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Eh schon hoch verschuldet

28. Juli 2020. Die Entscheidung für den Theaterneubau ist bereits gefallen, über die Vergabe des Auftrags soll am 18. August entschieden werden. Dennoch werden in der Politik in Schleswig nun Zweifel am 12-Millionen-Euro-Projekt laut, wie die Schleswiger Nachrichten ( 27. Juli 2020) berichten. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und daraus folgenden sinkenden Steuereinnahmen stellen dem Bericht zufolge nun insbesondere die Freien Wähler das Projekt in Frage und haben für die nächste Sitzung der Ratsversammlung am 7. September 2020 eine Aktuelle Stunde zum Thema beantragt.

Bei dieser Sitzung wird es der Einschätzung der Schleswiger Nachrichten zufolge am Ende auch um die Zukunft der Landestheater GmbH gehen, die auf den Neubau dieser Spielstätte dringend angewiesen ist. Doch hatte, so die SN weiter, bereits vor drei Monaten FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel einen Stopp für das Theaterprojekt gefordert - ebenso Ingo Harder vom Bündnis für Bürger. "Schleswig ist eh schon hoch verschuldet und kann sich dieses Theater einfach nicht mehr leisten", wird Harder zitiert. "Wir haben ja nicht nur eine Verantwortung gegenüber den 300 Theatergängern, sondern gegenüber allen 26.000 Einwohnern."

Losgelöst von der Landestheater GmbH?

Zwar sei Schleswig unlängst veröffentlichten Zahlen zufolge bisher vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen, so die SN. Trotzdem stellen dem Bericht zufolge auch Vertreter von CDU und SPD (die Bürgermeister Stephan Dose stellt) klar, dass der Finanzrahmen eingehalten werden muss. Notfalls müsse das Raumprogramm abgespeckt werden.

Der Vertreter der Grünen, Jona Kähler, wird mit dem Statement zitiert, dass am Ende alles wohl davon abhängen werde, "inwieweit sich dasLand noch stärker für den Theaterbau und die Zukunft des Landestheaters als Ganzem" engagieren wolle. Denn dass das Haus ausschließlich von der Stadt Schleswig und losgelöst von der Landestheater GmbH gebaut werden soll, hatte wiederum Linken-Vertreter Uwe Schröder gefordert und damit eine längst geführte Debatte aus dem Jahr 2015 wieder aufgenommen.

(Schleswiger Nachrichten / sle)

 

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