Rebel with a Cause

28. Februar 2020. Nach langer Krankheit ist der Autor und Schauspieler Burkhard Driest verstorben, wie heute u.a. Der Spiegel meldet. Driest wurde bekannt als Schauspieler in Filmen von Rainer Werner Fassbinder, Sam Peckinpah und Reinhard Hauff und in Inszenierungen von Peter Zadek.

Zum Theater und Film fand der 1939 in Stettin geborene Driest erst spät. 1966 wurde er wegen eines kurz vor seinem juristischen Staatsexamen verübten Bankraubes zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen er drei Jahre verbüßte. Anschließend schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, schleppte dem Spiegel sowie der Süddeutschen Zeitung zufolge Säcke im Hamburger Hafen, schmuggelte Pornofilme, kellnerte und fuhr Getränke aus.

Im Gefängnis hatte Driest zu schreiben begonnen. 1974 veröffentlichte er seinen ersten Roman, "Die Verrohung des Franz Blum“. Dieses "Protokoll des deutschen Strafvollzugs mit starken autobiografischen Zügen" machte den "Brutalo-Charmebolzen" Driest laut Spiegel bekannt. Verfilmt wurde Driests Franz Blum-Roman 1974 von Reinhard Hauff, Driest schrieb das Drehbuch und spielte seine erste Filmrolle. Für Peter Zadek stand er in Folge als Kowalski in "Endstation Sehnsucht" in Bochum auf der Bühne. 1977 drehte er mit Sam Peckinpah "Steiner – Das eiserne Kreuz".

1980 war Driest vor einem kalifornischen Gericht der Vergewaltigung der Schauspielerin Monika Lundi angeklagt und wurde wegen Körperverletzung verurteilt.

1982 spielte er in Fassbinders "Querelle", der Jean Genet-Adaption, für die er auch als Drehbuch-Co-Autor genannt wird. Driest verfasste weitere Drehbücher, unter anderem für Filme wie "Endstation Freiheit" und "Falco meets Amadeus“. Unter dem Titel "Annas Mutter" verfilmte er selbst einen Stoff aus dem "Stern", einen Bericht über Marianne Bachmeier, die 1981 im Lübecker Schwurgerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter erschossen hatte.

Driest, der sich auch der Malerei zuwandte, lebte in Dublin, auf Ibiza und in Berlin, wo er nun im Alter von 80 Jahren verstorben ist.

(Der Spiegel / Tagesspiegel / Süddeutsche Zeitung / eph)

 
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