Überraschend?

25. März 2021. Die Initiative "Vielfalt im Film" hat eine Umfrage in größerem Maßstab durchgeführt und 6000 Filmschaffende zu Diskriminierungserfahrungen in der Branche befragt, wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung  (25. März 2021, 9:59 Uhr) berichtet. Die Ergebnisse liegen nun öffentlich vor. Demnach gab es in einem Viertel der ausgewerteten Fragebögen (5455 von 6000) Angaben zu Diskriminierungerfahrungen am Arbeitsplatz. Die drei häufigsten angegebenen Diskriminierungserfahrungen bezogen sich auf Geschlecht, Lebensalter und rassistische Zuschreibungen. Weitere bezogen sich auf Körpergewicht, sexuelle Orientierung/Identität und Beeinträchtigung.

Leitfragen

Die Umfrage lief vom 18. Juli bis zum 2. November 2020. Die Teilnehmer:innen kommen aus 440 unterschiedlichen Professionen der Filmbranche. Auf der Website der Initiative heißt es: "Vielfalt im Film ist die erste umfassende Online-Umfrage unter Filmschaffenden zu den Themen Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera. Mit dieser Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten (ADGD) in der deutschsprachigen Film- und Fernsehbranche liegen nun erstmals Ergebnisse vor, die es erlauben, Aussagen darüber zu treffen, wie es um die Themen Vielfalt und Diskriminierung in der Branche steht."

Als Leitfragen nennt die Initiative:

1. Wie divers ist die deutschsprachige Film- und Fernsehbranche vor und hinter der Kamera?

2. Wie ist die Arbeitssituation von Filmschaffenden?

3. Welche Ausschlüsse und Diskriminierungserfahrungen werden erlebt?

4. Welche Maßnahmen können die Filmbranche gerechter gestalten?

Die Initiative wird von einem Bündnis verschiedener Organisationen und Verbänden getragen, darunter "Crew United" und "Citizens for Europe".

Zahlen

Die Initiative "Vielfalt im Film" legt folgende Daten vor:

"3.202 befragte Filmschaffende haben Angaben zu Diskriminierungserfahrungen im Arbeitskontext gemacht. Davon gab die Hälfte (51 %) an, in den letzten zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitskontext erfahren zu haben, jede 20. Person (5 %) sogar ‘oft’ bis ‘fast immer’."

Von den Befragten mit Diskriminierungserfahrungen haben 817 nähere Angaben zu der Art der Diskriminierung gemacht. Bei 60% bezog sich dies auf das Geschlecht, bei 30% auf das Lebensalter und bei 13% auf rassistische Zuschreibungen.

Von den Cis-Frauen, die eine Angabe zu sexueller Belästigung machten, bestätigten 81% derlei Erfahrungen, die sowohl “unangemessene sexualisierte Kommentare oder vermeintliche Witze” umfassen, wie auch die Aufforderung (170 Befragte) oder  Nötigung (56 Befragte) zu sexuellen Handlungen. Laut Umfrage-Auswertung, war in 9 von 10 Fällen war der Verantwortliche des Übergriffs ein Mann.

Bezogen auf alle Angaben zu Diskriminierungserfahrungen, bestätigen zwei von drei Betroffenen (70 %), den Vorfall nicht gemeldet zu haben. "Eine mögliche Ursache dafür sind fehlende Konsequenzen oder sogar die Verschlechterung der Situation nach einer Meldung / Anzeige", heißt es erläuternd in der Auswertungs-Broschüre.

Ausblick

Die Studie fragte auch nach als sinnvoll empfundenen Maßnahen, um gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz vorzugehen. Dabei scheint sich die Branche recht einig: 97% der Befragten halten "klare Konsequenzen für Täter*innen" für einen wirksamen Schritt. Außerdem hoffen 81% auf "Workshops, Sensibilisierungstrainings und (verpflichtende) Schulungen auf allen Hierarchieebenen".

(Süddeutsche Zeitung / vielfaltimfilm.de / joma)

 

 

 
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