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"Erniedrigte und Beleidigte" am Staatsschauspiel Dresden

11. April 2020. Weil die Theater nicht mehr spielen können, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Mitschnitten von Inszenierungen zusammen: Vom 11. April 18 Uhr bis 12. April 18 Uhr zeigen wir "Erniedrigte und Beleidigte" in der Regie von Sebastian Hartmann nach dem Roman von Fjodor Dostojewski, mit Texten aus der Poetikvorlesung, die der Dramatiker Wolfram Lotz 2017 auf nachtkritik.de veröffentlichte. Premiere der Inszenierung war am 29. März 2018 am Staatsschauspiel Dresden. Der Abend wurde zum Berliner Theatertreffens 2019 eingeladen. In seiner Nachtkritik zur Premiere feierte Matthias Schmidt die Inszenierung als Gesamtkunstwerk: "Jetzt könnt ihr selbst erleben, wie es sein kann, das Theater, wenn es die Konventionen sprengt, frei und wild, respektlos und verrückt und, ja, auch anstrengend."

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Regisseur Sebastian Hartmann und der Dramaturg der Produktion Jörg Bochow (Chefdramaturg in Dresden) werden im Live-Chat dabei sein. Der Live-Chat startet um 20 Uhr. Alle, die dabei sein mögen und gemeinsam schauen oder auch mitreden wollen, drücken um 20 Uhr gleichzeitig auf Play und schauen dann simultan. Nachtkritik-Redakteur Janis El-Bira zählt als Host des Abends den Countdown an. Hashtag bei Twitter #streamingerniedrigte

Der Chatverlauf ist hier dokumentiert, mit dem Hinweis, dass Sebastian Hartmann wegen technischer Schwierigkeiten unter drei Namen chatten musste, erst als Sebastian Hartmann, dann als Gast, schließlich als sebi.

In ihrem Vorab-Video sprechen Hartmann und Bochow über ihre Dostojewski-Arbeit und die Möglichkeit, eine Theaterinszenierung wie ein Gemälde anzugehen.

 


Auf der Homepage des Staatstheaters Dresden wird die Handlung des Stückes so beschrieben:

"… aber was soll ich tun, wenn ich bestimmt weiß, dass die Grundlage aller menschlichen Tugenden der größte Egoismus bildet."

Dostojewski lässt in seinem Roman, erschienen 1861, den fiktiven Autor Iwan Petrowitsch auf den Zyniker Fürst Walkowski treffen, dem es Vergnügen bereitet, alles Gerede über Altruismus und selbstaufopfernde Liebe als bloße Illusion zu verspotten. Beide begegnen sich eines Abends im von Dostojewski als düsterer Großstadtmoloch geschilderten Petersburg. Walkowski hat seinen Sohn, den willensschwachen, kindlichen Aljoscha, bei seinem Verwalter und dessen Familie, den Ichmenews, untergebracht, bei denen auch der junge Dichter aufwuchs. Die Tochter der Ichmenews, Natascha, verliebt sich und verlässt mit Aljoscha die Familie. Walkowski verklagt seinen Verwalter und bezichtigt ihn der Intrige. In rasanter Folge gehen die Liebesverwirrungen sowie deren skrupellose Instrumentalisierung und der soziale Abstieg ganzer Familien ineinander über. Despotisch ist nicht nur der Fürst, sondern alle Figuren sind von ihrem verletzten Selbst und der Sucht nach Genugtuung getrieben. Hinter den großen Emotionen aber geht es schlicht um Vermögensanteile: "Das Leben ist ein Handelsgeschäft; werfen sie ihr Geld nicht umsonst weg", rät Walkowski dem mittellosen Dichter.

Zusatzinfo von Nachtkritik: Die Inszenierung geht mit den Motiven des Dostojewski-Romans sehr frei um und kombiniert sie mit Texten aus der Poetikvorlesung von Wolfram Lotz, um über die Möglichkeiten eines freien, sich im Aufführungsprozess spontan wandelnden Theaters zu reflektieren.

Hier geht's zur Nachtkritik der Inszenierung und zur Einschätzung des Gastspiels beim Berliner Theatertreffen 2019.

 

Erniedrigte und Beleidigte
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
unter Verwendung der Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz
Regie und Bühne: Sebastian Hartmann, Kostüme: Adriana Braga Peretzki, Bild/ Installation: Tilo Baumgärtel, Chorleitung: Christine Groß, Lichtdesign: Lothar Baumgarte, Dramaturgie: Jörg Bochow.
Mit: Luise Aschenbrenner, Eva Hüster, Moritz Kienemann, Torsten Ranft, Lukas Rüppel, Fanny Staffa, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi, Viktor Tremmel.
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, keine Pause

www.staatsschauspiel-dresden.de