17. Oktober 2019

"Botschafter des Hasses"

von Mateja Meded

Peter Handke erhält den Literatur-Nobelpreis 2019. Diese Entscheidung hat auf Grund von Handkes Haltung serbischen Kriegsverbrechen gegenüber Diskussionen ausgelöst. Die Schauspielerin Mateja Meded, selbst im ehemaligen Jugoslawien geboren, reagiert in einem Video-Statement mit ihrem künstlerischen Alter Ego Lola von Wegen.

17. Oktober 2019

"Botschafter des Hasses"

von Mateja Meded

Peter Handke erhält den Literatur-Nobelpreis 2019. Diese Entscheidung hat auf Grund von Handkes Haltung serbischen Kriegsverbrechen gegenüber Diskussionen ausgelöst. Die Schauspielerin Mateja Meded, selbst im ehemaligen Jugoslawien geboren, reagiert in einem Video-Statement mit ihrem künstlerischen Alter Ego Lola von Wegen.

Kommentare

Kommentare  
#1 Handke Video: fragwürdige VergleicheStefan Bock 2019-10-17 17:19
Aha, das ist dann also der Nachtkritik-Kommentar zur Causa Literaturnobelpreis für Peter Handke, auf den man jetzt wieder kollektiv kotzen darf. An ambassador of hate. So so. Und dazu noch die lustigen NS-Vergleiche überall. Sogar Hitler und Beate Zschäpe wurden bemüht, um Handke in ihre Nähe zu rücken. Gibt's eigentlich bald die ersten Online-Petitionen zur Ächtung seines Werks an europäischen Bühnen? Muss ich mich jetzt schämen, wenn ich Handke lese? Schämt sich Mateja Meded, dass sie ihn einst gelesen hat? Wird das jetzt Pflicht, Handkes Balkan-Schriften in Inszenierungen seiner Stücke kritisch aufzunehmen? Wir dürfen also nichts mehr zum Krieg auf dem Balkan sagen. Hatte ich eigentlich auch nicht vor. Die Tatsachen sind bekannt. Aufgearbeitet sind sie aber noch lange nicht, das beweisen u.a. Theaterstücke, Bücher und viele aktuelle Filme aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, die es allerdings oft schwer haben, im westlichen Europa wahrgenommen zu werden. Darüber sollten Journalisten schreiben und sich nicht wiederholt über Handke ereifern. In den vielen Artikeln, die ich gelesen habe, erfahre ich nicht sehr viel Neues über Handke, dafür sehr viel über den deutschen Journalismus. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Handke kommt aus einer anderen Zeit, seine Geschichtsbetrachtungen gehen weit vor die Balkankriege zurück. Man kann das z.B. in „Immer noch Sturm“ nachlesen. Im Grunde streiten sich hier ja mit Handke (der an diesem Streit natürlich nicht aktiv teilnimmt) und Saša Stanišić nicht etwa Täter und Opfer, sondern vor allem auch verschiedene Generationen, die ihre Familiengeschichte literarisch verarbeitet und u.a. auch Preise dafür erhalten haben. Handke hat selbst Wurzeln auf dem Balkan, schreibt also nicht aus einer rein westlichen Sicht. Dass er sich nun ausschließlich mit seinen Schriften und auch Interviews zum Balkankrieg, seiner Verklärung Jugoslawiens und einseitigen Parteinahme für Serbien konfrontiert sieht, ist sein Schicksal, dem er sich wohl nicht mehr stellen wird. Bei aller berechtigten Kritik, sollte man aber nicht ebenfalls in Hate Speech verfallen und fragwürdige NS-Vergleich bemühen. Das gilt jetzt natürlich nicht vordergründig für das Video hier. Das war nur der Anlass meiner Betrachtung.
#2 Kommentar Nobelpreis Handke: Zitat ID.Rust 2019-10-17 19:18
"ATB 16/10/19:
Es ist unglaublich, jetzt treiben sie den Handke wie eine – wirkliche – Sau durchs Dorf. Und alle machen mit. nk auch. Jüngere Leute, die noch nicht Viertel so viel literarisch geleistet haben wie Handke in ihrem Alter. Die einfach nur auf der für deutsche PR im Moment richtigen Seite geboren worden sind. Keiner redet mehr davon, wie es zu der Reaktion Handkes kam. Keiner davon, was VOR dem Mandat der Deutschen per Bundestag geschah. Dass das gegen die deutsche Mehrheit entschieden wurde, die sehr wohl „Nie wieder Krieg vom deutschen Boden aus“ ernstgenommen hat für sich. Keiner redet davon, dass es VOR dem Beschluss durch die Beauftragten des Bundesverteidigungsministerium eben KEINE Beweise für Völkermord durch Serben an Bosniern gab. Sondern die fachliche und sachliche Feststellung eindeutiger B ü r g e r k r i e g saktivitäten mit Opfern auf beiden Seiten. Das haben Militärs, die diesen militärischen Lage-Erkundungs-Auftrag befohlen und ausgewertet hatten, bestätigt und weitergegeben. Auch sagen sie glaubhaft aus (zum Beispiel auf NachDenkSeiten verlinkt, auch auf Youtube in Interviews), dass ihre Berichte einst mit politischem Willen unterschlagen wurden. Dass davon nichts an die Öffentlichkeit drang. Vermutlich, um das Mandat durchsetzen zu können und keinen nennenswerten Widerstand aus der Bevölkerung dagegen zu bekommen. Es ging damals sehr wohl dieser Regierung unter Schröder/Fischer um ein ihnen genehmes Regime-Changing im europäischen Südosten, der Balkanregion, und damit um eine Zertrümmerung Jugoslawiens als Unionsstaat nach dem Teile-und-Herrsche-Prinzip. Vor allem hat sich Handke ganz prinzipiell gegen solcherart perfiden Planspiel-Manipulationen gestellt, denen dann echte Menschen zum Opfer fallen. Und auch dagegen gestellt, sich als SCHRIFTSTELLER entweder aktuell politisch positionieren zu MÜSSEN oder halt NICHT öffentlich beurteilt undoder anerkannt zu werden. Andere, die schon eine ebenso starke literarische Autorität hatten wie er, haben solche Parteinahme für die Freiheit der Literatur tunlichst unterlassen. Er mag später in seinem Zorn mit den trotzigen Mitteln die falschen, unklugen gewählt haben. Hätte ich ihn persönlich gekannt, ich hätte ihm abgeraten… Das verletzte Kunst-Prinzip, dem sein Zorn entsprang, stimmt aber nach wie vor. HASS? Den seh ich transportiert in so einem Video wie dem von Mateja Meded. Und den sehe ich auch bei dieser Dankesrede für den Buchpreis. Und dem Hypen medialen dieser Rede (mein Bild der nk-Woche ist ganz eindeutig Hinrichs mit den Tänzern im „Proben“-Trikot!, und ich wette, nicht nur meins!) Der Autor sollte lieber selber nachspüren, ob auch er eventuell medial benutzt werden könnte gegen die Handke-Entscheidung für den Nobelpreis. Und zwar, weil die deutschen Medien, was das Anheizen dieses Bürgerkrieges bis zum „glücklichen“ Eingreifen auch durch die Deutschen betrifft, nicht nur ein bisschen, sondern jedemenge Dreck am Stecken haben. Sie haben sehr wohl Milosowicz-Dreck am Stecken und sehr wohl ein „alittlebitdochwiederKrieg-auchgegendieMehrheitdesVolkes“-Dreck am Stecken und Handke soll das jetzt ausbaden. Der sagt zu einer sich als Journalismus gebenden Journaille– ichkommevonTolstoi,Cervantes,Shakespeare usw. und die meint solgeich, dass dieses sein Aussprechen unbescheiden wäre! –

(Fortsetzung folgt)
#3 Kommentar Nobelpreis Handke: Zitat IID.Rust 2019-10-17 19:21
– Nein. Ist es nicht. Bei den Dichtern und großen Schriftstellern hat er gelernt. Durch Lesen und Studieren und in sich hinein Übersetzen; Sprache kennt keine Grenzen. Und erkennt deshalb auch k e i n e Kriege als berechtigtes Ereignis an. Nicht nur einen nicht, sondern KEINEN. Und man ist nicht verpflichtet, wenn man eine Volksgruppe literarisch beschreibt, oder Typen aus ihr, auch deren gegnerische zu beschreiben, weil die alleiniges Opfer war… Man glaubt nämlich als Dichter nicht an das einseitige Opfer, weil man (schon?) weiß, dass es im Krieg k e i n e Gewinner und n u r Verlierer gibt. In KEINEM Krieg. Gewinner und Verlierer gibt’s nur VOR dem Krieg. Und deshalb ist es wichtig, VOR einem Krieg sich zu Wort zu melden, um Gewinner und Verlierer von politischen Entscheidungen zu benennen. Und man kann als Nachgeborene/r schauen: Was ist mit jemandes Sagen VOR dem Krieg geschehen?
NACH dem Krieg kann man sagen, als Dichter, was anderes sonst?: D a s geht immer so und immer so, die Leute sind verloren. A l l e. Es ist ganz sinnlos, dass sie sich bekriegen, denn sie enden a l l e verloren und vereinzelt und nur wenn sie ganz achtsam sind mit dem Leben, also mit sich, haben sie eine Erinnerung, einmal einander trotz Fremdheit berührt zu haben, für einen Moment… Als Schriftsteller kann man vielleicht über Herkunft schreiben, als Dichter aber über den Sturm der Herkunft, der die Geister durchzieht. Und die uns durchziehen, wenn wir mal still sind und die Klappe halten und sie durchziehen lassen und bezeugen in Bescheidenheit, ohne Angst."
#4 Handke Video: aufklärend arbeitennichtsfürungut 2019-10-17 19:57
Vielleicht wäre es sinnvoller für eine Plattform wie Nachtkritik eher aufklärend zu arbeiten und nicht einer so fragwürdigen Polemik wie dieser Clownsnummer Raum zu geben. Ganz spannend ist zum Beispiel der Beitrag von Handke selber von 2010: www.sueddeutsche.de/kultur/peter-handke-am-ende-ist-fast-nichts-mehr-zu-verstehen-1.879352?fbclid=IwAR2rWPppzzwwDAy02JNm0-yZ0uaazxGbyo_aBDEPCvcCPl1meMdmYRosnt0
#5 Handke Video: Zielscheibe verwechseltmartin baucks 2019-10-17 22:01
Wenn Mateja Meded eine Bar verlässt und Wagner, Nietzsche und Goethe mit samt Handke in die Tonne haut, weil alle, auch schon vor der Shoa, die industrielle Ermordung und Ausbeutung der Juden leugneten, dann wackelt natürlich in Neukölln der Tresen. Schlaflos an der Bar. Da werden die Nächte lang. Und alle Traumatisierten summen mit: Niemand darf eine Meinung haben oder aber er ist unmittelbar betroffen. Das glaubt man/frau gerne nach Mitternacht.

Nur Handke hat sich den Preis nicht selbst verliehen. Er kann gar nichts dafür. Zielscheibe verwechselt im nächtlichen Licht.
#6 Kommentar Nobelpreis Handke: wo bleiben?D.Rust 2019-10-18 10:08
Wo bleiben eigentlich die Gratulanten für Handke aus dem Theater? Wo diejenigen, die mit seinen Stücken ihre Karriere begründet, beschleunigt, bereichert haben? Wo bleiben Peymann und Wenders in diesem öffentlichen Buh-Konzert? Wo die Intendanten, denen Handke Publikum in Haus brachte? Wo die AutorInnen, die vom Studium Handkes lernten? Mit beinahe jedem seiner Stücke, hat Handke dem Theater etwas grundlegend Neues abverlangt/geschenkt. Er hat dem Theater die Möglichkeit gegeben, sein Publikum so zu beschimpfen, dass es trotzdem Kunst war, die es annehmen konnte. Damit auch die Kritik an ihm. Er hat den in Baracken lebenden, über die Dörfer ziehenden Proletariern eine POESIE in ihrer Alltagssprache zugestanden. Er hat das Sprechtheater gezwungen, die Erfahrung Pina Bausch in sich aufzunehmen, indem der gezeigt hat, was im Wortlosen passiert und dass Bewegung/Tanz auf der Bühne nicht einfach irgendeinen, sondern einen konkreten Sinn hat. Er hat den Sturm der Herkünfte gezeigt, der nie anfängt und nie endet und den es auszuhalten geht, wenn man die Geister vorbehaltlos durch sich hindurchgehen lässt. Er hat damit gezeigt, dass diese Art von Vorurteilslosigkeit vor allem Mut braucht, einzeln und verlassen bei sich zu sein. Er hat die Mündel und Vormünder ungleich eleganter gezeigt als andere es versucht haben. Er hat wunderbare Antike-Übertragungen gemacht. Und das Theater schweigt zu diesem unsäglichen medialen Buh-Konzert?! - Im übrigen hat er auch als Mann und Autor sein erstes Kind mit einer vielbeschäftigten, begabten Schauspielerin im wesentlichen allein großgezogen als die Fans der Kommune Eins sich noch darum kümmerten, wie sie es am besten anstellen im Vollrausch kein Kind zu bekommen, von dem man ja dann nicht wissen kann, wessen das eigentlich ist- eine love, die durchaus nicht immer für peace gesorgt hat. Und dieser Erzreaktionär, wie er hier doch auch genannt wurde, hat sich damals ganz ohne #metoo für Kind und die Karriere seiner damaligen Liebe entschieden, obwohl das gewiss weniger in die Familienkasse gebracht hatte, als das klassische, erzreaktionäre Modell Vater dichtet, Diva stillt (das Kind und den Dichter)... - Dieses feige deutsche Theater, das bei der ersten besten Gelegenheit, die Freiheit der Dramatik öffentlich zu verteidigen und sich mit Handke und seiner Lebens-Arbeit zu solidarisieren, einknickt... Shakespeare als Über-Müller, Jelinek als Revolutionsersatz und Gruppentherapie als Nummernrevue - pfui deibel
#7 Kommentar Nobelpreis Handke: DankePuya 2019-10-18 13:55
Danke Frau Meded für dieses Video über den lächerlich, sinnfrei und irrwitzig gewordenen Nobelpreis für Literatur und merkwürdige Literaten (selbstverständlich ALLE aus Europa)!

Und hier ein lächerliches Zitat der Akademie: "Die Akademie habe auch keine Belege dafür gefunden, dass Handke mit der Teilnahme an der Beerdigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milošević dem Blutvergießen Tribut gezollt, ein Monster verehrt oder Kriegsverbrechen geleugnet habe."
#8 Kommentar Nobelpreis Handke: adieu alte WeltMichael 2019-10-18 14:08
Literaturnobelpreis ist mit dieser Entscheidung offiziell tot. Und besser so. Adieu alte Welt, Adieu!
#9 Kommentar Nobelpreis Handke: FriedensnobelpreisAura 2019-10-18 14:24
Ob das Video dem Thema gerecht wird? Teilweise schon. Immerhin macht jemand etwas dagegen. Und Vorsicht. So wie es weitergeht, ist Folgendes jetzt schon zu erahnen:

2020 bekommt Peter Handkes Kumpel und damaliger Lieblingsfreund Slobodan Milošević (angeklagt wegen Völkermord und Kriegsverbrechen) rückwirkend FRIEDENSNOBELPREIS 2020. Gratuliere Herr Milošević (Falls Sie mich hören)
#10 Kommentar Nobelpreis Handke: es gab GratulationenShirin Sojitrawalla 2019-10-18 14:49
Liebe/r D. Rust,
Theaterleute haben sich zu Wort gemeldet, es gab in der SZ eine sehr schöne Seite mit hymnischen Gratulationen von Elfriede Jelinek, Jens Harzer, Thomas Oberender, Albert Ostermaier und auch von Wim Wenders.
#11 Kommentar Nobelpreis Handke: chaotischDjula 2019-10-18 15:33
Anschließend an D. Rust: Man fragt sich auch, wo der Sturm der Entrüstung war, als Pinter damals den Nobelpreis erhielt, der immerhin ein Komitee zur Befreiung von Milosevic einrichtete (und dessen offenen Brief Peter Handke im Übrigen nicht unterzeichnete):

www.tagesspiegel.de/kultur/slobodan-milosevic-harold-pinter-fordert-freiheit-fuer-den-ex-diktator/242408.html

Mittlerweile ist im Übrigen auch der wissenschaftliche Diskurs so weit gekommen, einzusehen, dass die Berichterstattung über den Jugoslawienkrieg, vorsichtig gesagt, chaotisch war. Es war außerdem der Augenblick, wo die NATO zu einem Angriffsbündnis wurde und den Begriff "humanitäre Intervention" erfand und das erste Mal seit 45, dass wieder deutsche Jagdflugzeuge über Europa Bomben abwarfen.

Vielleicht ist es tatsächlich alles nicht so einfach.

Sein Einsatz für die serbischen Nationalisten noch 2008 und die Gratulation von Vucic vor kurzem sind natürlich andererseits super bescheuert.
#12 Kommentar Nobelpreis Handke: Verteidiger einer UtopieLiberation 2019-10-18 16:38
Was für ein trauriger Kommentar. Handke ein Kriegsverbrecher Leugner? Gerade Handke, der vehement die Utopie eines multikulturellen, multiethnischen, friedlichen Jugoslawien in seinen Büchern verteidigte? Der sich gegen die faschistische, kriegsgshetzende, nationalistische und manipulierte Nato- und Medienpropaganda gestellt hat? Hat Mateja Meded ein Zitat, das ihre Vorwürfe der Leugnung des Massakers von Srebenica irgendwie belegt? Ich kenne nur dieses: "Ich wiederhole aber, wütend, wiederhole voller Wut auf die serbischen Verbrecher, Kommandanten, Planer: Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit' das in Europa nach dem Krieg begangen wurde", Libération, 2006
#13 Kommentar Nobelpreis Handke: eurozentrischCarola 2019-10-18 16:45
Ein Halbösterreicher schreibt Bücher (und verehrt einen Diktator), ein paar Deutsche finden es toll und ein paar Schweden sagen: Das ist Weltliteratur. Hä?
Besteht die Welt aus Österreich, Deutschland und Schweden?
#14 Kommentar Nobelpreis Handke: Ordnung?D. Rust 2019-10-18 17:09
#8: Na dann ist ja alles in allerallerbester Medien-Ordnung, nicht wahr, Shirin Sojitrawalla. Erst kommen die Hymnen, natürlich nur die, die man als SZ schlecht nicht bringen kann und dann die mediale Vernichtung. Ja auch irgendwie die der hymnischen Gratulanten mit. Aber es ist alles in Ordnung sonst hier, ich habe nur falsch nicht gelesen und gesehen, auch hier, nicht wahr.
#15 Kommentar Nobelpreis Handke: unterirdischSina Gaertner 2019-10-18 18:42
Dieses unterirdische Niveau tut nur noch weh!
#16 Kommentar Nobelpreis Handke: verstehen?Harun 2019-10-18 18:45
@11
Was sonst? Die Welt besteht aus der Welt der Schweden, der Deutsche, der Österreicher*innen ... Natürlich.

Wie sollen sie verstehen, was ein Massaker ist? Was Folter, Verhaftung, Erschießungen sind? Und Milošević-Versteher, der GUTE LITERAT PETER HANDKE auch: Warum soll er verstehen, was Verfolgung, Belagerung, Bomben und Schüsse sind??? Er ist doch LITERAT!

Außerdem: Das waren ja meistens Muslime, auch Christen, Juden und Atheisten, die gestorben sind ... Warum soll man Verständnis dafür haben??? Sie sind halt im Krieg gestorben. Ist halt Krieg. Ist doch aus europäischer Sicht verständlich ... Ist doch eine europäische Angelegenheit, oder nicht? Der Krieg

Hier noch mal für ALLE, die nicht wissen, WEN HANDKE UNTERSTÜTZT HAT ... UND FÜR WEN HANKE EINE GRABREDE GEHALTEN HAT:
(Quelle Wikipedia)

Insgesamt 66 Klagepunkte wurden Milošević in drei Anklageschriften für die folgenden Handlungen vorgeworfen:

Anklagepunkte Kroatienkrieg:

* Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter
* Verfolgung, Tötung, Folter und unmenschliche Behandlung.
* Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Genfer Konventionen
* Deportation von mindestens 170.000 Kroaten und anderen Nicht-Serben
* Das Massaker von Vukovar
* Die Belagerung von Dubrovnik

Anklagepunkte Bosnienkrieg: zusätzlich die folgenden Verbrechen:

*Völkermord, allein über 8000 Opfer beim Massaker von Srebrenica
*Tausende Ermordete in den Gefangenenlagern Omarska und Keraterm.

Anklagepunkte Kosovokrieg:

Zum Kosovo-Krieg wurden Milošević darüber hinaus die folgenden Verbrechen vorgeworfen:

* die systematische Vertreibung des albanischen Bevölkerungsteils geplant, befohlen und betrieben zu haben
* die Vertreibung von 800.000 Zivilisten aus dem Kosovo
* den Tod von mindestens 900 Menschen
* Verbrechen gegen die Menschlichkeit
* Kriegsverbrechen.


Allen drei Anklageschriften zufolge sei Milošević verantwortlich für:

* Massenvertreibungen („ethnische Säuberungen“)
* Festhalten und Internierungen von Personen unter unmenschlichen Bedingungen
* Deportationen und unmenschliche Taten
* Zerstörung und Plünderungen öffentlicher und privater Güter
* Angriffe und Morde an Zivilisten
* Artillerie-, Mörser- und gezielter Scharfschützenbeschuss gegen Zivilisten, bei denen Tausende von Menschen getötet oder verwundet wurden.


@6: Ja, Nobelpreis ist tot. Wie unsere Vorfahren in Massengräbern. Hoffentlich kommen sie alle nie wieder zurück
#17 Kommentar Nobelpreis Handke: ŽižekMark Schmidt 2019-10-18 19:39
Slavoj Žižek nach Nobelpreisverleihung an Handke:
„Unpolitisches Nachsinnen über die komplizierte Natur der Seele und der Sprache ist der Stoff, aus dem ethnische Säuberungen gemacht sind" (Die Zeit, 17. Oktober 2019, S. 56.)
#18 Kommentar Nobelpreis Handke: WiderspruchD. Rust 2019-10-19 11:32
#17: Nein, unpolitisches Nachsinnen über Ökonomie und Besitzverhältnisse, die Natur der Mehrwertaneignung und die Sprache der Medien ist der Stoff aus dem Unterdrückung bis hin zu ethnischen Säuberungen gemacht sind. - Nur weil es in der "Die Zeit" steht und von Prominenz kommt, muss es nicht richtig sein.
#19 Kommentar Nobelpreis Handke: dafür / dagegennikolaus merck 2019-10-19 13:35
Ich gebe noch einige Hinweise auf Stimmen, die Peter Handke verteidigt haben:

Die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke wurde aufgrund seiner politischen Haltung von vielen kritisiert. Mitglieder der Jury haben ihre Wahl nun verteidigt.
www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-10/nobelpreis-literatur-peter-handke-kritik-jugoslawienkrieg

Eva Menasse schrieb in der Zeit vom Donnerstag (17.10.2019:
"Ohne Zweifel ist Peter Handke ein Autor von Weltrang. Sein literarisches Schaffen ist so bedeutend, dass es den Literaturnobelpreis verdient, es ist groß und vielgestaltig, es ist weltweit verfügbar und bekannt. Dabei ist es nun gerade kein Werk, das sich vorrangig mit dem Schmutzigen und Bösen beschäftigt, auch keines, das von einer Ideologie in Geiselhaft genommen werden könnte (es sei denn von einer Bewegung für mehr individuelle Innerlichkeit) ...
Dass Handke mit seinen Äußerungen und Texten die Hinterbliebenen von serbischen Kriegsverbrechen und Massakern (Srebrenica, Višegrad) schockiert hat, dass sich Opfer von ihm verhöhnt fühlten, dass seine Einlassungen unklar, raunend und an Stellen poetisierend waren, wo Poetisches nur obszön sein konnte, ist hinreichend belegt. Mit dem blutkühlenden Abstand von 23 Jahren muss man aber festhalten: Ein Text wie Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien wäre, vom in Kärnten geborenen, nunmehr in Paris lebenden Hansi Müller geschrieben, gar nicht oder nur als sperriger Text eines versponnenen Reiseschriftstellers wahrgenommen worden. Der gigantische, Handkes Ruf weithin vernichtende Skandal, den diese Reportagen verursachten, war überhaupt nur auf Basis seiner literarischen Prominenz möglich und ist beim Wiederlesen kaum mehr verständlich. Jedenfalls haben weder das Buch noch Handkes spätere skurrile Teilnahme am Begräbnis Slobodan Miloševićs irgendjemanden von der Unschuld der Serben beim grauenvoll blutigen Zerfall Jugoslawiens überzeugt...
Wir haben es nicht mit einem in der Wolle gewirkten Nationalisten, Mörderversteher und Faktenverdreher zu tun, der auch noch mit einem Preis belohnt worden ist, sondern mit einem zum "Tatzeitpunkt" 1996 berühmten Literaten auf politischen Abwegen. Dieser Unterschied ist bedeutsam. Die Literaturgeschichte ist voll von solchen."

Und zwei Artikel, die die Verleihung des Nobelpreises an Peter Handke kritisieren. Ich finde besonders die Dinge, die Erich Rathfelder berichtet, interessant. Könnte es sein, dass ein so seeleendelikater Schriftsteller wie Handke, auch ein roher Geselle ist und das nicht nur gegenüber Journalisten?
taz.de/Kritik-an-Nobelpreis-fuer-Peter-Handke/!5629663&s=Rathfelder/

Tijan Sila, die aus Bosnien kommt, schreibt in der heutigen taz (19.10.2019):
taz.de/Kritik-an-Nobelpreis-fuer-Peter-Handke/!5631663&s=Handke/
#20 Kommentar Nobelpreis Handke: seelendelikat?D. Rust 2019-10-19 15:13
Interessante Frage, Nikolaus Merck - Auch ohne Rathfelder nochmals mit dieser Ihrer Frage prüfend zu lesen: Selbstverständlich könnte das sein. JEDER einerseits seelendelikate Mensch könnte andererseits auch ein/e rohe/r GeselleIn sein. Muss aber nicht sein müssen. Es gibt gewiss auch JournalistInnen, die einerseits ziemlich rohe GesellInnen sein können und andererseits seelendelikate Menschen. So etwas stellt sich dann in Gesprächen relativ schnell heraus. Ob eines von beiden eher oder beides zugleich zutrifft. Die Frage ist: WAS ist ein Gespräch, das diesen Namen verdient?
#21 Kommentar Nobelpreis Handke: Rechnung tragenmartin baucks 2019-10-19 15:20
Lieber Nikolaus Merck,

ich verstehe nicht, wie man anständig sein kann, in einer extrem unanständigen Welt. Es kommt mir vor wie ein dekadenter Luxus, dieses ewige Gut-Sein wollen, dieses Besser-Sein. Immer erhebt sich irgendeine ethische Größe über den Einzelnen. Der steht dann da, in seinem moralischen Elend hier leben zu müssen und keine Lust auf den allgemeinen Anstand zu haben, der ja offensichtlich nicht funktioniert und wenn überhaupt nur akzeptiert wird, wenn man ihn als Opfer legitimieren kann. Die anderen müssen ihre Verbeugung machen vor der Infantin persönlicher Schmerz und ihre angedichteten Privilegien ertragen.

In denen von Ihnen geposteten Artikeln wird eine Rechnung aufgemacht, die nie funktionieren kann. Der Schmerz und das Trauma aufgerechnet gegen die Güte der Kunst. Und die Kunst hat gefälligst dem Leid Rechnung zu tragen. Sie ist gezwungen zur Empathie. Eine Nötigung setzt ihr zu. Dabei sind es nur Worte, Texte, Bücher. Das Lesen von ausgewogenen Texten hat mich nie interessiert. Wenn das Unaussprechliche, der Hass, die Verachtung nicht mehr eingehen darf in die Literatur, die Verirrungen und der Wahnsinn dort keinen Ort mehr hat, dann hat man dem Bild die Farben genommen und es gibt nur noch den Gleichklang des angeblichen Konsens der Anständigen, der nur für sie selbst in einer Blase existiert.

Das Schöne an Büchern ist, man kann sie fortlegen. So tat ich es mit Handke nach besagten Buch. Und ich werde ihn auch nicht mehr anfassen. Er hat nicht mal Platz im Giftschrank, denn dazu ist er zu langweilig. Da stehen nur die echten Aufreger. Das ganze Geschrei wertet nur eine weitere Fehlentscheidung auf, die mich nichts angeht.
#22 Kommentar Nobelpreis Handke: John Pilger Frank-Patrick Steckel 2019-10-19 17:39
"The International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) in The Hague has quietly cleared the late Serbian president, Slobodan Milosevic, of war crimes committed during the 1992-95 Bosnian war, including the massacre at Srebrenica.
Far from conspiring with the convicted Bosnian-Serb leader Radovan Karadzic, Milosevic actually "condemned ethnic cleansing", opposed Karadzic and tried to stop the war that dismembered Yugoslavia. Buried near the end of a 2,590 page judgement on Karadzic last February, this truth further demolishes the propaganda that justified Nato's illegal onslaught on Serbia in 1999." (John Pilger, 2016)
#23 Kommentar Nobelpreis Handke: Datummartin baucks 2019-10-19 20:08
@22

Und das hat Handke natürlich schon 1996zig gewusst.
#24 Kommentar Nobelpreis Handke: Revisionismusgegen Revisionismus 2019-10-20 00:59
@ 22
The West's Leftist 'Intellectuals' Who Traffic in Genocide Denial, From Srebrenica to Syria

by Oz Katerji

[…] A book published by Edward Herman and David Peterson called The Politics of Genocide, which claims Serb forces "incontestably had not killed any but 'Bosnian Muslim men of military age'" carries a foreword by Chomsky and an endorsement by Australian journalist John Pilger.

Wednesday, the International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia concluded that genocide was committed in Srebrenica, and that it had been orchestrated by Ratko Mladic, the Bosnian Serb general.

But nobody should be expecting any retractions or apologies from Chomsky or Pilger, men for whom genocide denial has become a point of pride. […]

The problem isn’t just that people like Chomsky were wrong or that these conspiracy theories were riddled with falsehoods, or in the case of Hersh’s single anonymous source, clear fabrications and distortions of reality. The problem is that after conclusive investigations and war crimes tribunals Chomsky et al refuse to retract, correct or apologize for their endorsement of what clearly amounts to the historical revisionism of war crimes.

Mehr über den linken Revisionismus:

srebrenicamassacre1995.wordpress.com/tag/john-pilger/

Grüße an Herrn Steckel aus Serbien.
#25 Kommentar Nobelpreis Handke: niemals relativiertKarl 2019-10-20 09:17
@23: Erstens, ganz klar: Ja! Das wusste jeder, denkender, Mensch in Jugoslawien spätestens 1995.

Zeiten Herr Baucks: Handke hat seine Texte und Aussagen niemals relativiert
#26 Kommentar Nobelpreis Handke: dochFrank-Patrick Steckel 2019-10-20 10:51
Zu #25: Doch, hat er. Und auch präzisiert.
#27 Kommentar Nobelpreis Handke: PatriarchendämmerungPeter Nicht-Handke 2019-10-20 10:51
Nobelpreis für Handke ist eins der Zeichen, die auf den baldigen Zerfall der patriarchalen Ordnung (in der Literatur, und hoffentlich überall ) hindeuten

(...)

(Teile dieses Beitrags entsprechen nicht den Kommentarregeln von nachtkritik.de www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=12&Itemid=102#kommentarkodex)
#28 Kommentar Nobelpreis Handke: EinbaumstückJ. Marc Reichow 2019-10-20 11:38
Eine nicht ironische Frage, die sich bei Lektüre (2019) des Einbaumstückes (1999) stellt: zählt es zu diesen (#26) Präzisierungen? Oder treibt es parallel mit, als irgendein Stück Literatur in vielen Rollen, "je nachdem" zitierbar?

Meint Jelinek mit ihrer Empfehlung (2007) lediglich das?

Über Kriegsverbrechertribunale wie die o.g. zitiere ich die Spekulation einer Nebenfigur namens INTERNATIONALE (S.87f.): "Auch sie erfinden, indem sie unbeirrbar anklagen und verurteilen, ohne Zweifel den Frieden. ... Auch unser Tribunal erfand ... den Frieden, schuf sublim, wie unser Maler, Ordnung und brach so ohne Zweifel den Zyklus von Rache und Widerrache! Ist das nicht schön? Ende der Ästhetik? Anfang der Ästhetik! Neue Ästhetik! ..."

(to be discussed)
#29 Kommentar Nobelpreis Handke: feiert Olga TokarczukIrina 2019-10-20 11:58
Feiert Olga Tokarczuk! Vergesst Handke und seine blinde Verehrung
#30 Kommentar Nobelpreis Handke: Keine GrauzonenDavid Kind 2019-10-22 22:14
Ich kann die Worte aus dem Munde von Schauspielern ohnehin nicht so recht Ernst nehmen. Aber die Debatte um Handke, falls man das so nennen will, ist längst keine mehr und jeder der Philiph Roths "Der menschliche Makel" gelesen hat weiß das. Es ist die Hysterie der moralisch Überlegenen.

Hysterie kennt keine Ambivalenzen, keine Historizität, keine Grauzonen, keine Literatur und es ist schon einigermaßen kümmerlich, dass es genau die sind, die für sich vereinnahmen, auf einer gerechten Seite zu stehen, was bedeutet, auf sie auf der Seite der Sieger stehen - was auch immer das bedeutet. Kümmerlich ist auch mit welcher Unbedingtheit ihren Reden jeder Zweifel fehlt, jedes Überdenken und jede Auseinandersetzung mit dem, was der, den sie anklagen eigentlich geschrieben und gesagt hat und warum.

Es ist gut möglich, dass sie ihn umso mehr hassen, als das er, der sich schuldig gemacht hat, ein alter weißer Mann zu sein, ihnen die Fähigkeit eines echten Humanismus voraus hat. Einen Antifaschisten einen Holocaustleugner zu nennen - das ist barbarisch, weil aus aus diesem Verbrechen, der legitimierenden Lüge eines völkerrechtswidrigen Krieges, das reale Verbrechen eines unvergleichlichen Genozids entgegen gehalten wird. Und warum? Nur um eine verhasste Figur bis zur Unkenntlichkeit zu demontieren - koste es was es wolle. Manchmal hat die Barbarei einen äußerst progressiven Anstrich.
#31 Debatte Handke: am Ende ist...Philip 2019-10-24 08:52
Peter Handke in der Süddeutschen Zeitung 19. Mai 2O1O:
"Am Ende ist fast nichts mehr zu verstehen"
(...) Ich wiederhole aber, wütend, wiederhole voller Wut auf die serbischen Verbrecher, Kommandanten, Planer: Es handelt sich bei Srebrenica um das schlimmste "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", das in Europa nach dem Krieg begangen wurde. (...)
Und der Kern des Nachtrags: Die endlosen Schreie eines serbischen Mannes
aus Srebrenica, der zwischen den Ruinen, am Sommerabend (Schwalben!) zu seinem Haus(?) zurückkehrt(?) und auf dem Weg gegen sein eigenes Volk anbrüllt, sein Volk verflucht und verflucht, und am Ende ist fast nichts
mehr zu verstehen vor lauter Wut und Schmerz. (...)
Und davon abgesehen - und das ist es, was die Leser in ihrem Herzen endlich verstehen müssen - sind die Zahlen der jungen und weniger jungen
Toten in den bosnischen Kriegen auf allen Seiten, bei den Muslimen, den Kroaten, den Serben, fast auf gleicher Höhe - (...)
Und vor allem, ich wiederhole es voller Trauer: Ich wollte nie sagen, und habe an keiner Stelle gesagt, das Massaker von Kravica sei "der einzige
Genozid" in Bosnien gewesen, sondern ein Verbrechen, auf das dieses Wort
zutrifft - es gab andere bosno-serbische, muslimische, kroatische Massaker, die mit diesem Terminus bezeichnet werden können. (...)

Um am Ende besser zu verstehen - im Kopf? oder doch im Herzen? und den Krieg, und alle Kriege zu verfluchen, oder doch zu einem unbekannten Gott
flehen, er möge uns von allen Kriegen verschonen.
#32 Kommentar Nobelpreis Handke: Alida BremerPhillip Höbl 2019-10-26 00:03
Seit HEUTE und DANK Alida Bremer ist nun dieses Interview von Handke aus dem Jahr 2011 bekannt. Noch mal für alle Verfechter und Verehrer (inkl. Thomas Melle und Eugen Ruge), die nicht wahrhaben wollen, wer diesen unsäglichen Preis bekommen hat: Das Interview ist aus dem JAHR 2011!

Handke:
1. "Jetzt kommt man ständig mit den 8000 Opfern und dem angeblich schlimmsten Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg"

2. "Überhaupt, diese sogenannten 'Mütter von Srebrenica': Denen glaube ich kein Wort, denen nehme ich die Trauer nicht ab. Wäre ich Mutter, ich trauerte alleine"
(Quelle: Ketzerbriefe 169, erschienen 2011 im rechten Ahriman Verlag)

Das und vieles mehr, zum Beispiel über das Amtieren von Handke auf der Hochzeit eines Kriegsverbrechers, liest man in Alida Bremers Artikel auf Perlentaucher.


Hier das Interview:
www.cnj.it/home/it/informazione/jugoinfo/7123-7160-peter-handke-u-alexander-dorin-zu-srebrenica.html
#33 Kommentar Nobelpreis Handke: Kunst oder Kommentar IArkadij Zarthäuser 2019-10-29 19:20
Schon rein rechtlich gesehen, ist es schlichtweg falsch, Peter Handke in eine Kategorie mit Holocaustleugnerinnen und -leugnern einzuordnen, jedenfalls wenn ich die bundesdeutsche Rechtslage zugrunde lege; diese Leugnung ist ein Straftatbestand (§ 130 III des Strafgesetzbuches) -dieses ist einer Art "Sonderparagraph" im Rahmen der Rechtsprechung zum Tatbestand der Volksverhetzung, der (siehe Otto Schily) umstritten sein mag, aber in Kraft ist und geltendes Recht !- und hat in der Anwendung auch schon zu mehrjährigen Haftstrafen geführt-. Peter Handkes angebliche Leugnung von Massakern im Zuge des Bosnienkrieges in eine Kategorie einzuordnen mit diesem
Straftatbestand, ist rechtlich hanebüchen, da § 130 III sich ausdrücklich auf NS-Verbrechen beschränkt, hätte also vor einem bundesdeutschen Gericht keine Chance auf eine gerichtliche Würdigung, dennoch scheint mir eine kategoriale Gleichsetzung, wie sie anhand des Videos zu bezeugen ist, insofern problematisch, als daß sie Peter Handke im Zuge der Gleichsetzung in eine Kategorie mit Straftätern steckt, also hier im Kommentar einer Straftat bezichtigt.
Durch die Kommentarregeln auf nachtkritik de. dürfte eine solche
Bezichtigung einer Straftat (!) wohl kaum zu decken sein, oder ?
Ich kann Herrn Melles Reaktion in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nicht nur aus diesem Grunde sehr gut nachvollziehen
und ausdrücklich begrüßen, und ich bin schon etwas verwundert, wenn das Gift, welches die offene Bezichtigung einer Straftat enthält, an dieser Stelle so nonchalant einkassiert wird oder gar über die "künstlerische Position einer Betroffenen" legitimiert oder gar als Kunst verfahren läßt. Ist das jetzt ein Kommentar zum Nobelpreis oder Kunst ? Ich finde zwar, daß die Dichotomie "Kunst versus Politik" bei der Diskussion zu den Jugoslawienbüchern als Scheindebatte entlarvbar wäre und an diversen Stellen auch bereits entlarvt wurde (siehe dazu das Buch "Der mit seinem Jugoslawien" (2013) von Lothar Struck beispielsweise oder den Sammelband "Und noch einmal für Jugoslawien" , herausgegeben von Thomas Deichmann (1999)), aber es wäre dann schon seltsam, seine realpolitischen Anwürfe und Bezichtigungen gerade über "Kunst" zu sanktionieren bzw. zu immunisieren, wenn man selbst dieses Vorgehen gerade zu beklagen vorgibt, obschon es für mich im übrigen weiterhin ein Fall von "Wie kann man das so lesen ??" geblieben ist, und ein Indiz nennt Thomas Melle ganz klar, nämlich das Fehlen von Primärquellen, autorisierten !, bleiben wir in der Gerichtsanalogie, bei der Einführung der Beweismittel. Wo (Zitat) findet diese besagte Leugnung statt beispielsweise ? Im übrigen präzisiert Thomas Melle in seinem Text noch die "Schauprozeß"-Überschrift, da er von einem virtuellen (!)
Schauprozeß spricht, also gerade nicht von einem historischen, sondern möglicherweise einem sich qua Internet demokratischen Gepflogenheiten entziehenden, diktatorischer Praxis gerade Vorschub leistenden heutig-hiesigen (in der Form tritt das Video, sorry, eher als eine Art Standgericht auf, bei dem Verlesung der Anklage und Urteilsspruch, Staatsanwaltschaft und Richter, zusammenfallen, und das Plädoyer der "Verteidigung" über besagte Dichotomie vorgestellt wird, als gäbe es keine besseren Gründe ...). Das Thema der Haßmails im Internet ist damit angesprochen, und es ist schade, wenn dergleichen auf nk nun Schule machen sollte; insofern wäre zu begrüßen, wenn hier Nachtkritikerinnen und Nachtkritiker einmal aufzeigen würden, was dieses Video von einer schnöden Haß-Mail denn nun unterscheidet, denn Chroniken zu den Erregungswellen (1996, 1999, 2006 ) gibt es (ua. am angegebenen Ort) bessere und komplettere als auf perlentaucher de. . post scriptum: Peter Handke betont wieder und wieder, nichts, aber auch garnichts !, von den Massakern zu leugnen und entschuldigte sich mehrfach sogar dafür, hier möglicherweise Mißverständnissen Vorschub geleistet zu haben.
#34 Kommentar Nobelpreis Handke: Kunst oder Kommentar IIArkadij Zarthäuser 2019-10-29 19:30
(Fortsetzung)

Wirkliche Leugnerinnen und Leugner der Shoa dagegen widerrufen in der Regel nichts, kein Jota, will sagen, daß diese via Handke, der nun nicht einmal annährend in diese Kategorie gehört, denn sonst müßte es auch schon längst eine vergleichbare Diskussion zum Beispiel zu Elfriede Jelinek geben (welche dann ja die Vergabe des Nobelpreises quasi an einen "Holocaustleugner der Kategorie nach" begrüßen würde -könnte man die gängige Kritik an Handke ernst nehmen, müßte es schon längst eine ganz andere und gewiß nicht nur Handke umfassende Debatte geben- ) auch noch massiv verharmlost werden - das liegt auf der Hand, und es verwundert erneut, auch dazu wenig zu vernehmen ..., wie sagte Stefan Bock in seinem begrüßenswerten ersten Kommentar: Ausnahmen bestätigen die Regel !.
#35 Kommentar Nobelpreis Handke: alte BekannteTao 2019-10-30 10:01
Da sind sie ja wieder, Stefan und Zarthäuser. Befürworter von Peter Handke!
Lange nichts mehr von ihnen gelesen. Früher, vor Jahren, waren sie vielfach hier zu finden. Sie sind für mich wie alte Bekannte. Ich dachte schon, sie wären verloren gegangen.
#36 Kommentar Nobelpreis Handke: Linkunangepasst 2019-10-30 15:57
"Was waren Ihre Gedanken, als Sie gehört haben, dass Handke den Literaturnobelpreis bekommt?"

"Es hat mich nicht überrascht. Peter Handke hat ein literarisches Oeuvre von über 100 Werken – Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher, Lyrik, Übersetzungen – hervorgebracht, das für sich steht. Er ist ein Meister der Sprache, das anerkennen auch alle Kritiker. Er hat auch bis heute immer wieder wichtige Literaturpreise für bestimmte Werke bekommen, und er orientiert sich nicht am Mainstream, stellt unbequeme Fragen, verstößt auch mal gegen die politische Korrektheit. Er ist ein großer Intellektueller, gerade weil er sich nicht den Erwartungshaltungen beugt. Würden wir Konsensfähigkeit anstelle von künstlerischer Tiefe prämieren, wäre unsere Literatur bald wesentlich ärmer, weil angepasster."

www.nachdenkseiten.de/?p=55916
#37 Handke Video: weiterer Linkunangepasst 2019-10-31 06:53
der vollständigkeit halber noch ein link:

"Beim Perlentaucher erschien am 25.10. in der Debatte um Peter Handke ein Artikel von Alida Bremer mit dem Titel „Die Spur des Irrläufers“. Man könnte solche Texte angesichts des Tones und der Art, wie sich rhetorisch und sophistisch mit Handkes Reiseessays auseinandergesetzt wird, unkommentiert vorüberziehen lassen. Die Gefahr beim Nichtkommentieren besteht jedoch darin, daß sich solche von Bremer in die Welt gesetzten Aussagen in Windeseile verbreiten und Behauptungen als geltend genommen werden.

Zunächst: Bremers Text ist gefüllt mit freien Assoziationen, Handke-Zitate werden bewußt dekontextualisiert. Daß es sich bei den Texten von 1995 und 1996 um Reiseberichte eines Schriftstellers handelt, die bewußt eine subjektive Sicht wählten, wird nicht wahrgenommen. Daß Handke sich in diesen Essays teils tastend und fragend voranbewegt: geschenkt und ignoriert. Es paßt dies alles nicht in Bremers Bild, das sie von Handke in Umlauf bringen will. Dafür aber assoziiert man gerne Anders Behring Breivik, Brenton Tarrant, den Attentäter von Christchurch also, und rechtsextremes Denken, um mit solchen Namen auch Handke zu kontaminieren.

Es wird zudem ein Interview herangezogen, was Handke niemals autorisierte. Bremer reißt Textstellen aus dem Zusammenhang, um dann dasjenige an Deutung in ein vermeintlich bedenkliches Zitat zu packen bzw. das herauszukonstruieren, was ihr in den Kram paßt. Und aus diesen dekontexualisierten Sätzen liest Bremer dann genau den Sinn heraus, den sie bereits vorher hineinlegte."


www.glanzundelend.de/Red17/b17/alida-bremer-lars-hartmann-das-geruecht-ueber%20den-text-rueckt-an%20die-stelle-des-textes.htm
#38 Kommentar Nobelpreis Handke: diverse ReaktionenArkadij Zarthäuser 2019-10-31 17:31
# unangepasst (# 36 und 37)

Vielen Dank für diese (durchaus klärenden) Verlinkungen !

# Tao (# 35)

Nun ja, lieb (-er,-e,-es) Tao (ich will es dann auch einmal so halten wie ein alter Bekannter und duzen), das ist irgendwie (provozierend ? -alleine für die Stärkung der Bedingungen für die Möglichkeit solcher Fragezeichen, Gedankenstriche bzw. Klammern wie hier etwa nach meinem "irgendwie", schätze ich Peter Handke-) doch recht salopp formuliert von Dir, ich meine "Befürworter Handkes". Jegliche Person, so auch Peter Handke, im öffentlichen (Rechts-) Raum
benötigt keine Befürwortung bzw. eine Befürworterin oder einen Befürworter, sie ist schlicht und einfach da. Ich würde mich aber (auch vor mir selber) in der Tat freuen, mich mit einigem Recht als Leser des einen oder anderen Handkebuches beziehungsweise als Teil des Publikums zu einigen Inszinierungen seiner diversen Theaterstücke und nicht zuletzt als Betrachter jener Filme verstehen zu dürfen, die auf Peter Handke zurückgehen oder, wie "Die linkshändige Frau", auch unter seiner Regie umgesetzt wurden. Aus all diesen Erfahrungen mit und durch (und im Umfeld zu) Peter Handke
bin ich in einem solchen Maße als "bereichert" hervorgegangen, daß ich ihm den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2019 von Herzen gönne und folgerichtig auch dazu gratuliere. Wenn "man" so zum "Befürworter Handkes" wird, dann bin ich wohl einer. Allerdings bin ich keineswegs nur ein, jetzt schreibe ich es ähnlich salopp, "Handkeleser", nicht heute, nicht im Jahre 1999, nicht im Jahre 1991. Warum ich gerade diese Jahre hier als Beispiele heranziehe, möchte ich kurz umreißen, so es kurz gehen kann. Im Jahre 1999, ich war seinerzeit genau in dem Alter, in dem die Macherin obigen Videos heute ist, war ich nämlich (hoffentlich) ua. auch ein Leser der serbischen Dramatikerin Biljana Srbljanovic beziehungsweise sah die Inszenierung ihrer "Familiengeschichten Belgrad" (Regie: Anselm Weber, Ort: Malersaal des Schauspielhauses HH, im übrigen war das der erste Besuch, den ich damals in den Malersaal hinein unternahm). Und es geht mir bis heute so, mögen diese beiden Schriftstellerpersönlichkeiten noch so sehr auf (unversöhnlichen ?)
unterschiedlichen Ufern zu stehen gekommen sein, darin keinen Widerspruch zu finden, wenn ich an dieser Stelle ausdrücklich noch einmal wiederhole, beider Arbeiten (aus jenen Jahren) mit Gewinn frequentiert zu haben und, ja, darin absolut keinen (!) Widerspruch zu finden. Ich habe das prämierte Buch von Sasa Stanisic nicht gelesen, aber ich vermute an dieser Stelle sehr wohl, daß es mir mit ihm sehr ähnlich ergehen könnte: also wozu die (künstlichen, gar künstlerischen ?) Fronten ?? Peter Handke hat es sinngemäß in "Unter Tränen fragend" (1999) angesichts des Reiseantritts zu seiner zweiten Kurzreise nach Serbien im Frühling 1999 (zu Zeiten des Bombardements durch die NATO, ein offener Völkerrechtsfall noch heute !) und seinen Erfahrungen im Slowenien der Reiseantrittszeit
so formuliert "Laß Dir keine Fronten einreden (auch nicht von Dir selber) !" und "Du kannst nicht auf Dauer ein Feind Deiner Zeit sein !" Und sollte Peter Handke Biljana Srbljanovic einmals als "Westhure" bezeichnet haben, findet das meine ausdrückliche Mißbilligung (und würde mir an dieser Stelle auch keine Front von Peter Handke selbst einreden lassen wohl), das versteht sich, und zum Erzähler und zur öffentlichen Person Peter Handke habe ich entschieden hinreichend Vertrauen, zu vermuten, daß er auf einen solchen Ausdruck auf Dauer wohl auch nicht ernsthaft bestehen würde ! Daß Peter Handke, wie Albert Camus oder auch Günter Grass, nun den Nobelpreis annimmt und nicht ausschlägt, hat, denke ich, ganz wesentlich mit jenem "Du kannst nicht auf Dauer Feind deiner Zeit sein !" zu schaffen.
Slavoj Zizek mag ja ganz zurecht darauf hinweisen, Peter Handke habe sich selbst zuweilen äußerst kritisch zum Nobelpreis geäußert, so what ?, warum auch nicht ??, aber Stimmen, die nunmehr in der Annahme des Preises durch Peter Handke einen anderen Widerspruch aufgedeckt zu haben vermeinen, frei nach "WESTLERISCHER PREIS", verkennen das von mir dem Sinne nach zitierte Stück aus "Unter Tränen fragend" und nicht nur dieses, denn sonst hätte Peter Handke im Zuge seiner "Serbienbücher" aus dem Jahre 1996 nicht Aleksandar Tisma genannt als einen würdigen Literaturnobelpreisträger (aus der Sicht Peter Handkes). Da ich zum Beispiel von Tisma noch nichts gelesen habe, weiß ich natürlich auch nicht, ob dieser mir ansonsten noch würdiger für den Preis erschiene als Peter Handke daselbst, ich bin mir jedoch ziemlich sicher, Handke hätte das wohl kaum weniger begrüßt wie die eigene Wahl, und ich denke, um noch einmal auf Zizeks Artikel zurückzuschwenken, daß sich die Kritik zum "Falschen Kanon" durch den Nobelpreis sich ua. einem Gedanken (wie dem von mir vorangestellten) verdankt. Besonders tragisch an der Debatte erscheint mir ja gerade auch, wie wenig darauf Bezug genommen wird, daß Peter Handke zu den ganz wenigen Stimmen gehörte in diesem Land (aber auch sonstwo), welche profiliert gegen die faktische Teilung und "Beerdigung" des "common ground" namens JUGOSLAWIEN mit seinem Werkzeug, der Schreibfeder, "zu Felde" zog. Es ist eigentlich eine groteske Situation, daß nun, grob vereinfacht, die Opfer der Sezessionskriege gegen Handke sich wenden, wobei es zu den Kriegen möglicherweise schwerlich so hätte kommen können, hätten sich im Jahre 1991, Peter Handke war seinerzeit genau in meinem heutigen Lebensalter, mehr Menschen so verhalten hätten wie eben dieser Peter Handke !.
#39 Kommentar Nobelpreis Handke: common groundArkadij Zarthäuser 2019-10-31 18:03
Slavoj Zizek mag ja ganz zurecht darauf hinweisen, Peter Handke habe sich selbst zuweilen äußerst kritisch zum Nobelpreis geäußert, so what ?, warum auch nicht ??, aber Stimmen, die nunmehr in der Annahme des Preises durch Peter Handke einen anderen Widerspruch aufgedeckt zu haben vermeinen, frei nach "WESTLERISCHER PREIS", verkennen das von mir dem Sinne nach zitierte Stück aus "Unter Tränen fragend" und nicht nur dieses, denn sonst hätte Peter Handke im Zuge seiner "Serbienbücher" aus dem Jahre 1996 nicht Aleksandar Tisma genannt als einen würdigen Literaturnobelpreisträger (aus der Sicht Peter Handkes). Da ich zum Beispiel von Tisma noch nichts gelesen habe, weiß ich natürlich auch nicht, ob dieser mir ansonsten noch würdiger für den Preis erschiene als Peter Handke daselbst, ich bin mir jedoch ziemlich sicher, Handke hätte das wohl kaum weniger begrüßt wie die eigene Wahl, und ich denke, um noch einmal auf Zizeks Artikel zurückzuschwenken, daß sich die Kritik zum "Falschen Kanon" durch den Nobelpreis sich ua. einem Gedanken (wie dem von mir vorangestellten) verdankt. Besonders tragisch an der Debatte erscheint mir ja gerade auch, wie wenig darauf Bezug genommen wird, daß Peter Handke zu den ganz wenigen Stimmen gehörte in diesem Land (aber auch sonstwo), welche profiliert gegen die faktische Teilung und "Beerdigung" des "common ground" namens JUGOSLAWIEN mit seinem Werkzeug, der Schreibfeder, "zu Felde" zog. Es ist eigentlich eine groteske Situation, daß nun, grob vereinfacht, die Opfer der Sezessionskriege gegen Handke sich wenden, wobei es zu den Kriegen möglicherweise schwerlich so hätte kommen können, hätten sich im Jahre 1991, Peter Handke war seinerzeit genau in meinem heutigen Lebensalter, mehr Menschen so verhalten hätten wie eben dieser Peter Handke !.
#40 Kommentar Handke: noch ein Linkunangepaßt 2019-11-01 07:23
#38

gerne noch einen nachschlag:

"Aber dass Stanisic seine Preisrede, »eine einzige Anklage« (Der Spiegel), auf einem nicht existierenden Zitat aufbaut, verwundert dann doch.


Wer schuld ist am völkerrechtswidrigen NATO-Krieg liegt zwar auf der Hand, ist aber immer noch nicht durchgedrungen zu den Verantwortlichen in Medien- und anderen hohen Häusern. Ebensowenig die Vorgeschichte, das ganze Jahrzehnt der jugoslawischen Kriege.

Der Versuch des FAZ-Herausgebers, die Frage nach den Verantwortlichen für den Krieg auf eine Niedertracht des Künstlers abzuschieben, wirkt letztlich hilflos. Als am Tag der Verkündung der Verleihung des Nobelpreises eine Kulturkritikerin der Tageszeitung Dagens Nyheter und des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehens erklärte, in Zeiten der Desinformation sei es eine »Schande«, Peter Handke den Literaturnobelpreis zuzusprechen, konterte das Mitglied der Schwedischen Akademie Henrik Petersen: »Meines Erachtens ist das Gegenteil der Fall; gerade in einer von Desinformation geprägten Zeit hat sich der Nobelpreis an Peter Handke als überaus zeitgemäße Wahl erwiesen. Eines Tages werden die Reaktionen auf Handkes Nobelpreis Gegenstand einer historischen Abhandlung sein.« Es ist an der Zeit."

www.jungewelt.de/artikel/365662.literaturstreit-immer-noch-handke.html
#41 Kommentar Nobelpreis Handke: Falsche ParaphraseNachschlagend 2019-11-02 13:01
"Stanišić, beim Mogeln ertappt, rechtfertigte sich, er habe Handke paraphrasiert. Doch ist eben dies nicht der Fall."

www.neues-deutschland.de/artikel/1127969.peter-handke-die-boesen-fakten-festhalten.html
#42 Kommentar Nobelpreis Handke: 4. ErregungswelleArkadij Zarthäuser 2019-11-02 17:35
Zweifellos, "Glanz und Elend" verzeichnet aktuell mittlerweile 75 Presseartikel zur Causa (von Kommentaren ganz zu schweigen), darf ganz im Sinne des Buches "Der mit seinem Jugoslawien" (Lothar Struck, 2013)
bereits zu diesem Zeitpunkt von einer 4. Erregungswelle gesprochen werden, und da (siehe die versammelten Beispiele im durch #41 hier vorgehaltenen, im juristischen Sinne "vorgehalten", ND-Artikel) an dieser Stelle leider auch immer wieder sogenannte Fake News verbreitet werden, wären wohl auch die von Peter Glotz im Sammelband "Noch einmal für Jugoslawien" (1999) ersonnenen -zu den 5 unabhängigen Wirtschaftsinstituten analog gedachten- zwei unabhängigen Institute für eine saubere Medienberichterstattung -ich zitierte die betreffende Passage aus dem Buch bereits an anderer Stelle auf nachtkritik de., was seinerzeit keinen Nachhall mehr fand- ziemlich am rotieren, wo nicht gar an gewissen Belastungsgrenzen, umso besser, daß zur Chronik via nachtkritik de. an dieser Stelle noch "Glanz und Elend" und einige ThreadteilnehmerInnen hier hinzustoßen, denn, so frage ich, leben wir wirklich (noch) in Zeiten, in denen man sich die Beschädigung zentraler öffentlicher Debatten durch (willentliche bzw. fahrlässige -Nietzsches "eilige Leser" mögen erinnert werden , nicht minder die detaillierte Beweisaufnahme zur "Nietzsche-Legende", welche Walter Kaufmann vorgelegt hat in seinem Nietzsche-Buch, ich fürchte nämlich, daß die Clownin hier hinsichtlich Nietzsches der Nietzsche-Schwester und einigen "NS-Philosophen" auf den Leim geht, wenn sie Nietzsche so naserümpfend hinzusetzt zum Handke-Setting, ... er ist dann ja schnell in guter Gesellschaft, was den Spot eher schwächt für meine Begriffe-) Falschdarstellung dauerhaft und ohne fatale Folgen leisten kann ? Wie dann noch Trump und Konsorten kritisieren für ihr "Infotainment", wenn hierzulande bereits die Feuilletons
mit Beliebigkeiten zur Herabsetzung des jeweiligen "Gegners", den eigens dafür präparierten noch dazu, wie jetzt wieder !?, überlaufen ?? Wie dann, wenn Lügen und Allsatz-Behauptungen (wie bei Stanisic und Bremer) die leeren Seiten zu füllen beginnen, den Rechten ihren Kampfbegriff "Lügenpresse" nehmen (wenn wir implizit selbst davon mehr und mehr überzeugt sind, daß das mittlerweile Gewohnheit und Alltagsgeschäft ist, sich und alles mögliche gedruckt zu behaupten, daß gut verkäufliche Beliebigkeit das Rennen macht) ???
Erfreulich ist dann schon, wie viele Artikel und Kommentare in der 4. Erregungswelle da gerade nicht mittun wollen und auch nicht mittun, sich Zeit nehmen wollen bei der Einführung der Beweismittel, wenn "wir" hier schon in so eine Art Revision gehen. Ich selbst bin in den vergangenen Monaten viel häufiger im Gericht gewesen als im Theater, und die Akribie beziehungsweise Geduld und Beharrlichkeit, mit der ich dort immer wieder Beweismittel eingebracht und befragt finde, wünsche ich mir viel öfter auch in den Theater- bzw. Literaturfällen, wenn man so will: den "Hundsprozesen" ("Nichts gegen den einen oder anderen Hund ...", so finde ich es ja auch bei Peter Handke), wer hetzt uns denn eigentlich, die Sachen nun schlecht und verlogen durchzuspielen, so daß der Verfahrensfehler darin leicht für die 5. Erregungswelle reicht ? Gewiß. die Gerichte zerbersten ob ihrer Praxis und Aufgabe, weil ständig an der Personalschraube gedreht wird (siehe Jens Gnisa "Das Ende der Gerechtigkeit, ein Richter schlägt Alarm"), so auch die qualitativ hochwertigen Feuilletons, so auch das Aussterben beispielsweise des Berufstandes der Gerichtsreporter, eine Gesellschaft, die mit "Schuld" immer weniger anfangen kann, weil doch alles abläuft und jeder unvertretbar in seiner Haut steckt (siehe Ferdinand von Schirach) und doch Urteile nötig hat, erstickt (Gnisa) in der Angst vor der Revision, dem Verfahrensfehler, Schnellabwickler übernehmen die Arbeit und es gibt dann eben nur noch Fronten..
#43 Kommentar Nobelpreis Handke: Buchauslagen und ThaliaArkadij Zarthäuser 2019-11-02 18:22
Vielleicht ist es in der Vorweihnachtszeit garnicht unangebracht, an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt auf eine Möglichkeit, fast schon zu spielen, einzugehen, welche mir angesichts der Front (?) Handke/Stanisic im gestrigen abendlichen Hamburg in den Sinn gekommen ist; vielleicht mag jede/jeder, der Lust hat, sich auch ein wenig fußläufig umzutun, ohne gänzlich diese Causa verlassen zu müssen, ja an seinem jeweiligen (Wohn-) Ort ein Weilchen mitspielen ... . Auslöser war für mich dabei die Auslage einer großen Hamburger Buchhandlung am Rathausmarkt: Ich gewahrte in der breiten Schaufensteranlage sogleich , exponiert und den Buchpreis dazu nennend, Sasa Stanisic und "Herkunft", Handke suchte ich in dieser Auslage vergeblich. Ein Zufall ? Vermutlich, so denke ich, eine Positionierung der Buchhandlung ! Aber, das muß gewiß nicht auch nur annährend repräsentativ sein; vermutlich besteht zumindestens aus fiskal-händlerischer Sicht sogar in der jetzt-hiesigen "Frontstellung" ein Vorteil, ein Gewinn, und Stanisic-Bücher werden sich dann eben wie Handke-Bücher dann "erst recht" verkaufen; der Zynismus, kommt von "Hund", sagte auch schon Peter Handke auf der Belgrader Buchmesse, sage ich nun: folgt auch wie Hunde oft folgen und ist nie sehr fern. Die Spielidee aber hatte ich nun daher, nämlich einfach einmal von Buchhandlung zu Buchhandlung zu schreiten, um zu sehen, wie es um Auslage und "Betonung" so zu schaffen ist von Fall zu Fall. Es müssen ja nicht immer Jukeboxen sein, hier nun also soetwas wie eine Together-Text (siehe Kampnagel)-Idee für einen gemeinsamen Thread oder eine gemeinsame, je einzeln vollzogene, Praxis etwa unter dem Titel "Versuch über die Buchauslagen" ! Ich machte dann heute meinen Beginn dann sogleich in zwei Buchläden Kiels (Hugendubel im Sophienhof sowie Liesegang in der Holstenstraße) den Beginn und fand in beiden (!) Läden Stanisic und Handke (mit Angabe der jeweiligen Preise) zentral im Laden jeweils quasi sonderausgestellt und in beiden Fällen auch betont zueinander positioniert, wie ich es fand. Bei HUgendubel stand dabei ein Haufen von Stanisic-Büchern dem in den Laden Hineintretenden
sogleich face to face entgegen (wie auch der daneben liegende Stapel von Lukas Bärfuß-Büchern zum Büchnerpreis als Nachbar; der soll, glaube ich, den Preis heute in Darmstadt entgegennehmen, mal sehen, ob mit oder ohne Handkebezug), jeweils zu diesen beiden Preisträgern mit einem ausgebreiteten Presseartikel dazu (der bei Stanisic die Rede betraf). Der Handkestapel lehnt dabei auf der (zumindeszens zunächst) abgewendeten "Schattenseite" (als Nachbarn die Krimiabteilung kennend) und zwar sprichwörtlich Rücken an Rücken mit dem Stanisicstapel, auf der "Schattenseite" sozusagen, ohne Presseartikel (vielleicht fiel die Wahl schwer, aber auch hier sehe ich eine Positionierung). Neutraler ging es da schon bei Liesegang zu: die Handke-Stanisic-Front ist hier als "Querstand" zueinander
angelegt, ohne daß eine Favorisierung zu erkennen wäre (die sich höchstens dadurch ergibt, daß Stanisic an anderer Stelle noch einmal gesondert empfohlen worden ist, wobei Handke sich dann noch nicht einmal unter "H" wie "Handke" finden ließ (aber vielleicht war da gerade alles verkauft ..., ich fragte nicht gesondert nach, allerdings könnten Nachfragen das Spiel noch spannender gestalten).
Und, ich mache einen Sprung, das Thalia-Theater in Hamburg, ist dann quasi wie die Jungfrau zum Kinde dazu gekommen, nun sowohl Stanisic ("Vor dem Fest") als auch Handke ("Kaspar", "Noch immer Sturm"), quasi beide Seiten der "Front" im Programm zu haben (tatsächlich wirbt das Thalia-Theater im Dezemberprogramm, mit Rot unterschrieben sind jeweils die aktuell vergebenen Preise genannt, "Vor dem Fest" am 13.12. in der Gaußstraße, "Und immernoch Sturm" am 27.12.). Am 4.11. und 5.11. folgt sogar dem "Kaspar" direkt "Vor dem Fest" ..
#44 Kommentar Handke: 4. SakralisierungswellePhillip 2019-11-03 15:14
Es ist erstaunlich, mit welchem intellektuellen und beinahe theologischen Eifer eine Legitimation für diesen sehr groben Fehltritt der Nobelpreisakademie gesucht wird. Man könnte von einer vierten Sakraliesierungswelle sprechen
#45 Kommentar Nobelpreis Handke: FundstelleArkadij Zarthäuser 2019-11-05 15:38
Ich schrieb "Und sollte Peter Handke einstmals Biljana Srbljanovic als Westhure bezeichnet haben, ... ."
Dieses Zitat gehört aber zum gesicherten Bestand, soweit ich es übersehen kann, und fiel in einem Interview, welches Andre Müller, der am 10.4.2011 verstarb (es gibt dazu einen Nachtkritik-Thread), mit Peter Handke im Jahr 2007 geführt hat (dieses Interview ist in Gänze auf der Seite Andre Müllers nachzulesen) und fügt dieser Debatte möglicherweise auch einmal ein paar wohltuende Grautöne bei..

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