfach an jeden vertrag mit gästen dran.
sich prinzipiell von gästen diktieren zu lassen was eine rassistische handlung ist, heisst die deutungshoheit über das thema selbst an der garderobe abzugeben. erarbeitet einfach eure eigene haltung zu rassismus, schreibts auf. (...) es gibt ein antidiskriminierungsgesetz, auf das kann im vertragstext aufmerksam gemacht werden. (...)

(Teile des Kommentars entsprachen nicht dem Kommentarcodex und wurden deshalb gekürzt, Freundliche Grüsse aus der Redaktion, Esther Slevogt)
Schaffen, Oberhausen: Kompliment
Zuallererst ein grosses Kompliment an Technocandy zu diesem schönen Abend, der sehr berührend, charmant und von grosser Leichtigkeit war und trotzdem immer wieder mit schmerzhafter Offenheit die Wunden zeigte, die wir allzu gerne übersehen.
Schaffen, Oberhausen: Dank
Großer Dank und Kompliment an die Verwaltung des Theater Oberhausen!
Schaffen, Oberhausen: Deutungshoheit
Und dann zu obigen Kommentaren:
Erstens ist es absurd zu glauben, die Deutungshoheit über einen rassitischen Vorfall könnte bei irgendwem anderes liegen, als bei der betroffenen Person selbst. Das ist in einem Umfeld von strukturellem Rassismus quasi physikalisch unmöglich. Und zu denken, das Theater sei der einzige Ort in Deutschland, der frei davon ist, ist ebenso abwegig.
Zweitens geht es in dieser Klausel ganz offensichtlich nicht darum, wegen irgendeiner Beleidigung einen mehrtägigen Workshop zu veranstalten (obwohl auch das nicht nur falsch wäre), sondern es ist ja doch sehr klar definiert, was eine rassistische Äusserung/Handlung ist. Und ebenso absurd ist es davon auszugehen, dass sich eine von (oft täglichem) Rassismus betroffene Person aus Lust&Laune in die höchst unangenehme Situation bringt jemanden aus dem eigenen Arbeitsumfeld einer rassistischen Handlung/Äusserung zu beschuldigen.

Es ist sehr enttäuschend, dass offenbar in der Spannteppichetage nicht erkannt wird, dass dies die Gelegenheit gewesen wäre, als Theater Oberhausen ein sehr positives und wichtiges Zeichen in der Rassismusdebatte zu setzen. Und eine Kantine haben sie auch nicht.
Schaffen, Oberhausen: Toller Abend
Hallo in die Runde!
Ich kann mich zu der Diskussion um die Rassismus-Klausel nicht äußern, da ich selbst nicht von Rassismus betroffen bin und da würde ich es den Künstlerinnen und Künstlern überlassen, die richtigen Umgangsweisen mit dieser Erfahrung in die Wege zu leiten..
Aber ich kann mich zum Abend äußern, den ich gestern erleben durfte. "Schaffen" ist m.M.n. die stärkste Stückentwicklung dieser außergewöhnlichen Truppe. Es schließt einen Zirkel ab, der sich von Rechtsradikalismus, zu unguten Männerbünden bis hin zur Heilung bewegt hat. Ich habe immer wieder schlucken müssen und war überrascht, wie sehr mich der Abend berührt hat. Ich hab im Publikum auch die eine oder andere vergossene Träne gesehen.
Ich freue mich schon auf zukünftige Arbeiten dieser drei Schmetterlinge.... Viele Grüße aus Bottrop.
Schaffen, Oberhausen: selbstgefällig
Ich fand den Abend langweilig und ausgesprochen selbstgefällig ,
ein Selbsterfahrungsjugendculb auf Schmetterlingsreise, was sind die Aussagen, was will der Abend uns mitgeben?
und dann auch noch schlecht gespielt.
es ist schade, es gab so viele schöne Inszenierungen am Theater Oberhausen, voller Kraft, Ideen und Anregungen, Herbert Fritsch , Simone Stone, Jürgen Kruse, und jetzt so ein Niveau ,
Es ist so schade, daß es jetzt wenige qualitative, kreative Inszenierungen gibt.
Das Theater Oberhausen, daß schon so tolle Theaterabende mir gegeben hat, hat sowas nicht verdient.
Schaffen, Oberhausen: Lob
Großartiges Stück, bitte mehr davon!
Schaffen, Oberhausen: genaue Prüfung
Die Definition mag klar scheinen, ist aber nicht, wenn sie in einer willkürlichen und unüberprüfbaren Form angewandt wird. Denn es muss erst eruiert werden, ob es sich wirklich um eine Zurücksetzung oder Schlechterbehandlung handelt - oder um ein subjektives Empfinden. Jedes Theater hat andere Bedingungen, ein neues Team kann etwas als Ungleichbehandlung auslegen, was der Arbeitsweise des Hauses entspricht. Dann muss eruiert werden, ob eine mögliche Ungleichbehandlung aufgrund rassistischer Motive ist; denn innerhalb eines Spielplans haben Produktionen einen unterschiedlichen Stellenwert, manche haben bessere Bedingungen, andere werden als Nebenproduktionen behandelt - auch da könnten ungerechtfertigt rassistische Motive unterstellt werden. Last but not least das Zwischenmenschliche: es kommt vor, dass Menschen sich nicht verstehen oder nicht gut zusammen arbeiten können. Und es passieren an jedem Theater täglich Fehler, Namen werden auf der Website falsch geschrieben und solche Sachen, das ist bei der hohen Arbeitsbelastung nicht vermeidbar. Wenn solche Vorgänge von den Betroffenen als Reaktion auf ihre Hautfarbe etc. intepretiert werden, und dieses persönliche Empfinden ohne objektive Prüfung ausreicht, andere als rassistisch zu denunzieren und Massnahmen zu erzwingen, dann ist, wie @1 schreibt, das Rechtssystem ausgehebelt und Willkür und Machtmissbrauch Tür und Tor geöffnet. Denn nur weil es in unserer Gesellschaft strukturellen Rassismus in hohem Masse gibt, heißt das nicht, dass Menschen anderer Herkunft grundsätzlich keine Machtpositionen einnehmen und diese missbrauchen können - mit so einer vertraglichen Klausel könnte man jeden willkürlich diffamieren, aus welchen Gründen immer. Deshalb fordert unsere Gesellschaft und unser Rechtssystem die genaue Prüfung jeder Beschudligung. Ein gefährlicher und angsteinflößender Vorgang.
Schaffen, Oberhausen: wichtige Debatte
Endlich wird die Debatte mal angestoßen. Ich frage mich, warum dies bei keinem der großen Häuser geschieht und immer vermeintlich kleine wie das Theater Oberhausen als Vorreiter herhalten müssen. Egal auf welcher Seite man steht: Die Debatte ist wichtig und schappt hoffentlich auch vom Theater Oberhausen in die verschlaffenen Flaggschiffe der deutschen Theaterlandschaft!
Schaffen, Oberhausen: gelangweilt
Hallo ich war gestern in der Vorstellung, und habe mich furchtbar gelangweilt, ich fand es eine selbst Erfahrungs Darstellung, und ich verstehe nicht, warum sowas am Stadttheater aufgeführt wird, Ich habe schon so viele schöne Theateraufführung am Theater Oberhausen gesehen, dass ich es doch sehr bedaur, dass die Qualität der Aufführungen mittlerweile so schlecht geworden ist.
Ich weiß nicht was die Aufführung mir sagen soll, und was es für neue anregende Gedanken geben soll. Sehr bedauerlich und dann diese ganze Rassismus Diskussion, ist das nicht alles etwas übertrieben? Qualität zeigt sich anders.
Schaffen, Oberhausen: keine Wucht
Ich kann der Kritik nur zustimmen. Keine Wucht, Kein Nachdruck und das liegt meines Erachtens vor allem an der Oberflächlichkeit und Eitelkeit der drei Darsteller*innen. @Petra: Ich kann ihren Unmut über die sonstigen Arbeiten am Theater Oberhausen nicht teilen und finde ihr schwelgen in der Vergangenheit etwas albern. "Der Sandmann", "Salomé", "Scham","Bernarda Albas Haus","Schuld und Sühne", u.v.a. sind großartige, innovative Abende auf hohem schauspielerischen Niveau.
Schaffen, Oberhausen: andere Perspektiven
Alles klar Petra, offensichtlich hast du dich wirklich gelangweilt. Hier ist ein anregender Gedanke für dich: es gibt tatsächlich noch andere Perspektiven & Kunstformen als die von älteren, weissen Männern wie Kruse & Fritsch. Nicht gegen Fritsch, das ist manchmal echt lustig.
Schaffen, Oberhausen: auch genaue Prüfung
@Martin: Wir nehmen jetzt spasseshalber einfach mal an, du würdest in der Verwaltungsetage eines von strukturellem Rassismus betroffenen Theater sitzen. Sprich: egal wo. Such dir eins aus. Gehen wir auch davon aus, dass die Künstler*innen bei dir am Haus grundsätzlich alle sehr daran interessiert sind, gute Arbeit zu leisten, Spass mit ihren Kolleg*innen zu haben und ein gutes, anerkennendes Verhältnis zu den restlichen Mitarbeiter*innen am Haus, auch zu dir. Vielleicht meinst du ja auch das mit Zwischenmenschlichem. Und wie oben schon gesagt wird sich niemand einfach nur so ins Kreuzfeuer einer Rassismusdiskussion stellen, wenn’s keinen sehr triftigen Grund dafür gibt. Und wenn 1x der Name falsch geschrieben wird, ist das keiner, glaub mir. Auch nicht, wenn man nur ne Produktion auf der kleinen Bühne machen darf, denn das steht ja so von Anfang an im Vertrag. Sollte nun - worst case - tatsächlich jemand komplett willkürlich diffamiert werden und das komplette Rechtssystem ausgehebelt werden, dann gibt’s einen Workshop und alle lernen was. Da wird für Blöderes Geld ausgegeben. Und nochmals: Wer genau sollte denn beurteilen können, ob nun etwas rassistisch ist oder nicht, wenn nicht diejenigen, die diese Situationen kennen? Jemand wie du, der (auch das ne Spekulation) noch nie eine solche Erfahrung gemacht hat? DAS ist ein gefährlicher und angsteinflößender Vorgang.
Schaffen, Oberhausen: Debattenkultur
@12 Ja, die Debatte ist wichtig, aber sie braucht nachvollziehbare Kriterien, sonst läuft sie ins Leere oder bewirkt das Gegenteil. Man bekämpft nicht Diffamierung mit Diffamierung.
Mein Beitrag 11 bezog sich auf @7. Und ich wiederhole: das stimmt nicht. Wie kann man behaupten, nur die betroffene Person selbst habe die Deutungshoheit über einen rassistischen Vorfall?! Das würde heißen, dass diese Person die „wahren“ Beweggründe eines jeden Menschen kennt, der ihr begegnet? Was für eine abstruse Behauptung! Ich bitte darum, den gesunden Menschenverstand einzuschalten.
Schaffen, Oberhausen: nicht überzeugt
@16 Die Frage ist, was Sie mit „solche Erfahrung“ meinen. Ich habe Erfahrung mit Diskriminierung wegen sozialer Herkunft, sexueller Orientierung. Mit Deutschenfeindlichkeit in meiner Wahlheimat. Deshalb weiß ich, wie gefährdet ich als verletzter Mensch bin, jede Zurückweisung am Bankschalter, bei der Vergabe von Stipendien oder durch Nichtbesetzung für die Traumrolle reflexartig auf mein „Anderssein“ zu beziehen. Meist hält der Verdacht einer Prüfung nicht stand, ich stelle fest, dass heterosexuelle Österreicher aus Akademikerfamilien gleiche Erfahrungen machen. Aber trotzdem kenne icn das Trostpotential, dass die Begründung mit dem „Anderssein“ bei Misserfolgen mir bietet. Haben Sie das Interview mit Technocandy in der taz gelesen? Sie liefern das Argument gleich mit: sie wissen, dass viele Türen verschlossen sind, weil sie so politisch sind. Wie bitte?! Politisches Theater ist gefragt und gewollt, es wäre karriereschädigender für Künstler*innen, ihre Arbeit nicht politisch zu verstehen. Einer der erfolgreichsten europäischen Regisseure ist Milo Rau. Ich habe „Schaffen“ nicht gesehen, aber „Toxic“ von Technocandy. Das hat mich nicht überzeugt und die Kritiken für „Schaffen“ klingen nicht vielversprechend. Ich wage zu behaupten, dass Technocandy durch diese Debatte zur Rassismus-Klausel mehr Aufmerksamkeit bekommt, als die Gruppe für ihre Kunst bekommen würde.
Schaffen, Oberhausen: Ratschlag
Lieber Martin, (...)

Wenn Sie als weisser Mann das Stipendium oder die Rolle nicht kriegen, ist das mit grösster Wahrscheinlichkeit, weil andere besser waren als Sie. Die Erfahrung hab ich auch schon gemacht und das war hart. Wenn Sie am Bankschalter zurückgewiesen werden, dann weil Sie kein Geld mehr auf dem Konto haben. Das wiederum ist eine Erfahrung, die österreichische Akademiker wohl kaum machen.
Was aber nun von Rassismus betroffene Personen alles für Erfahrungen machen, kann und will ich Ihnen nicht aufzählen.
Aber ein wirklich ernstgemeinter Ratschlag von weissem Mann zu weissem Mann: lesen Sie dieses Buch, da steht alles drin, was Sie fürs Erste wissen müssen. >Noah Sow - Deutschland Schwarz Weiss<

Warum nun gerade Milo Rau zwar wirklich gute Arbeit macht, aber ein schlechtes Bsp in dieser Diskussion ist, müssen Sie selber rausfinden.
Schaffen, Oberhausen: die Klausel
1. Q&A zur Anti-Rassismus-Klausel (Klausel)

Für welchen Fall gilt die Klausel? Die Klausel gilt für den Fall, dass sich Mitarbeiter*innen eines Theaters gegenüber an der Produktion beteiligten Personen (z. B. Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Bühnenbildner*innen etc.) rassistisch äußern.

Wann gilt eine Äußerung als rassistisch?
Eine Äußerung gilt als rassistisch, wenn sich eine an einer Produktion beteiligten Person von einer Äußerung durch Mitarbeitende betroffen fühlt, welche einen Bezug zu der in der Klausel verankerten Definition von Rassismus hat. Die Definition von Rassismus in der Klausel geht auf Artikel 1 UN-Rassendiskriminierungskonvention zurück. Eine Äußerung ist nicht rassistisch, wenn zwischen dem Vorfall und der in der Klausel verankerten Definition von Rassismus kein Bezug hergestellt werden kann. Sollten sich Theater und Betroffene*r über den Bezug von Äußerung und Rassismus streiten, könnte dieser Streit von Gerichten entschieden werden.

Was ist die Konsequenz einer rassistischen Äußerung?
Als Konsequenz einer rassistischen Äußerung ist das Theater verpflichtet, einen Workshop oder eine sonstige Maßnahme durchzuführen (nachfolgend Workshop). Welche Maßnahmen in Betracht kommen, definiert die Klausel nicht genauer und kann vom Theater selbst festgelegt werden. Die Klausel soll zunächst vielmehr die Mitarbeiter*innen des Theaters für das Thema Rassismus sensibilisieren.

Was passiert, wenn das Theater keine Maßnahmen ergreift?
In diesem Fall kann die an der Produktion beteiligte Person die Durchführung eines Workshops verlangen und kommt das Theater seiner Verpflichtung daraufhin vorwerfbar nicht nach, kann der/die Personen, die die Klausel in dem Vertrag aufgenommen hat, den Vertrag einseitig kündigen. Dies bedeutet jedoch auch, dass Theater jederzeit eine Kündigung verhindern können, das Kündigungsrecht also aufschiebend bedingt ist.

Sind einseitige Kündigungsrechte in Produktionsverträgen ungewöhnlich?
Nein, einseitige Kündigungsrechte sind in Verträgen zwischen Theatern und Kulturschaffenden nichts Ungewöhnliches. Es liegen eine Vielzahl von insbesondere Dienstverträgen vor, in denen sich vor allem Theater einseitige Kündigungsrechte – auch ohne Begründungsnotwendigkeit – vorbehalten.

Wird die Klausel bereits heute genutzt?
Ja, die Klausel wurde in der Praxis schon in Verträgen aufgenommen.

Bestraft die Klausel das Theater?
Nein. Die Klausel bestraft niemanden. Sie trifft auch keine Entscheidung darüber, ob sich ein Mitarbeiter strafbar gemacht hat. Das soll sie auch nicht. Für Strafen (im strafrechtlichen Sinne) sind die Gerichte zuständig. Und da gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung für Beschuldigte.

2. Warum haben wir uns an der Erarbeitung der Klausel beteiligt?

Wir betrachten Rassismus als ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft und eine direkte Auswirkung unserer kolonialen Vergangenheit. Damit liegt dessen Bekämpfung unserer Meinung nach in der Verantwortung all jener Personen und Institutionen, die von diesen Strukturen – bewusst oder unbewusst – bis heute profitieren. Das Theater als zentrale gesellschaftliche Akteurin ist Teil dieses Systems und daher unserer Auffassung nach in der Pflicht, seine Position sowie die interne Organisation kritisch zu reflektieren.

Weiter: http://kanzlei-laaser.com/die-anti-rassismusklausel-hintergrund-und-zielrichtung/
Schaffen, Oberhausen: endlich was für mich
Ich war in der Premiere von "Schaffen" und muss sagen, hier habe ich endlich seit langer Zeit mal wieder ein Theaterstück gesehen, in dem ich mich selbst wiederfinden konnte. Die Geschichten, die erzählt wurden, rissen Wunden an, sie stellten sich aber nicht zur Schau, sodass in mir genug Raum für Resonanz blieb, ohne voyeuristischen Beigeschmack. Für das Theaterstück reiste ich extra weit an und muss sagen, es hat sich einfach nur gelohnt.
Ironisch finde ich dann die Reaktionen, die mehr "Wucht" verlangen, es wird von einer Sehnsucht nach Konkretheit und ich kann nicht umhin mich zu fragen: wird hier von marginalisierten Körpern auf der Bühne erwartet, die Zuschauenden mit ihrem Schmerz zu entertainen? Spannend finde ich hier: Die Technocandies haben sich trotz fehlender Klausel im Vertrag auf die Bühne gestellt und den rassistischen Mechanismen getrotzt, die genau diese Vertragsklausel verhindern. Das hätten sie nicht tun müssen. Und dafür habe ich größen Respekt vor der Gruppe. Nicht nur deshalb. Auch wegen ihrer Sorge um sich selbst, sich nicht anzubieten, wie es hier von einigen erwartet wird. Wie es in kolonialisierter Kunst Gang und Gäbe ist. Die Prämisse: Die weißen, hetero cis Augen sollen zufrieden sein. Mir macht es nach dem Theaterbesuch immer wieder Spaß mich zu fragen: Wieso fehlt mir etwas? Wieso bin ich unbefriedigt? Liegt es vielleicht daran, dass ich daran gewöhnt bin, dass mir all meine Sehnsüchte und Wünsche als Teil der Dominanzgesellschaft erfüllt werden? Werde ich wütend wenn das nicht passiert? Das Stück bietet viele Anknüpfungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen. Ich für meinen Teil freue mich, einen Teil meiner Wut auf das kapitalistische Ideal unserer Gesellschaft wiedergefunden zu haben. Dass auf einer Bühne Solidarität miteinander größer geschrieben wird als die Befriedigung eines weißen Blickes macht mich hoffnungsvoll für die Zukunft des Theaters. Ich wünsche mir mehr davon.
Schaffen, Oberhausen: Zerfleischen wg. Details, @20
Ich gehe d‘accord mit Ihnen, dass es Rassismus in unserer Gesellschaft gibt, sehe dafür aber andere Gründe als unsere koloniale Vergangenheit. Mir kommt das wie ein theorielastiges Scheingefecht und eine Verharmlosung des heutigen rassistischen Gedankenguts vor. Es ist wichtiger, sich gegen Hass und Verachtung in den Köpfen derer zu stellen, die HEUTE gefährlich sind. Und die sitzen sicher nicht in den Theaterverwaltungen. Das ist preaching to the converted, nur dass die einen etwas mehr converted sind als die anderen. Das Problem unserer Kulturszene: wir zerfleischen uns im geschützten Raum wegen Details und wundern uns, dass wir niemanden mehr erreichen als unsere kleiner werdende Blase. Im Mai steht eine Europawahl an, bei der ein weiterer Rechtsruck zu befürchten ist - und wir machen am Theater einen Workshop für Mitarbeiter*innen, die zwar eigentlich gegen Rassismus sind, aber sich noch nicht genug wegen des Kolonialismus ihrer Vorvorvorfahren gegeißelt haben. Sicher gut, wenn wir gegeneinander kämpfen und einer Theaterverwaltung Rassismus unterstellen, weil sie eine Vertragsklausel nicht will, dann haben die Kickls und Gaulands und Blochers zumindest ihre Ruhe vor uns und freie Bahn.
Schaffen, Oberhausen: die Möglichkeit zu verstehen
Also wäre ich eine Kollegin am Theater heißt es, dass ich wenn ich mich diskriminierend verhalte darauf hingewiesen werde und an einem Weiterbildungsworkshop teilnehmen darf? Hmm, ich habe also die Wahl mich zu entscheiden mein Verhalten zu reflektieren oder einfach weiter zu diskriminieren. Claro es ist unbequem für mich zu erkennen, dass ich mich falsch verhalte, aber da ich mich ja schon entscheiden kann, will ich bitte gerne die Möglichkeit wählen mich nicht weiter falsch zu verhalten. Und darüber entscheiden, was rassistisch ist oder nicht kann ich nicht. Dann bin ich dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe zu verstehen zu lernen, was Betroffene daran rassistisch finden. Danke aus.
Schaffen, Oberhausen: Formulierung
@23 es ist keinesfalls ein offener demokratischer diskurs, wenn ich jemandem per paragraphen das recht einräume, willkürlich einzuschätzen, wann ich mich falsch verhalten habe. und da gibt's auch kein ende aus, du bist nämlich auch nicht schlauer oder beschränkter als die beschuldigenden, die genauso falsch liegen können. gibt's bei dem workshop denn die möglichkeit, dass der rassismus-beschuldigende erkennen könnte, dass er falsch liegt? nein. sonst wäre der paragraph anders formuliert. so schwer kann's doch nicht sein.
Schaffen, Oberhausen: dem Stück seinen Raum lassen
Ich habe die Premiere gesehen und war sehr angetan. Die Gewalterfahrungen wurden in dem Stück äußerst zurückhaltend und berührend dargestellt. Die Zuschauer wurden nicht mit den sonst häufig dargestellten Gewaltorgien konfrontiert, denen man sich während der Vorstellung nicht entziehen kann. Die Sublimierung als Schmetterling/Raupe fand ich sehr gelungen. Es gab sehr starke Bilder, aber keine erzählte Geschichte wie im klassischen Theater. Wenn man andere Stücke von technocandy kennt, tut man sich leichter damit, sich zurecht zu finden in einer Mischung aus Theater, Performance, Musiktheater. Zumindest gibt es immer etwas für die eigene Fantasie und auch bei ernsten Themen was zu lachen. Eine moderne Theaterform, die mal ganz anders ist, als was man so kennt.
Am Thema Rassismus scheint man sich in Oberhausen ziemlich abzuarbeiten.
Das Stück sollte aber auch mal unabhängig von der aktuellen Diskussiion seine Wirkung entfalten dürfen.
Schaffen, Oberhausen: Resonanz
Ich finde es erstaunlich, was dieses Stück für Reaktionen hervorruft! Wenn die Gruppe so polarisiert bedeutet das für mich, dass sie unheimlich gute Arbeit geleistet haben. Allen noch einen schönen Sonntagabend.
Schaffen, Oberhausen: oberflächlich
Und wieder ein Kurzschluß. Viele Kommentare hier beziehen sich nicht auf die Aufführung (wird auch deutlich gesagt), sondern auf die Debatte, ob diese Klausel sinnvoll ist. Daraus zu schlussfolgern: die haben „unheimlich gute Arbeit geleistet“ das mag Ihnen gewitzt vorkommen, zeugt aber nur von Oberflächlichkeit. Ich empfehle als Reihenfolge für Diskussionen wie diese: lesen, denken, schreiben.
Schaffen, Oberhausen: Theaterwissenschaft
Theater findet nicht im luftleeren Raum statt und wie wir es hier mitbekommen, schlägt die Inszenierung, die Arbeit der Gruppe Wellen, die über das eigentliche Stück hinausgehen. Ich lese das als eine Metaebene der theatralen Arbeit, die nicht mit den Grenzen des Bühnenraums abschließt und somit großes Potenzial für Diskurse bietet. Darüberhinaus lässt sich das Stück mit einem analytischen Blick in eine herrschaftskritische Theaterhistorie einordnen, in der marginalisierte Subjekte auf der Bühne sich selbst als Ausgangspunkt und Adressat*innen begreifen. Sie spielen mit der bestehenden Bildungshierarchie des deutschen Theaters, bringen andere Perspektiven auf den Plan, mit denen sich, klar, nicht jede Person identifizieren kann. Übrigens genauso wenig wie sich jede Person in einem klassischen Sommernachtstraum oder einer klassischen Salomé Inszenierung wiederfinden kann. Die Gruppe wählt Codes und Ästhetiken, die denen zugänglich sind, die sich sonst im Theater nicht repräsentiert fühlen. Das krempelt das Theater ein Stück weit um. Und - pardon - ich bleibe dabei - das ist eine starke Leistung und gute Arbeit.
Schaffen, Oberhausen: mein Herz berührt
Liebe Technocandy,
ich danke Euch, dass Ihr mir eine Seite des Theaters gezeigt habt, an die ich schon fast nicht mehr geglaubt habe.

Für mich hatte Theater schon immer ein politisches Mandat, dass schwer zu finden ist, im Spannungsfeld zwischen Eliten-Ego, Diktate weißer & alter Männer, einer Ästhetik die gefallen & entertainen will & dem Erfüllen von Förderungsbedingungen. Mit „Schaffen“ habt Ihr mein Herz berührt, denn der Arbeitsmarkt & alle Endtäuschungen die mit dem Ideal „Arbeit“ einhergehen sind wichtige Themen in meinem Leben. Ich weiß, dass da draußen auch viele andere „Verlierer_innen“ der unzähligen, menschenunwürdigen Arbeitsmärkte sind. Sogar Ihr, wo ich immer dachte, wer am Theater arbeitet hat zwar keine wirtschaftlichen Sicherheiten oder Reichtum zu erwarten, aber Ihr müsstet doch wenigstens nichts mit dem Staub der alten Denkweisen „zu schaffen haben“ ;) & mit Menschen zu tun haben, die bunt, jung & glücklich sind. So schade, dass die (Arbeitsmarkt-)Realität wohl auch bei Euch zuschlägt. Am Ende geht es um Geld, egal, was das mit Menschen macht. Danke, dass Ihr dieses Thema aufgreift, wo gerade in Deutschland mit aller Macht versucht wird Arbeit als Universal-Machtinstrument zu halten.

Danke, dass Ihr uns sogar die Kaffeepausen ins Theater geholt habt, so lustig & traurig zugleich! Egal wer wo arbeitet, am Schönsten sind die Pausen, der Feierabend, die Wochenenden & der Urlaub, weil wir unsere Maloche ja so lieben. Ihr habt mich verwirrt, bin ich noch im Stück oder läuft tatsächlich der Pausen-Modus, es gibt ja Kaffee…? Ihr habt mich damit auf die Bühne geholt & so gab es keine Grenze zwischen uns, so ist es halt, am Ende müssen wir alle Kohle ranschaffen. Ihr habt bei all dem depressiven Deutschland, dem Ausrasten & zerstören wollen noch etwas bewahrt, das mir schon verloren gegangen ist: Humor. Noch nie musste ich so viel lachen, bei dem Thema Schaffen. Mein Lieblingsmoment: der letzte Strick im Kapitalismus & die Lösung, wie auch ich als unwerte Harzt-4-Empfängerin & Leistungsverweigerin an diesen heran komme: ich stehle ihn einfach! Ich werde in Zukunft auch bei jedem an der Wand geklatschten Insekt an Euch denken müssen, die zarten Falter im Strudel der Arbeit… & wenn ich auch nicht mehr kann, dann klau ich mir den Strick!

Danke auch dafür, dass Ihr Euch gegen den Strom des Unverständnisses für Rassismus-Probleme in Deutschland stellt. Es tut mir so leid, dass dafür Euer Stück zerrissen wird, dass Ihr diffamiert & beleidigt werdet. Das habt Ihr echt nicht verdient. Ihr habt mir mit der Diskussion neue Wege zu Denken gezeigt, auch wenn es bei all der Ernüchterung durch die miesen Reaktionen schwer fällt, das Potenzial der Klausel zu begreifen. Ich bin „Eingedeutscht“ & so ist es nicht leicht zu erkennen, dass ich keine richtige „Bio-Deutsche“ bin. Wer weiß was das heißt, kann auch einen anderen Blick auf unterschwelligen, etablierten Rassismus im Alltag haben. Allein zu wissen, dass die Definition tatsächlich individuell sein kann, beantwortet mir viele Fragen & löscht das Gefühl von Handlungsunfähigkeit, die ein AGG, unzählige Leitbilder & sonst welche „Lösungen“ versprechen & nicht halten. Die heftigen Reaktionen zeigen auch, dass hier alles vermischt wird. Die Klausel ist nicht das Strafgesetzbuch, ein Workshop keine juristische Sanktion, noch nicht mal abmahnungsfähig. Darüber reden geht nicht ohne Aufklärung & das erfordert Konfrontation. Schade, dass das nicht gesehen wird, sondern wieder nur irgendwelche Ängste kreiert werden, die davon abhalten, mal echt was zu verändern.

Bitte lasst Euch nicht davon unterkriegen, denn Menschen wie ich brauchen Euch & Eure Arbeit. Um nicht die Hoffnung zu verlieren & um gesehen zu werden. Bitte weiter schaffen ;)
Danke, Danke, Danke!
Schaffen, Oberhausen: Frage
29: Wie kommen Sie zu der Behauptung, das Stück werde deshalb zerrissen (verrissen), weil Technocandy eine Rassismus-Debatte angestoßen haben? Welche Motive unterstellen Sie den Kritiker*innen? Interessant: Mittlerweile rudert Intendant Fiedler zurück.
https://www.waz.de/staedte/oberhausen/theater-leitung-stellt-sich-in-rassismus-debatte-hinter-team-id216548799.html
Schaffen, Oberhausen: Missverständnisse klären
@ Martin Und wieso behaupten Sie, dass Florian Fiedler "zurück rudert"? Die Theaterleitung in Oberhausen versucht meines Erachtens nach Missverständnisse aufzulösen und sich für deren Entstehung zu entschuldigen, die auch durch unsachliche, teils hämische Beiträge in den sozialen Medien oder in der Lokalpresse, wie z.B von Rolf Mautz oder von der Oberhausener CDU entstanden sind. Diese Debatte über die rassistischen Strukturen unserer Gesellschaft ist zu wichtig, als dass man sie durch Verkürzungen oder einseitige Sichtweisen versucht zu ersticken. Ich wünsche, als Zuschauerin des Theaters Oberhausen, Fiedler und dem gesamten Haus alles Gute und Unterstützung diese Prozesse gemeinsam zu führen.
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