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Lokal gedacht

1. Mai 2020. Die Corona-Krise trifft fest angestellte Künstler*innen weniger hart als Akteur*innen der Freien Szene. Sie könnten auch nach der Krise aufgrund von Sparmaßnahmen in ihrer beruflichen Existenz bedroht bleiben. Stefan Rosinski – scheidender Geschäftsführer der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle (Saale) – unterbreitet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Paywall) einen Vorschlag, wie man der Bedrohung der Freien Szene strukturell begegnen könnte.

"Die Stadt- und Staatstheater verpflichteten sich, aus ihren ungeminderten Mitteln treuhänderisch Projekte der freien Szene vor Ort zu finanzieren. Ein Prozentschlüssel vom Gesamthaushalt als Fonds für die kooptierten Partner wird vom Zuschussgeber verpflichtend festgelegt (möglicherweise mit daran gekoppelten Mittel der Bundeskulturstiftung)."

Entscheidend sei, "dass eine unabhängige Jury (inklusive der Intendanz) über die Projektmittel befindet, die der lokalen Szene zugutekommen sollen". Weiter heißt es: "Das Beste aber: Keine lange Antragsprosa, keine komplexen Förderanträge und keine umfänglichen Nachweispflichten – all das erledigt das Haus vor Ort, denn die Projektbeteiligten bekämen produktionsbezogene, handelsübliche Gästeverträge, Sozialversicherung inklusive. Die freien Experimentalisten und Spintisierer, sie blieben selbständig und wären abgesichert, ohne institutionalisiert zu sein, und damit weniger vogelfrei als vor der Seuche." Die Stadt- und Staatstheater würden von dieser Regelung wiederum durch "eine kulturpolitische Legitimationsstärkung" profitieren.

(FAZ / miwo)