"Das Käthchen von Heilbronn“ vom Düsseldorfer Schauspielhaus

28. Juni 2020. Weil die Theater nur sehr allmählich wieder Türen, Tore und Bühnen öffnen, stellt nachtkritik.de noch bis in den Juli einen digitalen Spielplan zusammen: Am 28. Juni ab 18 Uhr zeigen wir für 24 Stunden "Das Käthchen von Heilbronn" von Heinrich von Kleist in der Regie von Simon Solberg. Premiere war am 19. November 2016 am Düsseldorfer Schauspielhaus. – Am 28. Juni 2020 ab ! 20 Uhr ! (im Bild steht's falsch) im Live-Chat: Regisseur Simon Solberg.


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Über "Das Käthchen von Heilbronn" heißt es auf der Webseite des Düsseldorfer Schauspielhauses:

"Der Welt und sich selbst ist sie ein Rätsel. Bedingungslos und mit unheimlich scheinender Hingabe folgt das Käthchen von Heilbronn ihrem Ritter, Graf Friedrich Wetter vom Strahl, durch die Welt. Sie pfeift auf den eigenen Vater und auf ein gesichertes Leben, um sich ins Schlachtgetümmel zustürzen, Feuersbrünsten und heimtückischen Giftanschlägen zu trotzen. Nichts kann sie von ihrem einmal gewählten Pfad abbringen, denn dass vom Strahl ihr vorherbestimmter Gatte ist, hat Käthchen im Traum gesehen. Dumm nur, dass der Ritter so gar nichts von dem Mädchen wissen will, sogar zur Peitsche greift, um die lästige Verfolgerin loszuwerden. Dabei hat auch vom Strahl Käthchen im Traum gesehen, kann oder will die Botschaft aber nicht verstehen.

Heinrich von Kleists 1810 uraufgeführtes ‚großes historisches Ritterschauspiel‘ erzählt von einem ungeheuerlichen Vorgang, nämlich davon, dass zwei Menschen einander im Traum erkennen. Doch zwischen all den Fehdekriegen, der Arbeit und der treuen Pflichterfüllung droht die Wunderblume zu verdorren. Also gilt es, die Extreme auszuhalten: Weil der Traum so stark wie die Wirklichkeit sein kann und die Liebe so heftig wie der Krieg."

 

In seiner nachtkritik schreibt Andreas Wilink:

"Wie Tentakel rollen und schlingen sich gräuliche Plastikschläuche über die knöcheltief unter Wasser gesetzte Bühne (Sabine Kohlstedt), greifen aus, machen sich hoch und breit – mehr ein vegetatives System bizarren Urwachstums als Abbild eines hochentwickelten Hirns in seinen Windungen. Was ja zu Kleists irrationalem Drama passt, das planer Intelligenz spottet. Im Düsseldorfer Schauspielhaus-Central steht keine historische Ritterburg-Welt, sondern ein Fantasy-Produkt, wo in Winkeln ein Alien lauern könnte, um sich in Ellen Ripley einzunisten. Die elastischen Röhren verwandeln sich bei minimalistisch elektronischem Musik-Rattern in Riesen-Kampfwürmer wie aus Dune, der Wüstenplanet, sind umnebelt wie der Drache aus Fritz Langs Nibelungen oder blähen sich zu XXL-Kondomen. Kleists romantische Fabel – Wucherwerk mit Mittelalter, Feuersbrunst, Feme, Gaukelei, Giftgemisch und frommer Legende – hat ihr Geheimnis. Das gilt es zu wahren, im Guten wie im Bösen, und am besten im Spiel."

 

Das Käthchen von Heilbronn
von Heinrich von Kleist
Regie: Simon Solberg, Bühne: Sabine Kohlstedt, Mitarbeit Bühne: Ansgar Prüwer-LeMieux, Kostüm: Katja Strohschneider, Dramaturgie: Janine Ortiz, Musik: Jann Marvin Beranek, Lukas Berg
Mit: André Kaczmarczyk, Minna Wündrich,Rainer Philippi, Lieke Hoppe, Thiemo Schwarz, Jonas Friedrich Leonhardi
Premiere: 19. November 2016
Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten

www.dhaus.de

 

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