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Für die baldige Wiedereröffnung

23. April 2020. Die Corona-Krise stellt den Theaterbetrieb und seine Menschen vor kurz-, mittel- und langfristige Unsicherheiten. Die vielen freien Kulturschaffenden, von denen das Theater lebt, beklagen das schnelle Versiegen der Soforthilfen der Länder, das viele auf die Grundsicherung zurückwirft um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Theater-Institutionen wissen nicht, wann sie ihre Säle wieder für ein Publikum öffnen können. Was sie wissen, ist: Im Jahr 2020 wird wesentlich weniger Geld eingenommen, und mit der Wirtschaftskrise wird die nächste Sparrunde kommen, in der die Kommunen und Länder, die die Theater finanzieren, unter Druck geraten und diesen Druck weitergeben werden. Welche Strategien hat die Kulturpolitik in dieser Situation? Sophie Diesselhorst und Janis El-Bira telefonierten am 16. April 2020 mit der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters (CDU).

Frau Grütters, seit dem 15. April wissen wir, dass die Kontaktbeschränkungen in Kraft und somit die Theater und andere Kulturinstitutionen bis auf weiteres geschlossen bleiben. Ob diese allerdings unter die "Großveranstaltungen" fallen, die bis 31. August untersagt bleiben sollen, scheint allgemein unklar. Können Sie uns einen Ausblick geben: Ist diese Theatersaison effektiv beendet?

Der Begriff "Großveranstaltungen" ist tatsächlich nicht genauer definiert worden. Sind das Veranstaltungen, die in Fußballstadien stattfinden oder in der Berliner Philharmonie mit 2.400 Plätzen? Sind damit Opernhäusern mit 1.000 Plätzen oder Theater mit 650 Plätzen gemeint? Das müssen die Länder nun in ihren entsprechenden Landesverordnungen verbindlich festlegen. Davon hängt auch ab, wann und wie Theater wieder öffnen können. Denkbar sind jedenfalls verschiedene Szenarien, wie man die Abstandsregeln im Publikum einhalten kann, zum Beispiel indem man nur jeden dritten Platz besetzt und nur Paare nebeneinander sitzen dürfen. Aber auch für das Geschehen auf der Bühne müssen Abstandsregeln gelten. Soweit ich weiß, wird an einzelnen Häusern bereits an der Umarbeitung einzelner Inszenierungen des Repertoires gearbeitet. Wir alle müssen jetzt darüber nachdenken, unter welchen Vorkehrungen Kulturinstitutionen wieder öffnen können.

Portait MGgruetters 560 ElkeJung Wolf uKulturstaatsministerin Monika Grütters © Elke A. Jung-Wolff

Das heißt, Sie würden den Theatern jetzt raten, eher nicht damit zu rechnen, dass in den nächsten Monaten überhaupt ein öffentlicher Vorstellungsbetrieb stattfindet?

Es wird jedenfalls noch länger dauern, bis wir zu so etwas wie "Normalität" zurückkehren können. Aber ich gebe jetzt keine Saison "verloren". Es liegt auch an den Theatern, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie in Zukunft Vorstellungen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln durchführen können. Um hier nur ein Beispiel zu nennen: Ich kann mir vorstellen, dass man ein Stück für zwei Personen wie "Kommt ein Pferd in die Bar" mit Samuel Finzi nicht in den Kammerspielen des Deutschen Theaters aufführt, sondern im Großen Haus – und dass dort eben nur jeder dritte Platz besetzt ist. Es sind viele Formate denkbar. Die Fantasie der Intendanten, Regisseure, Dramaturgen und Schauspieler ist gefragt, um Inszenierungen entsprechend umzugestalten. Ehrlich gesagt, mir blutet das Herz, wenn ich mir vorstelle, wie viele Aufführungen in den vergangenen Wochen nicht stattfinden konnten und wie viele Proben umsonst waren. Aber die Politik wird diese Probleme nicht alleine lösen können. Ich werbe daher dafür, dass wir gemeinsam über Wiedereröffnungs-Strategien nachdenken.

Das Theater lebt sehr stark von den Selbständigen und den Freischaffenden. Es gab da zuletzt unter anderem einen Brandbrief von über 300 Künstler*innen der Freien Szene, die sich an Sie gewendet haben, und beklagen, dass die Soforthilfen der Länder ziemlich schnell versiegt sind. Sie fordern, dass die Soforthilfen fortgesetzt werden, damit die Künstler*innen auch ihren Lebensunterhalt finanzieren können und verlangen andererseits, dass der Fonds Darstellende Künste, der ja schon zu einer Art Corona-Fonds geworden ist, aufgestockt wird. Wie stehen Sie zu diesem Brief?

Ich finde es richtig und wichtig, dass die freien Künstlerinnen und Künstler auf ihre Situation hinweisen. Ich selber leide ja mit ihnen – und zwar nicht erst, seit sie diesen Brief geschrieben haben, sondern vom ersten Tag an. Deshalb habe ich mich erfolgreich dafür eingesetzt, dass sie von Anfang an bei dem großen 156-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm der Bundesregierung mitgedacht worden sind. 

Sie alle können an den großen Maßnahmepaketen teilhaben: Erstens stellen wir 50 Milliarden Euro für die Unterstützung von Kleinunternehmen und Solo-Selbständigen bei der Betriebssicherung zur Verfügung. Zweitens werden die persönlichen Lebensumstände durch das Sozialschutzpaket abgesichert, das man bitte nicht abwerten sollte. Und drittens gibt es viele rechtliche Einzelmaßnahmen, mit denen Härten abgemildert werden. Es ist ein großer Vorteil, dass die Künstler und Kreativen auf die 50-Milliarden-Soforthilfe und die anderen Teilpakete selbstverständlich zugreifen können. Bei einem Sonderprogramm nur für den Kulturbereich wäre deutlich weniger Geld herausgekommen.

Das Land Baden-Württemberg hat die Soforthilfe für Soloselbständige jetzt neu aufgelegt als monatliches Grundeinkommen, um das man sich weiterhin bewerben kann. Bayern zieht nach, und auch aus der Wirtschaftsministerkonferenz der Länder kam Zustimmung für solch ein bedingungsloses Grundeinkommen ...

Grütters: Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Länder, die ja immer wieder auf ihre Kulturhoheit verweisen, eigene Programme zur Soforthilfe auflegen. Teilweise gelten für diese Programme sehr unterschiedliche Kriterien, und es folgen ebenso unterschiedliche Leistungen daraus. Grundsätzlich gilt: Jede Künstlerin und jeder Künstler muss für sich individuell prüfen, ob ein Antrag auf Soforthilfe aus Ländermitteln oder ein Antrag auf Grundsicherung des Bundes die bessere Lösung ist.

Aber ist diese Grundsicherung etwas Anderes als Hartz IV?

Ja, das ist etwas anderes, denn der Zugang zur Grundsicherung wurde deutlich erleichtert und die Leistungen vergrößert: So werden die tatsächlichen Kosten der Miete und der Heizung vorübergehend voll anerkannt. Auch die sonst übliche Vermögensprüfung wird ausgesetzt. Das bedeutet, bei einer Einzelperson werden 60.000 Euro und bei einer Familie mit zwei Kindern 150.000 Euro nicht angerechnet. Zudem wurde der Zugang zu Kinderzuschlägen erleichtert.

Bildschirmfoto 2020 04 23 um 11.58.06Online-Petition für Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns @ Screenshot Facebook

Der Journalist Till Briegleb hat eine Stichprobe gemacht und stellt in der Süddeutschen Zeitung fest, dass die Jobcenter sich anscheinend noch nicht umgestellt haben. Dass also auf die, die jetzt Grundsicherung beantragen, die ganz normale, mit Hartz IV verbundene Formularschlacht wartet – und außerdem immer noch Vermögensprüfungen stattfinden, nicht nur bei den Antragsstellern selbst, sondern auch bei ihren "Bedarfsgemeinschaften", also Familienmitgliedern oder Mitbewohner*innen...

Es gibt ein lediglich 5-seitiges Formular für diese Sonderleistung 2020. Aber in der Tat ist es so, dass kein Anspruch besteht, wenn in dem betreffenden Haushalt insgesamt erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, etwa durch das Einkommen oder Vermögen des im Haushalt lebenden Ehepartners. Aber Mitbewohner sind natürlich nicht Teil einer Bedarfsgemeinschaft! Solche Mythen ließen sich übrigens durch einen Blick auf die Homepage der Bundesagentur für Arbeit schnell beseitigen. Generell kann ich verstehen, dass es Vorbehalte gegenüber den manchmal bürokratischen Verfahren gibt. Aber diese Verfahren wurden jetzt deutlich erleichtert. Und letztlich überwiegen die Vorteile des Sozialschutzpakets deutlich. Ich kann nur immer wieder appellieren, diese Angebote zu nutzen statt sie schlechtzureden.  

Im Interview mit der dpa sagen Sie kürzlich: "Ich werde mich weiter mit aller Kraft dafür einsetzen, die einzigartige Kulturlandschaft in Deutschland in all ihrer Vielfalt zu erhalten. Dazu gehört natürlich auch, dass wir als Bundesregierung die bestehenden Hilfsmaßnahmen beständig überprüfen und gegebenenfalls auch nachjustieren." Es besteht also doch die Chance, dass über die Grundsicherung hinaus weitere Soforthilfeprogramme für Kulturschaffende initiiert werden? (Diese Frage wurde nachträglich gestellt, Anm.d.Red.)

Selbstverständlich schauen wir alle beim Bund und bei den Ländern sehr genau, wo sich Lücken auftun. Die Kritik aus der Kulturszene nehmen wir sehr ernst. Wir kennen die Nöte und tun alles dafür, um den Institutionen und den Künstlerinnen und Künstlern zu helfen. Diese Hilfe kann übrigens auch darin bestehen, dass wir schon bestehende Förderinstrumente auf die Bedürfnisse der jetzigen Lage anpassen. So haben wir z. B. für Konzertveranstalter eine Gutscheinlösung für bereits verkaufte Tickets nachträglich beschlossen, um sie vor Liquiditätsengpässen und am Ende vor der Pleite zu bewahren. 

Nun sind die Freischaffenden das eine Thema, das andere sind die großen Institutionen: Die großen Opernhäuser, die großen Theater. Für die ist absehbar, dass sie voraussichtlich Ende des Jahres wegen der Einnahmendefizite extrem unter Druck geraten werden. Sie hatten sich dazu schon einmal in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Ende März geäußert und meinten damals, dass Sie noch mit dem Finanzminister sprechen müssten, was da gegebenenfalls vom Bund leistbar wäre. Gibt es schon einen neuen Stand?

Die Stadt- und Staatstheater werden fast ausnahmslos von den Ländern und Kommunen getragen. Der Bund fördert im Bereich Bühne nur wenige Institutionen direkt, zum Beispiel sind wir einer von vier Gesellschaftern der Bayreuther Festspiele oder tragen die Berliner Festspiele. Wir rechnen damit, dass einige Institutionen das Jahr 2020 mit erheblichen Einbußen abschließen werden, was letztendlich davon abhängt, wie hoch der Anteil der Einnahmen an der Gesamtfinanzierung ist. Dafür muss man dann in der Tat mit den Finanzministern eine Lösung finden. Aber das können wir erst dann klären, wenn wir wissen, worauf sich das Defizit am Ende jeweils tatsächlich beläuft. Und auch hier gilt, dass es nicht nur Einnahmeausfälle, sondern auch ersparte Ausgaben gibt.

KommtEinPferd Finzi DT 560 ArnoDeclair uEingeschränkter Theaterbetrieb mit Monolog-Inszenierungen wie "Kommt ein Pferd in die Bar" vom DT Berlin ?
© Arno Declair

In einer ganz besonders prekären Situation ist die kulturelle Versorgung des ländlichen Raums. Dort werden viele Häuser von Kulturvereinen getragen, und da gibt es keine Zuschusspflicht. Viele Kommunen werden in Folge der Krise sparen müssen, und einige Kulturvereine rechnen jetzt schon mit der Insolvenz. Sie selbst sind ja etwa mit dem Theaterpreis des Bundes gerade für diese Breitenversorgung sehr engagiert. Wie könnte man das auffangen?

Grütters: Schon vor der Corona-Epidemie waren die strukturschwachen ländlichen Regionen mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Aber gerade dort werden Kultureinrichtungen als Orte der Begegnung und des Austausches gebraucht. Mit den Bundeskulturpreisen für Theater, Kinos, Musikclubs und Buchhandlungen versuchen wir, dieses Netz "geistiger Tankstellen" aufrecht zu erhalten. Seit meinem Amtsantritt engagiere ich mich für die ländlichen Räume und für gleichwertige Lebensverhältnisse. Dazu gehört seit 2019 das Programm "Kultur in ländlichen Räumen", aus dessen Mitteln wir unter anderem Soforthilfeprogramme für Kulturzentren, Bibliotheken und Heimatmuseen in ländlichen Räumen fördern.

Aber wenn die Kulturvereine als Veranstaltungsorte wegfallen, betrifft das ja auch die Tourneetheater, freischaffenden Künstler, die an diesen Orten auftreten. Dieser spezielle Zusammenhang ist bisher noch nicht berücksichtigt worden, soweit wir sehen.

In der Tat stand zuerst die Existenzsicherung der vielen Soloselbständigen und Kleinbetriebe im Vordergrund. Die Frage der Kulturorte, die ja in einer sehr unterschiedlichen Trägerschaft liegen, wird in einem nächsten Schritt zu prüfen sein. Die INTHEGA-Bühnen werden ja zum Beispiel häufig durch die Kulturämter finanziert. Probleme sehe ich eher dort, wo Private oder Vereine Träger sind und kulturwirtschaftlich tätig werden. Um diese Kulturorte erhalten zu können, müssen wir gegebenenfalls gemeinsam mit den Ländern nachjustieren.

Bei den Förderprogrammen meines Hauses wollen wir jetzt flexibel auf die Krise reagieren, indem wir zum Beispiel Förderprogramme so umdefinieren, dass sie den Bedürfnissen der Empfänger in der Krise entsprechen – natürlich nur, soweit das haushaltsrechtlich möglich ist und die Empfänger damit einverstanden sind. Eine weitere Maßnahme besteht darin, dass wir so weit wie möglich auf Rückforderungen verzichten, wenn ein Projekt aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann.

Wir erleben jetzt voraussichtlich einige Monate, in denen massiv gerettet und unterstützt werden muss. Aber was passiert danach? Würden Sie sagen, dass die Förderstrukturen für Kultur in Deutschland langfristig so stabil sind, dass da keine Gefährdung in Sicht ist? Keine Sparrunde, in der immer wieder auf die Krise verwiesen wird, um den Gürtel enger zu schnallen?

Jeder wird verändert aus der Krise hervorgehen, jede Institution und jeder einzelne von uns als Individuum, als Mensch. Dass ein Virus uns so lahmlegen kann, das ist für eine zivilisierte Gesellschaft eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche und schwierige so noch nie dagewesene Herausforderung. Es gibt für den Umgang mit dieser Notlage kein Drehbuch. Wenn das alles vorbei ist, werden wir uns selbstverständlich am Ende die Frage stellen müssen: Was hat welchen Wert in unserer Gesellschaft, was muss man retten über die Krise hinaus? Für mich ist Kultur, egal in welcher Form, unverzichtbar. Antworten auf letzte Fragen suchen wir ja nicht in einem dichten Autobahnnetz, sondern dort, wo Sinnstiftendes entsteht, wo uns Traditionen mit auf den Weg gegeben werden – und das ist in Deutschland vor allem die Kultur. Wie viel Wichtiges und Notwendiges die Kultur für uns bereithält, das merken jetzt auch die, die nicht regelmäßig ins Theater gehen. Nach der Krise werden wir die Kultur dringender brauchen denn je, davon bin ich fest überzeugt.

Die Kultur, die wir jetzt rezipieren können, findet ja überwiegend im Netz statt. Planen Sie, sich davon zu neuen Förderprogrammen inspirieren zu lassen?

Grütters: In Hinblick auf die Digitalisierung ist die Krise extrem lehrreich. Es entstehen gerade viele tolle, fantasievolle und funktionierende Formate – die hätten wir uns mit den schlauesten Förderprogrammen nicht ausdenken können. Die Krise zeigt, was alles möglich ist. Ich bin daher ganz sicher, dass dieser Bereich ein Gewinner der Krise sein wird, gerade auch für die Kultur. Das kulturelle Geschehen wird durch die digitalen Formate bereichert, ohne dass sie das analoge Live-Erlebnis ersetzen.

k 2 560 JuleFranzen uSzenenbild aus "k", einer Webserie von Philipp Preuss fürs Schauspiel Leipzig © Jule Franzen

Um diese Initiativen weiterzuentwickeln, bräuchte es Geld ...

Ja, aber die Digitalprogramme gibt es ja schon, da fördert mein Haus bereits Vieles. So ist im vergangenen Jahr meine Digitalisierungsoffensive mit besonders innovativen Digital-Projekten an den Start gegangen. Sie gibt Impulse für den digitalen Wandel im Kulturbereich – gerade für Vermittlung und Vernetzung. Dazu gehört zum Beispiel das Projekt "museum4punkt0", an dem sowohl große als auch kleinere Museen beteiligt sind. Dieses Projekt hat sehr erfolgreich neue digitale Vermittlungsformen für Museen entwickelt und spricht damit auch neue Zielgruppen für einen Museumsbesuch an. Viele Museen bieten gerade digitale Angebote an, die dann hoffentlich sogar noch mehr Appetit auf das Live-Erlebnis erzeugen. 

Aus der Digitalisierungsoffensive fördern wir auch ein Projekt, mit dem Augmented und Virtual Reality-Anwendungen im Theater- und Veranstaltungsbereich entwickelt werden. Das passt zu den vielen Aktivitäten der Theater und Opernhäuser, die sich gerade einen Wettbewerb im Netz liefern, wer das interessanteste digitale Programm anbietet. Ich hoffe nur, dass die Künstlerinnen und Künstler dafür angemessen bezahlt werden, zum Beispiel durch Extra-Honorare. Auch die Urheberrechte müssen dabei natürlich berücksichtigt werden.

Sie empfehlen also den Intendanten, die Künstler dafür zu bezahlen?

Grütters: Ja, natürlich. Kreative müssen von ihren Leistungen leben können, auch im Netz. Das Urheberrecht ist eine der wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften, die man in der digitalen Welt nicht aushöhlen darf. Im Internet herrscht bei vielen Nutzern eine Gratis-Mentalität, wobei Bezahlmodelle in manchen Bereichen aber auch sehr gut funktionieren, zum Beispiel bei Netflix und Spotify. Generell sollten wir alle dazu bereit sein, für journalistische und künstlerische Inhalte zu zahlen! Warum sollte nicht eine Onlineplattform für Theaterstücke denkbar sein? Wann, wenn nicht jetzt ist die Zeit, sich über solche Geschäftsmodelle Gedanken zu machen.

Es hängen rechtlich schwierige Fragen daran, zum Beispiel: Ist das Zeigen im Internet ein Auftritt oder eine Ausstrahlung? Es gibt so einige ungeklärte Fragen, an deren Antworten hängen wird, was mittel- und langfristig daraus entsteht.

Die Künstlerinnen und Künstler, die Theater und die Verwertungsgesellschaften müssen sich darüber Gedanken machen, wie sie einen Weg finden. Dass digitale Formate im Moment so stark nachgefragt werden, ist ein positives Zeichen und zeigt umso dringlicher, dass und wie wir an diesen Fragen arbeiten müssen. Natürlich wissen wir, dass es schwierig ist. Aber es ist nicht unmöglich, wenn man will, oder?

Vielen Dank für das Gespräch!