Literarischer Extremist

30. März 2020. Der Grazer Autor Clemens J. Setz wurde zum Kleist-Preisträger 2020 gewählt. Das meldet u.a. die Kleine Zeitung. Als "Vertrauensperson der Jury" bestimmte die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl nach dem alten, noch von Richard Dehmel eingeführten Brauch letztlich alleinverantwortlich den Preisträger.

340px Clemens J. Setz 2019Clemens J. Setz 2019 © Amrei-Marie / CC BY-SAIn der Begründung heißt es: "Den Kleist-Preis erhält mit Clemens J. Setz ein literarischer Extremist im besten Sinne, ein Erzähler und Dramatiker, der seine Leser mit anarchischer Phantasie und maliziöser Fröhlichkeit stets aufs Neue verblüfft, sie an seinem verstörenden Kopf-Universum teilhaben lässt und dabei hinausreißt in den Schwindel der Freiheit. Sein neugieriger Blick auf die Welt verrückt die Maßstäbe der Normalität und verbindet wachste Zeitgenossenschaft mit den ganz alten Fragen, er gilt den Menschen wie den Maschinen und dem, was sie unterscheidet – im Urvertrauen auf die Macht des Bildes und im unausgesetzt ausgesetzten Grenzgang zwischen dem Visionären und dem Pathologischen."

Clemens J. Setz, geboren am 15. November 1982 in Graz und wohnhaft ebendort, ist auch Übersetzer und Dramatiker. 2007 erschien sein Debütroman "Söhne und Planeten", der auf die Shortlist des aspekte-Literaturpreises gelangte. 2008 wurde er zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen, wo er mit der Novelle "Die Waage" den Ernst-Willner-Preis gewann. 2009 wurde sein zweiter Roman "Die Frequenzen" für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für seinen Erzählband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" erhielt Setz 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik. Sein 2012 erschienener Roman "Indigo" gelangte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Auch der 2015 erschienene über 1000 Seiten lange Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Im Februar 2019 erschien sein Erzählband Der Trost runder Dinge. Nachdem bereits mehrere von Setz' Prosa-Texten für die Bühne bearbeitet wurden, hatte 2017 in Mannheim sein erstes Stück Vereinte Nationen Premiere, das mehrfach nachinszeniert wurde. 2018 folgte in Graz Erinnya und Die Abweichungen in Stuttgart (letzteres nominiert für den Mülheimer Dramatikerpreis 2019).

Der mit 20.000 Euro dotierte Kleist-Preis wurde erstmals 1912 anlässlich des 101. Todestages von Heinrich von Kleist verliehen. Frühe Preisträger waren unter anderem Bertolt Brecht, Robert Musil und Anna Seghers. 1933 löste sich die Kleist-Stiftung auf. Nach der Wiederbegründung des Preises im Jahr 1985 wurden unter anderem Alexander Kluge, Heiner Müller, Ernst Jandl, Herta Müller, Daniel Kehlmann, Sibylle Lewitscharoff und Marcel Beyer ausgezeichnet.

Der Kleist-Preis 2020 soll am 22. November im Deutschen Theater Berlin an Setz verliehen werden.

(Kleine Zeitung / sd)

 

 

 
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