Raffiniert subversiv

26. März 2019. Die Autorin und Regisseurin Caroline Guiela Nguyen erhält den Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatikerpreis. Wie die Stifterin mitteilt, wird der Preis am 10. Mai in Paris verliehen. Die privat finanzierte Auszeichnung ist mit Euro 15.000 dotiert und wird jährlich verge­ben. Sein Ziel ist es, bereits gespielten, deutschsprachigen sowie Bühnenautor*innen anderer Länder, den Weg zu fortgesetztem professionellem Experiment zu ebnen.

Vorurteilsfrei, aber mit Mut zu starker Emotionalität, zeichne Caroline Guiela Nguyens Stück Saigon vielschichtig das Ende des französischen Indochinakriegs in Saigon 1956, sowie die Situation der Emigranten in Paris 1996, heißt es in der Begründung der Jury (bestehend aus Thomas Jonigk, Ute Nyssen und Corona Schmiele). "Raffiniert subversiv wird die Verstrickung in Kriegsschuld aufgezeigt und zugleich gefragt nach den Möglichkeiten einer Versöhnung mit der Fremde. 'Saigon' ist ein richtungsweisender Schritt hin zu einem neuen politischen Theater."

Nguyen, Jahrgang 1981, Tochter einer vietnamesischen Emigrantin und eines Algerienfranzosen, studierte Soziologie und Arts du Spectacle in Nizza. Ab 2006 besuchte sie die Regieschule des Nationaltheaters Straßburg und gründete 2009 ihre eigene Compagnie Les Hommes approximatifs. Neben Inszenierungen klassischer Texte widmet sich die Truppe vor allem Geschichten, die im Zusammenhang mit geopolitischen Umwälzungen zu sehen sind.

Bisherige Preisträger waren unter anderem die Autor*innen Juli Zeh, René Pollesch, Iwan Wyrypajew, Marie NDiaye und Mpumelelo Paul Grootboom.

(miwo)

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