Hochmusikalisch und formal bestechend

13. Juni 2020. Die Dramatikerin Anna Neata wird für ihren Stückentwurf "Oxytocin Baby" mit dem Hans-Gratzer-Stipendium 2020 ausgezeichnet. Das teilte das Schauspielhaus Wien mit, das das die Auszeichnung seit 2007 in Zusammenarbeit mit Literar mechana vergibt. Neata setzte sich der Mitteilung zufolge gegen 105 Bewerber*innen durch. Das Stück wird 2021 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt. 

Am Finale nahmen in diesem Jahr neben Anna Neata die Autor*innen Caren Jeß, Ariane Koch, Elias Kosanke und das Duo Sokola//Spreter (Ivana Sokola & Jona Spreter) teil. Das Schauspielhaus Wien hat die Dotierung des Stipendiums ab 2020 über das Preisgeld von EUR 5000 hinaus um eine Uraufführungspauschale von EUR 4000 erhöht.

Kurzhörspiele statt szenische Lesungen

Auf Grund der aktuellen Corona-Situation konnten die Texte nicht wie sonst in szenischen Lesungen präsentiert werden. In Kooperation mit dem Max-Reinhardt-Seminar entstanden daher diesmal Kurzhörspiele zu jedem Stückentwurf der Endrunde. Online konnten die Hörer*innen über ihre Favorit*innen abstimmen. Der Publikumspreis ging auf diesem Weg an "Tierversuch" von Sokola//Spreter. 

"Oxytocin Baby" sei eine hochmusikalische, formal bestechende Auseinandersetzung mit weiblichen Körpern und der Zuschreibung von Mutterschaft, so die Mitteilung. Besonders die große Dringlichkeit der Autorin in der Behandlung ihres Gegenstandes habe die Jury überzeugt, heißt es in der Mitteilung über das Sieger*innenstück. Der Jury gehörten 2020 Edith Draxl (Leiterin DRAMA FORUM von uniT Graz), Lucie Ortmann (Leitende Dramaturgin Schauspielhaus Wien ab 20/21), Tobias Schuster (Münchner Kammerspiele, Leitender Dramaturg Schauspielhaus Wien bis 20), Tomas Schweigen (Künstlerischer Leiter Schauspielhaus Wien) sowie mit beratender Stimme die Mentorin Anne Lepper an. Anna Neatas Stück "Oxytocin Baby" wird 2021 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt. 

Anna Neata wurde 1987 in Salzburg geboren und studiert seit 2016 Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien.  Ivana Sokola (*1995) und Jona Spreter (*1994) studieren Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin.

Gerecht entlohnen

Unmittelbar nach der Preisverleihung gaben die Autor*innen bekannt, das Preisgeld paritätisch untereinander aufzuteilen. "Wir, die Finalist*innen des Hans-Gratzer-Stipendiums 2020 am Schauspielhaus Wien, haben uns dazu entschieden, das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro untereinander aufzuteilen," schrieben sie dazu an nachtkritik.de. "Wir schließen uns damit der Entscheidung der letztjährigen Finalist*innen an. Das Theater braucht mehr Autor*innen, die die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln neu beschreiben. Wir sind der Meinung, dass diese Arbeit gerecht entlohnt werden muss." 

Das vom österreichischen VG-Wort-Pendant Literar-Mechana gestiftete Autor*innenstipendium wurde nach dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Hans Gratzer (1941-2005) benannt, der das Wiener Schauspielhaus 1978 als Ur- und Erstaufführungsbühne gegründet und von 1978 bis 1986 sowie von 1991 bis 2001 auch geleitet hat.

Unter den Preisträgern der Vorjahre sind Enis Maci, Sean Keller, Miroslava Svolikova und Wilke Weermann.

(Schauspielhaus Wien / sle)

 
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