Die Stotternde

Mannheim, 17. Mai 2019. Sivan Ben Yishai, Autorin und Theaterregisseurin, wird in der Spielzeit 2019/20 neue Hausautorin am Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim.

Yishai Sivan Ben 200 Merav Maroody u© Merav MaroodySivan Ben Yishai, geboren 1978 in Tel Aviv, lebt seit 2012 in Berlin. Sie studierte Theaterregie sowie Schreiben fürs Theater an der Universität Tel-Aviv und an der Schule für Visuelles Theater Jerusalem. Ihr Stück Your very own double crisis club entstand als erster Teil ihrer Tetralogie "Let the blood come out to show them" und wurde bei den Berliner Autorentheatertagen 2017 uraufgeführt. Die Uraufführungen des zweiten und dritten Teils fanden jeweils als Auftragsarbeiten am Maxim Gorki Theater Berlin statt, wo auch der vierte und letzte Teil "Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight soldiers moonsick)" im Oktober 2018 als szenische Lesung  der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ihr Stück Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu hat die Autorin für das Theater Lübeck geschrieben. Uraufführung war im November 2018. Sivan Ben Yishai schreibt auf Englisch und wird von Maren Kames ins Deutsche übersetzt.

Statement zum zeitgenössischen Erzählen

"Mit meinem Umzug nach Deutschland habe ich nach und nach das Regieführen als meine hauptberufliche Tätigkeit aufgegeben", so Sivan Ben Yishai. "Je weiter ich mich von meiner Sprache entfernt fühlte, desto ausschließlicher beschäftigte ich mich mit dem geschriebenen Wort. Parallel dazu addierten sich mehr und mehr Stunden zu der Zeit, die ich damit verbrachte, eine neue Sprache zu lernen, zu sprechen, zu stottern. Sich für mich, die Stotternde, als Autorin – als Autorin des Hauses – zu entscheiden, ist ein Statement zur zeitgenössischen Sprache, zum zeitgenössischen Erzählen und zu Identitätspolitiken. Die Stotternde als Hausautorin einzuladen, könnte einen Aufruf ans Publikum bedeuten: einen Aufruf zum 'unlearning', zum Verlernen. Unlearning wovon? Unlearning eines 'Wir', zum Beispiel. Unlearning der Hochsprache als Ausdruck eines 'Wirs'. Unlearning von Kunst und Autorschaft, Vätern und Überlegenheit. Unlearning von Geniekult."

Hausautor*innen in Mannheim

Seit 1996 ermöglicht der Verein der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim die Position einer Hausautorin. Zur Reihe der bisherigen Hausautor*innen zählen unter anderen Albert Ostermaier, Feridun Zaimoglu, Rebekka Kricheldorf, Ewald Palmetshofer, Theresia Walser sowie die Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises von 2017 bzw. 2018 – Anne Lepper und Thomas Köck – und der US-amerikanische Dramatiker Noah Haidle. Die auch als Essayistin höchst erfolgreiche Enis Maci, Hausautorin der laufenden Spielzeit, ist aktuell für den Mülheimer Dramatikerpreis 2019 nominiert.

(NTM Mannheim / jnm)

 
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