Marthalers "Faust"

11. Juli 2020. Fast zum Abschluss der Streaming-Saison auf nachtkritik.de präsentierten wir hier noch einmal einen historischen Höhepunkt.

"Goethes Faust. Wurzel aus 1 + 2" kam am 4. November 1993 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg heraus. 1994 wurde die Inszenierung zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Wir danken dem Schauspielhaus und Christoph Marthaler für die Erlaubnis die Aufzeichnung der Generalprobe in Hamburg auf dem nachtkritikstream zu zeigen. Bitte haben Sie Verständnis, wenn die Ton- und Bildqualität nicht in jedem Fall unseren heutigen Ansprüchen genügt.

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Rita Thiele, die gegenwärtige Chefdramaturgin des Deutschen Schauspielhaus Hamburg, schreibt zu diesem Mitschnitt:

"Für alle Fans, die sich diese berühmte Inszenierung noch einmal anschauen wollen und für diejenigen, die sie noch nicht kennen und Fan werden wollen: Wir präsentieren Christoph Marthalers Inszenierung "Goethes Faust, Wurzel aus 1+2" aus der Spielzeit 1993/94 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Es handelt sich um einen hausinternen Mitschnitt, leider nicht ganz vollständig (der Anfang fehlt). Zudem bitten wir die schlechte Bildqualität zu entschuldigen, da es sich um eine analoge Videoaufnahme handelt, die auf VHS archiviert und dann digitalisiert wurde. Wir danken Christoph Marthaler und seinem Team und Ensemble für die freundliche Genehmigung des Streaming."

Kritik:

Der Kritiker Rolf Michaelis schrieb über die Inszenierung in der Zeit 46/1993: "Faust am Ende des Jahrtausends blickt nicht mehr durch. War da mal Forschung? Wille zur Welterkenntnis? In den Springfluten der Information: alles versunken. Manchmal eine vage Erinnerung: Da war doch was. Gab es nicht einen das Leben steigernden, dem Dasein Sinn gebenden "Pakt"? Mit einem Teufel? Wie um sich seiner selbst zu vergewissern, sucht Faust Bierbichler die Hand des Landstreichers, der ihn begleitet. Der erinnert sich an noch weniger, hat aber einen unerschöpflichen Vorrat von Brillen, Seh-Krücken, wer weiß: Denk-Hilfen, die, noch einmal, einen letzten, klaren Blick auf das eigene Leben erlauben ...
Wie in früheren Aufführungen, die zwischen Text- und Musikcollage, Sing- und Schauspiel, Revue und Performance, Kabarett und Show unbeirrt den eigenen Weg und Stil suchen, entgrenzt Marthaler auch in Hamburg die Szenerie, befreit seine Darsteller in ein weites Land historischer und zugleich utopischer Sehnsucht, wenn alte Lieder ... oder Schlager ... gesungen, gesummt werden. Zu einer der sanftesten Melodien, Mozarts Trauergesang "Ave verum corpus", schlagen zwei Mephistos einen aufsässigen Mit-Teufel brutal zusammen.
Nach Klaus Michael Grübers Faust-Exercitium für drei Personen (Faust, Mephisto, Gretchen) mit Bernhard Minetti, vor zehn Jahren an der Freien Volksbühne Berlin, und früher schon in Paris, ist Marthalers Versuch, sich dem Stück zu nähern, mit fünf Mephistos, vier Gretchen, das kühnste, auch befremdlichste Wagnis, dem sich schon während der Premiere etliche Zuschauer türenschlagend entzogen haben ..."

 

Goethes Faust. Wurzel aus 1 + 2
von Christoph Marthaler
Regie: Christoph Marthaler, Bühne: Anna Viebrock, Kostüme: Anna Viebrock, Licht: Dierk Breimeier, Dramaturgie: Stefanie Carp.
Mit: Josef Bierbichler, Jacques Ullrich, Martin Pawlowsky, Annelore Sarbach, Siggi Schwientek, Özlem Soydan, Catrin Striebeck, Edmund Telgenkämper, Ulrich Tukur, Albi Klieber, Ueli Jäggi, Inka Friedrich, Matthias Bernhold, Jean-Pierre Cornu, Graham F. Valentine.
Premiere war am 4. November 1993 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg
Dauer: 2 Stunden und 32 Minuten

www.schauspielhaus.de

 

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