Bedauern und offene Fragen

Berlin, 4. Dezember 2019. Die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit (ZpS) entschuldigt sich in einem heute auf ihrer Homepage veröffentlichten Statement für seine neueste Berliner Aktion "Sucht nach uns". Für die Aktion hatte die Gruppe, eigenen Erklärungen nach, echte Totenasche von Holocaustopfern aus der Erde in Deutschland, Polen und der Ukraine geborgen und in einer Säule verstaut, die am vergangenen Montag als Zentrum einer Gedenkstätte im Berliner Regierungsviertel aufgestellt wurde. Das Vorgehen war auf breite Kritik gestoßen. Jüdisch Verbände stuften die Aktion als Verletzung der Totenruhe ein, wie unter anderem die Jüdische Allgemeine berichtete.

suchtNachUns 560 David Baltzer uDie Installation des Zentrums für politische Schönheit im Berliner Regierungsviertel © David Baltzer

"Wir bedauern aufrichtig, dass wir den zentralen Wirkungsaspekt unserer Arbeit nicht im Vorfeld erkannt haben", schreibt das ZpS in seinem Statement. "Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben." Als sofortige Konsequenz werde das "Kernstück der Säule im Regierungsviertel" verhüllt, "um dem Eindruck der 'Zurschaustellung' zu begegnen". Die Crowdfunding-Seite werde abgestellt. Der sogenannte "zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich" gegen die AfD, "bei dem sich Menschen vor Ort treffen und der rechten Machtergreifung den Widerstand schwören sollten", ist abgesagt. Auf die Frage aber, wohin die geborgene Asche nunmehr zu bringen sei, habe man "keine Antworten".

(politicalbeauty.de / juedische-allgemeine.de / chr)

 

Update vom 6. Dezember 2019: Das ZpS hat die zum Auftakt der Aktion installierte Säule im Regierungsviertel am heutigen Freitag ausgetauscht und die Asche an die orthodoxe Rabbinerkonferenz übergeben. Installiert wurde eine nachgefertigte Säule, die als "umkonzipierte Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie" am Samstag Morgen eingeweiht werden soll. Das gibt das ZpS auf seiner Webseite bekannt. (ZpS / eph)

 

Mehr zu Auftakt und Intention der Aktion "Sucht nach uns" in der Meldung vom 2. Dezember 2019.

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Kommentare

Kommentare  
#1 ZPS-Absage: TabusJoachim Lux 2019-12-05 01:41
Für die Störung der Totenruhe gibt es keine Entschuldigung, die man respektieren könnte. Es gibt auch in der Kunst Tabus, die man nicht ungestraft brechen kann.
Vonseiten der Populisten werden derzeit zum Schaden der Zivilisation viele Tabus gebrochen. Es ist nicht mehr „fortschrittlich“, vonseiten der Linken Tabus zu brechen.
Der Vorgang ist ekelhaft, und die Ratlosigkeit, wohin mit der Asche, unfassbar. Die Gruppe sollte sich auflösen. Tiefer kann man nicht fallen. Selbstvernichtung.
#2 ZPS-Absage: Peinlichkeitdichter und denker 2019-12-05 09:58
die "künstler" entschuldigen sich für ihr "werk" und verhüllen es - trotz dem teilweise euphorischen zuspruch und großzügig geleisteter spendenbereitschaft


klingt eher nach spendenskandal, als nach KUNST ... von wiederholt nekrophilen ambitionen im kontext mit tagespolitik bei den "aufführungen", bleibt für mich keine frage nach dem kunstverständnis bzw. dem offensichtlichen mißbrauch mehr offen.

"kunst und kultur" werden zur peinlichkeit - neben bildung(pisa) ... eine entschuldigung ist da das allermindeste als "deutscher kulturbeitrag"
#4 ZPS-Absage: völlig entgleistentsetzt 2019-12-07 01:00
Auf der FB-Seite des ZPS sind unerträgliche antisemitische Kommentare zu lesen, die die Aktion gutheißen und Kritiker des ZPS heftigst beschimpfen. Das ZPS kommentiert nicht, greift nicht ein, schweigt in wesentlichen Fragen, wie seit Tagen schon. Stattdessen kündigt es eine neue Aktion für morgen früh an... Keine näheren Erklärungen, nichts. Ich vermute, die ganze Sache ist völlig entgleist.
Liebes Zentrum für politische "Schönheit"! Bekanntlich haben Sie einen Eskalationsbeauftragten. Wäre es nicht an der Zeit, ihn zur Abwechslung mal deeskalierend aufzutreten zu lassen? Ich kann mir nicht vorstellen, daß antisemitische Kommentare von vermeintlichen Fans in Ihrem Sinne sind. Oder doch? Übernehmen Sie Verantwortung.

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