Besser spät als nie!

Berlin, 5. Februar 2021. Der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, und der Bundesminister der Finanzen, Olaf Scholz, haben gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, vereinbart, für den Kulturbereich ein zusätzliches Modul im Rahmen der Überbrückungshilfe III zu schaffen. Neben den Soloselbstständigen und den unständig Beschäftigten sollen auch die "kurz befristet Beschäftigten in den Darstellenden Künsten" Hilfen von bis zu 7.500 Euro für den sechsmonatigen Zeitraum Januar bis Juni 2021 beantragen können. Das schreibt die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) heute in einer Presseaussendung.

Reaktion auf Offenen Brief 

Nach tagelangen Verhandlungen haben Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz schließlich doch den Wünschen der Behörde von Kulturstaatsministerin Monika Grütters entsprochen und endlich sowohl die unständig als auch die kurz befristet beschäftigten Künstler:innen in die Corona-Hilfsprogramme mit einbezogen. Zuletzt hatte der Offene Brief der Schauspielerin Julischka Eichel auf nachkritik.de für Aufsehen gesorgt, in dem sie das weitgehende Unverständnis der Behörden für die Lage der projekt- und produktionsbezogen fest angestellten Schauspieler:innen beschrieben hatte. Diese Darstellung eines Missstandes war von zahlreichen Medien übernommen worden (etwa hier) und hatte dem Vernehmen nach für anhaltende Diskussionen zwischen den beteiligten Ministerien geführt.

In der Presseaussendung der BKM heißt es: "Mit der geplanten Regelung werden nun auch 'freie', also nicht fest angestellte Schauspielerinnen und Schauspieler und vergleichbare Beschäftigte, wirksam unterstützt. Die 'freien' Schauspieler:innen und Schauspieler waren von den bisherigen Hilfsmaßnahmen nicht erfasst, weil sie nicht im Haupterwerb selbständig, sondern für ein Gastspiel oder einen Film beschäftigt sind und wegen zu kurzer Beschäftigungszeiten keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und Kurzarbeitergeld haben. Sie sind pandemiebedingt schon seit fast 11 Monaten weitgehend ohne Beschäftigungsmöglichkeiten, da der Bühnenbetrieb seit März 2020 durch die pandemiebedingten Beschränkungen völlig zum Erliegen gekommen ist. Auch die Filmproduktion ist wegen der Corona-Krise stark zurückgegangen.

"Faires und großzügiges Angebot"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Ich bin meinen Kabinettskollegen dankbar dafür, dass sie auf mein intensives Werben hin die sehr spezifischen Lebensumstände und Beschäftigungsverhältnisse der Kreativen anerkennen und die Hilfsangebote der Bundesregierung darauf abstimmen. Indem jetzt auch die kurz befristet Beschäftigten in den Darstellenden Künsten in die Neustarthilfe einbezogen werden, erhalten auch diejenigen in der Kulturbranche ein faires und großzügiges Angebot, die unter der Pandemie persönlich und wirtschaftlich mit am stärksten leiden."

Darstellende Kunst als Pandemie-Opfer

Nach einer jüngst veröffentlichten EU-weiten Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young ist die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft mit einem Umsatzverlust von 31 Prozent neben dem Luftverkehr der von der Corona-Krise am stärksten betroffene Wirtschaftszweig in Europa, noch vor der Tourismus- und Automobilindustrie (minus 27 Prozent beziehungsweise minus 25 Prozent). Am stärksten ist nach dieser Studie der Rückgang in der Darstellenden Kunst (minus 90 Prozent zwischen 2019 und 2020). Trotz dieser einzigartigen Beeinträchtigung der Bühnenkünste konnte bislang der Teil der betroffenen Künstlerinnen und Künstler wegen der dort bestehenden Vertragskonstruktionen weder Überbrückungshilfen noch Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld erhalten. Dies wird sich mit der jetzt vereinbarten Sonderregelung ändern.

(www.kulturstaatsministerin.de / jnm)

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Kommentare

Kommentare  
#1 Soforthilfe für Freie: Doch wo?Ok ok 2021-02-05 17:55
Liebe Kollegen,
Welch wunderbare Nachrichten.
Hat jemand aber einen Link oder weiß wo man diese Hilfe genau beantragen kann?

Danke.
#2 Soforthilfe für Freie: GeduldPatrick Heyn 2021-02-05 18:57
Das Ganze läuft über die Website
www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de
Das ist der zentrale Zugang zu allen möglichen Coronahilfen. Die November und Dezemberhilfen laufen z.B. auch darüber. Allerdings wird es noch etwas dauern, bis die Antragssoftware dort freigeschaltet und verlinkt wird, da immer noch programmiert wird.
Am besten immer mal wieder auf die oben genannte Seite schauen.
Und ja! Das sind gute Nachrichten. Und diese späte Anerkennung und das Eingeständnis, dass hier schon lange was gewaltig schief läuft, sind eine moralische Wohltat.
#3 Soforthilfe für Freie: der BFFSSoho 2021-02-07 22:21
Man sollte vielleicht auch erwähnen, dass der BFFS sich seit April letzen Jahres für die Verbesserung der Hilfen eingesetzt hat und nun nach langwierigen Gesprächen, die sich das ganze letzte Jahr hinzogen, endlich das Ganze zum Erfolg führen konnte!

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