Kritische Stimme gegen die Obrigkeit

20. März 2021. Die deutsche UNESCO-Kommission hat laut eigener Pressemitteilung 20 Neueinträge ins bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Darunter finden sich auch "Kaspertheater als Spielprinzip" sowie das "Papiertheater".

Traditionsreiche Formen

Figuren wie das "Kasperle", deren Tradition bis ins 14. Jahrhundert zurückgehe, "verkörpern Charaktere, die immer und überall anzutreffen sind – stets lustig, naiv, verwegen, schlagfertig, wortgewaltig und auch etwas hintersinnig", heißt es auf der Seite der UNESCO. "Die Kasperfigur wurde im Puppentheater auf den Märkten und in den Straßen des 19. Jahrhunderts zu einer gefürchteten kritischen Stimme, die sich gegen Obrigkeit und boshafte Fabelwesen zur Wehr setzt."

Das "Papiertheater" wiederum blicke in Deutschland auf "eine gut 200-jährige Tradition“ zurück, habe "seit den 1980er Jahren eine Renaissance erfahren" und besitze heute eine "lebendige Szene in Deutschland und Europa, die sich auf Festivals wie dem Papiertheatertreffen Preetz trifft", so die UNESCO.

Die weltweite Liste

Zum Immateriellen Kulturerbe zählt die UNESCO "lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken". Schutz, Dokumentation und Erhalt dieser Kulturformen fördert die UNESCO seit 2003. Deutschland trat dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, dem sich bis heute 180 Staaten verpflichtet haben, 2013 bei.

Über die Aufnahme auf die Liste befindet ein Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission. Aus dem nationalen Register können Vorschläge für das internationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes unterbreitet werden. Auf dieser Liste finden sich derzeit vielfältige Theaterformen, vor allem aus Indien, Japan und weiteren asiatischen Ländern. Seit 2018 läuft eine Initiative des Auswärtigen Amtes, die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft auf der Liste des weltweiten Immateriellen Kulturerbes zu verzeichnen. Noch ist kein Eintrag erfolgt, eine Entscheidung wird für 2021 erwartet.

(unesco.de / unesco.org / chr)

 
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