Menschenfreundliche Schärfe

22. Januar 2021. Die Schriftstellerin und Journalistin Annett Gröschner ist Preisträgerin des Großen Kunstpreises Berlin 2021. Das teilt die Akademie der Künste mit, die den mit 15.000 Euro dotierten Preis im Auftrag des Landes Berlin im Turnus ihrer sechs Sektionen vergibt – zusammen mit den mit je 5000 Euro dotierten Berliner Kunstpreisen.

In der Begründung der Jury aus den Akademie-Mitgliedern Ulrich Peltzer und Monika Rinck mit der Literaturkritikerin Wiebke Porombka heißt es: "Annett Gröschner ist eine unermüdliche Chronistin der Stadt, ihrer Geschichte, ihrer Veränderung und natürlich ihrer Bewohner:innen. Sie ist Flaneurin und wandelndes Stadtarchiv gleichermaßen und verbindet in ihren Texten literarische, soziologische und historische Herangehensweisen. Es handelt sich um dichte Beschreibung im besten Sinne. Ihr literarischer Blick hat eine menschenfreundliche Schärfe, der die Stadt und alles, was sich in ihr bewegt, klarer, komplizierter und kontrastreicher herausstellt."

Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, studierte Germanistik in Berlin und Paris. Seit 1994 ist sie an zahlreichen Forschungs-, Buch- und Ausstellungsprojekten beteiligt, u. a. mit dem Fotografen Arwed Messmer. Sie unterrichtete u.a. an der Universität Hildesheim und der Universität der Künste Berlin. Zuletzt erschien von ihr "Berliner Bürger*Stuben. Palimpseste und Geschichten" (2020), in dem sie sich den rasanten Veränderungen der Hauptstadt Berlin, dem Prenzlauer Berg sowie dem Brandenburger Umland widmet. Außerdem schrieb sie am Drehbuch der Horror-Serie "Hausen" mit, die im Oktober 2020 erschien. Im Theater hat sie u.a. für das HAU Berlin, das Maxim Gorki Theater, das Theater an der Parkaue und das Deutsche Theater Berlin gearbeitet, seit 2012 ist sie Gastperformerin bei She She Pop; seit 2019 Kolumnistin der Volksbühne Berlin. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, zuletzt den Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg in der Sparte Literatur 2017.

Die mit jeweils 5.000 Euro dotierten Kunstpreise Berlin werden zusammen mit dem Großen Kunstpreis vergeben. In der Sektion Darstellende Kunst geht der Preis in diesem Jahr an die Schauspielerin Gina Haller, die derzeit dem Ensemble des Schauspielhauses Bochum angehört. Außerdem gehen Kunstpreise an den indischen Konzept-Künstler Sajan Mani (Sektion Bildende Kunst), an das Architekturbüro HARQUITECTES in Barcelona (Sektion Baukunst), an die slowenische Komponistin und Musikerin Petra Strahovnik (Sektion Musik), an die deutsche Schriftstellerin Lea Schneider (Sektion Literatur) und an die deutsche Multimedia-Künstlerin Susann Maria Hempel (Sektion Film- und Medienkunst).

Der Kunstpreis Berlin – Jubiläumsstiftung 1848/1948 wurde 1948 in Erinnerung an die März-Revolution von 1848 vom Berliner Senat gestiftet.

(Akademie der Künste / sd)

 

Zum zehnten Geburtstag von nachtkritik.de hielt Annett Gröschner 2017 eine Rede, die wir hier dokumentieren.

 
Kommentar schreiben