Versteinerte Strukturen?

14. November 2019. Aufrüttelnd sind die Ergebnisse von Thomas Schmidts Studie "Macht und Struktur im Theater": Mehr als die Hälfte der Künstler*innen an deutschsprachigen Theatern hat in ihrem Berufsleben schon verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen sind also nicht nur Einzelfälle, sondern Systemfehler? Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartner*innen in Folge 19 des Theaterpodcast.

 

Selbstgerechte und wenige moderne Theaterwelt?

Für Thomas Schmidt zeugen die Theaterkrisen von einer archaischen, selbstgerechten und wenig modernen Theaterwelt, deren Organisationskultur einer Erneuerung bedarf. Schon 2016 plädierte der Professor für Theatermanagement in Frankfurt am Main und ehemalige Geschäftsführer am Nationaltheater Weimar in seinem Buch "Theater, Krise und Reform" für Veränderungen. Heute wirkt sein Appell noch dringlicher, denn trotz #MeToo und offener Strukturdebatten ist aus seiner Sicht bislang viel zu wenig passiert.

Dem widerspricht Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheaters Schwaben und Co-Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein: Ihr zufolge sind Reformen längst im Gange.

Individuelles Arbeitsmodell – und Verbesserungen für alle

Die Schauspielerin Eva Löbau ist seit einem Jahr Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen und persönlich von Machtmissbrauch nicht betroffen. Wie nimmt sie, die lange eher in der Freien Szene und beim Film beschäftigt war, die Diskussion um hierarchisch auf einen Intendanten zentrierte Theater wahr?

"Von der Selbstausbeutung befreit" hat sie sich zwar noch nicht, wie sie im Podcast erzählt. Und doch hat sie für sich ein Arbeitsmodell gefunden, das künstlerisch erfüllend ist und finanziell trägt. Reformbedarf sieht die als Fernsehkommissarin im Schwarzwald-Tatort bekannte Schauspielerin gleichwohl, etwa in der Ausbildung. Mut machen ihr und auch Thomas Schmidt die jungen Künstlerinnen und Künstler. Selbstausbeutung sei bei ihnen weniger en vogue, sie organisieren sich schlagkräftig im Verein Ensemble Netzwerk, ihnen gehöre die Zukunft.

 

Ein Podcast in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur

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