"John Gabriel Borkman" vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg

9. Juni 2020. Weil die Theater nicht mehr spielen können, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Mitschnitten von Inszenierungen zusammen: Ab 12. Juni 18 Uhr zeigen wir für 24 Stunden John Gabriel Borkman von Henrik Ibsen - 2014 inszeniert von Karin Henkel am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und 2015 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

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Auf der Webseite des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg heißt es:

"Tief gefallen ist John Gabriel Borkman, ehemaliger Bankdirektor und Unternehmer. Seit seiner Rückkehr aus dem Gefängnis vor acht Jahren, in dem er wegen Veruntreuung von Geldern einsaß, lebt er mit seiner Frau Gunhild im Haus der Schwägerin Ella: er oben, seine Frau unten, ohne jeglichen Kontakt miteinander. Eines Abends erscheint die sterbenskranke Ella, die Borkman damals geliebt, aber für seine Karriere geopfert hat. Ella fordert den Sohn der Borkmans zurück, da sie ihn einst aufgezogen hatte. Doch Gunhild verfolgt eigene Pläne mit Erhart, wie sich auch Borkman einen Neubeginn durch ihn erhofft – der Sohn als Erlöser, als Rächer, als Hoffnungsträger einer Generation, die nurmehr ein Schattendasein führt und unfähig zum verantwortlichen Handeln ist. Doch der Junge verweigert die ihm zugewiesene Rolle und will nur eins: das eigene Glück.

»John Gabriel Borkman«, das zweitletzte Stück, das Ibsen vor seinem Tod 1906 geschrieben hat, gilt als eines der Meisterwerke des norwegischen Dichters. Die Fülle der Themen, die ihn zeit seines Lebens umtrieben, führt er hier noch einmal dicht zusammen. Die Lebenslüge oder der „Wille zum Schein, zur Illusion“ als existentielle Grundbedingung der Menschen wird darin ebenso verhandelt wie ihre Beziehungen untereinander, die in diesem Kosmos nur noch von den Gesetzen des Marktes bestimmt sind: Alles wird zur Handelsware – die Liebe, der Sohn, das eigene Leben."

 

Aus der Nachtkritik von Tim Schomaker:

"Wie die Zombies nach Gehirn gieren, so verzehren sich die Alten in Karin Henkels Lesart des letzten Ibsen-Stücks nach der Jugend. Erwarten von den Jungen mancherlei Erlösung. Und pflanzen ihnen doch jene Zweifel, jene Missgunst, jenes Unglück ein, von dem sie selbst auf den letzten Drücker so gern noch erlöst werden würden. Oder, wenn das nicht geht: Alle mit in den Abgrund, die man für irgendwas verantwortlich machen kann. Die Fallhöhe ist nicht mehr groß. Tot und gescheitert ist man ja schon." (Mehr hier.)

 

John Gabriel Borkman
von Henrik Ibsen
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Regie: Karin Henkel, Bühne: Katrin Nottrodt, Kostüme: Nina von Mechow, Musik: Arvild J. Baud, Dramaturgie: Sybille Meier.
Mit: Lina Beckmann, Matthias Bundschuh, Jan-Peter Kampwirth, Josef Ostendorf, Kate Strong, Julia Wieninger, Gala Winter.
Premiere am 21. September 2014
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

www.schauspielhaus.de

 

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