"Geballte Energie"

26. Februar 2020. Anastasija Bräuniger gewinnt mit dem Konzept "PROTEST 4" den diesjährigen Regienachwuchswettbewerb des Theater Erlangen. Das teilt das Theater in einer Presseaussendung mit.

Für die vierte Auflage des Erlanger Regienachwuchswettbewerbs zum Thema "Umbrüche" wurden 72 Konzepte sowohl von einzelnen Bewerber*innen als auch von Regiekollektiven aus der gesamten deutschsprachigen Theaterlandschaft eingereicht.
Anastasija Bräuniger 280 hoch c Linda Rosa Saal Anastasija Bräuniger  © Linda-Rosa SaalDie Jury, bestehend aus Michael Laages (Theaterkritiker), Antje Thoms (Hausregisseurin am Deutschen Theater Göttingen) und Katja Ott (Intendantin am Theater Erlangen) entschied sich für das Konzept, das Regisseurin Anastasija Bräuniger gemeinsam mit Linus Lutz (Dramaturgie), Louis Caspar Schmitt (Bühne/Kostüm) und Johannes Christoph Meißner (Musik) vorgelegt hatte. Unter dem Titel "PROTEST 4" soll eine Stückentwicklung über die Auslöser lokaler wie globaler Protestbewegungen entstehen. Die Premiere ist für September 2020 in Erlangen geplant.  

Warum gehen Sie auf die Straße?

Die Ausgangsfragen des Konzepts lauteten: Was bewegt einen Menschen dazu, sich einem Protest anzuschließen, auf die Straße zu gehen? Unter welchen Umständen wird eine beobachtende Person zu einer protestierenden? Das Team um Anastasija Bräuniger zieht dafür vier aktuelle Protestwellen in Beirut, Santiago de Chile, Hongkong und Erlangen heran. Persönliche Erfahrungsgeschichten mit Protest sollen in den Arbeitsprozess einfließen. Austauschformate wie offene Proben und Dialoge mit dem Publikum sind im Konzept für die Probenzeit vorgesehen.

Auszug aus der Jurybegründung

"Das Konzept überzeugte auf mehreren Ebenen: Es ist theatral, offen für reale Begegnungen, verfolgt einen konkreten politischen Ansatz und schafft es trotzdem, spielerisch und leicht zu wirken. Die geballte Energie, die kompromisslose Ernsthaftigkeit, die Neugier auf andere Menschen und ihr Leben und nicht zuletzt auch der Humor des eingereichten Konzepts, lassen auf ein Projekt hoffen, das es schafft, verschiedene Menschen in verschiedenen Ländern miteinander zu verbinden und zu bereichern.“

Das Kollektiv

Anastasija Bräuniger, geboren in Berlin, aufgewachsen in Moskau, England und Mecklenburg-Vorpommern, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Als Ensemblemitglied am Stadttheater Heilbronn stellte sie nebenher Zeichnungen, Fotografien und Installationen aus, die sich unter anderem mit der deutschen Asylpolitik auseinandersetzten. Ihr Kurzfilm "Champions", gedreht 2016 im Irak, wurde von verschiedenen Festivals eingeladen und prämiert. Bräuniger ist Co-Gründerin des FLUGWERK Berlin, einer Werkstattbühne für darstellende Kunst. Dort realisierte sie als Regisseurin mehrere Theaterarbeiten.

Linus Lutz studierte Philosophie und Germanistik in Tübingen und Berlin. Als Dramaturg arbeitete er mit Anastasija Bräuniger bei ihren Produktionen Im Schnee (AT) und Landschaft im Sturz zusammen.
Louis Caspar Schmitt studiert Bühnenbild an der Universität der Künste Berlin.
Johannes Christoph Meißner studierte Pop/Jazz Gesang an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Während des Studiums gewannen er und Anastasija Bräuniger den Theaterpreis "Interdisziplinär" für die in Kooperation inszenierte Aufführung des Stückes "Hysterikon". Meißner ist als Musiker, Komponist, darstellender Sänger und Sprecher tätig. An der Universität der Künste Berlin lehrt er gesangspraktisches Klavierspiel.

(Theater Erlangen / jnm)

 

 
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