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"Die Kränkungen der Menschheit" von Anta Helena Recke

3. Mai 2020. Auch das Berliner Theatertreffen, wie wir es kennen, fällt in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Theateraufführungen in geschlossenen Häusern sind verboten. Die Berliner Festspiele verlegen deshalb ihr Theatertreffen ins Netz. Sechs der zehn ausgewählten Inszenierungen werden auf der Website der Festspiele, der jeweiligen Theater sowie auf nachtkritik.de gestreamt – jeweils für 24 Stunden. Auf nachtkritik.de mit einem Livechat zum Stream parallel zum ersten Durchlauf am Eröffnungsabend. Anta Helena Reckes "Die Kränkungen der Menschheit" hatte am 26.9.2019 Premiere an den Münchner Kammerspielen und wurde danach an den koproduzierenden Häusern HAU Berlin, Mousonturm Frankfurt und Kampnagel Hamburg gezeigt.

 20 NAC Stream Menschheit Instagram

 


Gemeinsam Gucken mit Livechat ab 20 Uhr

Wer das Theatertreffen-Gastspiel "Die Kränkungen der Menschheit" in virtueller Gemeinschaft schauen möchte, ist herzlich eingeladen, sich hier im Livechat zu versammeln und zusammen mit uns um kurz nach 20 Uhr auf Play zu drücken. Gegen 19:30 Uhr öffnen wir das Foyer des nachtkritik-Chatrooms. Gastgeber des Abends ist nachtkritik-Redakteur Christian Rakow. Um 20 Uhr streamen wir die Inszenierung. Der Online-Talk der Berliner Festspiele mit Künstler*innen der Produktion wird im Anschluss an diesen ersten Durchlauf stattfinden. Alles ist hier auf dieser Seite erreichbar.

19:30 Öffnung Chatroom (zeitgleich mitchatten können maximal 300 Personen)

20:00 Start des Streams

Ca. 20:05 Gemeinsames Gucken von "Die Kränkungen der Menschheit" plus Livechat (Startsignal gibt es im Chat)

Im Anschluss gegen 21:20: Online-Talk der Berliner Festspiele mit Künstler*innen der Produktion

Unter #TT_Kränkungen sammeln die Berliner Feststspiele auf Twitter den ganzen Tag über Fragen, die im Talk heute Abend berücksichtigt werden sollen.

Das Nachgespräch mit Beteiligten der Produktion

 

#theatertreffen Gespräch zu „Die Kränkungen der Menschheit“ from Akademie Theater.Digital on Vimeo.

 

Über die Inszenierung

Auf der Webseite der Münchner Kammerspiele heißt es:

"Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart. In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.

Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade."

Link zum Programmheft der Münchner Kammerspiele

In ihrer Nachtkritik zur Premiere im September 2019 schrieb Anna Landefeld: "Recke spiegelt und bricht den westlichen Blick, rüttelt an den Säulen einer aus kühler Rationalität und allumfassendem Überlegenheitsanspruch gegenüber anderen zurechtgezimmerten Zivilisation. Das tut sie in drei großzügigen, ineinander übergehenden Szenen, erschafft immer neue Räume und bedient sich damit klug des Bildes als Herrschaftsmittel."

Link zur Nachtkritik mit Kritikenrundschau

Im Statement der TT-Jury zur Einladung zum Theatertreffen heißt es: "In ihrer White-Supremacy-Kritik stößt die Regisseurin beim Publikum eine Reflexion über den jeweils eigenen Blick und die damit verbundenen Dekodierungsmuster an. (…) Die weitgehend meditative Performance hinterfragt auf sublime Weise Betrachtungsnormen und damit Muster der Rezeption und Repräsentation. (…) (Recke) arbeitet hier mit ungewöhnlichen, energetischen Mitteln von Präsenz und Absenz."

Die Kränkungen der Menschheit
Konzept & Regie: Anta Helena Recke, Konzept & Künstlerische Mitarbeit Anna Froelicher, Maxi Menja Lehmann, Bühne Carlo Siegfried, Kostüme: Pola Kardum, Musik: Luca Mortellaro, Licht: Joscha Eckert, Dramaturgie: Valerie Göhring, Recherche: Marja Christians, Chiara Galesi, Produktion: Olaf Nachtwey, Johanna J. Thomas.
Choreografie, Text, Performance: Ariane Andereggen, Jean Chaize, Noah Donker, Sir Henry, Kinan Hmeidan, Mario Lopes, Lara-Sophie Milagro, Benjamin Radjaipour, Vincent Redetzki, Joana Tischkau, Else Tunemyr, Samuel Iatã Vieira da Silva Hölzl, Hayato Yamaguchi und Canay Altin, Abida Arifi, Belkisa Arifi,Jeanne-Francine Aziamble, Lilliane Lakabre Blessing, Tracey Adele Cooper, Lendita Daffeh, Sinthiou Dia, Rebecca Duverger-Fischer, Amie Georgson Jammeh, Kathrin Knöpfle, Ivy Lißack, Prisca Mbawala, Seggen Mikael, Elisa Nadal, Liza Noori, Cintia Rangel Martins, Gaba Sahory Reyes Baca, Jucilene Santos Costa, Janine Schmidt, Siri Fatou Seidl, Aya Sone, Lea Tesfaye, Roula Ukkeh, Awa Wassa, Jane Zentgraf, Gong: Leon Frei.
Uraufführung am 26. September 2019 in den Münchner Kammerspielen
Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

www.muenchner-kammerspiele.de
www.hebbel-am-ufer.de
www.mousonturm.de
www.kampnagel.de

 

Die Festivalübersicht zum Berliner Theatertreffen 2020 virtuell

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