Deutlich unterm Niedriglohn

Berlin, 5. September 2019. Der Berliner Arbeitskreis der Kinder- und Jugendtheater (BAKJT) fordert eine Erhöhung um 2,25 Millionen Euro zusätzlich zu den bis jetzt im Haushaltsentwurf 2020/21 vorgesehenen Mitteln. Hintergrund ist die nach eigenen Angaben hoch problematische Situation der Berliner Kinder- und Jugendtheater, die dem dem im Koalitionsvertrag festgelegten Ziel widerspreche, die Kinder- und Jugendtheater zu stärken.

Der Hintergrund: Laut einer vom Senat für Kultur und Europa in Auftrag gegebenen Evaluation liege das Durchschnittseinkommen der Theaterschaffenden im Kinder- und Jugendtheater in Berlin deutlich unter der OECD-Niedriglohnschwelle, bei über 80 Prozent der befragten Theaterbetriebe sogar unter 13.000 Euro Bruttojahreseinkommen. Darüber hinaus fehle es an geeigneten Räumen, Sachmitteln und Produktionsförderungen.

Der BAKJT fordert die 2,25 Millionen Euro für:
– 750.000 Euro zusätzlich für Maßnahmen zur Förderung der kleinen Theater ohne Spielstätte, zum Teil durch die Förderung dezentraler Spielorte
– 750.000 Euro für Theater mit eigenen Spielstätten, die bisher nicht in der Regelförderung berücksichtigt wurden, um zukunftsfähige Strukturen und gesetzeskonforme Beschäftigungsverhältnisse zu etablieren sowie Innovation, Vernetzung, Kooperationen und künstlerischer Entwicklung zu ermöglichen
– 750.000 Euro für mehrjährig geförderte Theater zusätzlich zu den Mitteln für die Gehaltsanpassungen, für die Deckung allgemeiner Kostensteigerung sowie für Projekte zur künstlerischen und strategischen Entwicklung.

"Diese Summen liegen immer noch weit unter den notwendigen Mitteln für ein ausreichend finanziertes Kinder- und Jugendtheater und stellen somit nur einen nächsten Schritt dar", so die Forderungen weiter. "Perspektivisch sollten die Kinder- und Jugendtheater in der Höhe der Förderung dem Erwachsenentheater gleichgestellt werden." Aktuell würden für die 18 Prozent der Berliner Bevölkerung unter 18 Jahren nur 5 Prozent der Mittel im Bereich Bühne & Tanz des Kulturhaushaltes ausgegeben. "Um das UN-Kinderrecht auf kulturelle Teilhabe umzusetzen, schlägt der BAKJT vor, den Kulturetat prozentual am Bevölkerungsanteil von Kindern und Jugendlichen auszurichten, d.h. 18% des Kulturetats für die Förderung von Angeboten für Kinder und Jugendliche bereitzustellen." Zudem fordert der BAKJT den Jugend- und Bildungssenat auf, Maßnahmen zu ergreifen, um jedem Kind mindestens zweimal im Jahr Zugang zum Theater zu gewähren. Dazu gehöre auch die längst überfällige Erhöhung des Besucherzuschusses für Kita-, Hort- und Schulgruppen.

Zum BAKJT gehören u.a. die großen Berliner Kinder- und Jugendtheater wie das Theater an der Parkaue, das Grips Theater, das Theater Strahl und das ATZE Musiktheater, aber auch der Verband der Puppentheater und die AG Runder Tisch der freien Kinder- und Jugendtheater des LAFT Berlin.

(BAKJT / geka)

 

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