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Mangelnde Zahlungsmoral

21. April 2020. Das Ensemble-Netzwerk hat in einer Pressemitteilung Umfrageergebnisse zur Gagenfortzahlung der freien Mitarbeiter*innen an den Theatern in der Corona-Krise veröffentlicht. Den Ergebnissen der Umfrage zufolge erhalten 49% der freischaffenden Theatermacher*innen im deutschsprachigen Raum keinen Lohn. 

Das Ensemble Netzwerk ist ein 2016 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Künstler*innen im Bereich Darstellende Kunst einsetzt. Die Umfrage Einkommensausfälle wegen Corona – Wirst Du bezahlt? erfasste der Mitteilung zufolge 94 der 140 öffentlich geförderten Theater in Deutschland. Das entspricht der Berechnung des Netzwerks zufolge 67% aller öffentlichen Theater. 71,56% der Teilnehmer*innen seien an den Theatern jedoch sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit im engeren Sinne des Arbeitsgesetzes Arbeitnehmer*innen – und nicht vermeintlich "freischaffend" – und hätten aus diesem Grund einen größeren Schutz erwarten dürfen, heisst es in der Mitteilung.

Schweiz und Österreich schneiden besser ab

Denn nur 15,03 % der Teilnehmenden hätten angegeben, zu 100% ausgezahlt worden zu sein. Alle anderen seien anteilig oder gar nicht bezahlt worden und/oder hätten keine Informationen erhalten, obwohl abgeschlossene Verträge vorliegen würden. "Vor dem Hintergrund der Ergebnisse schätzen wir die Zahlungsmoral und das Krisenmanagement der Theater gegenüber den, in der gegenwärtigen Situation besonders schutzbedürftigen freien Mitarbeiter*innen, als mangelhaft ein," heißt es in der Erklärung. 

Im Hinblick auf die gesamte deutschsprachige Theaterlandschaft kommt das Ensemble-Netzwerk in der aiswertung der Studie zu dem Ergebnis, dass die Theater keine einheitlichen Regelungen treffen: Weder gebe es Regelungen innerhalb des Bühnenvereins, noch innerhalb der Bundesländer oder den einzelnen Theatertypen. Dies wird als Zeichen für eine mangelhafte Krisenfähigkeit bewertet. Bemerkenswert hingegen seien die Ergebnisse in der Schweiz und in Österreich. "Auch wenn deren Anteil im Vergleich zur Gesamtzahl der Theater deutlich niedriger liege, lasse sich hier insgesamt eine deutlich positivere Tendenz ableiten."

Eine detailiiertere Auswertung der Studie findet sich hier.

(sle)