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(post-)Lockdown Perspektiven

31. März 2021. In den nördlichen Bundesländern reagiert die Kulturszene auf andauernde Schließung mit verschiedenen Konzepten zur Wiederöffnung und Forderungen zur Unterstützung lokaler Institutionen. Während in Niedersachsen Test-Öffnungen beschlossene Sache sind, decken sich Hamburger Theaterhäuser bisher nur vorsorglich mit Schnell-Tests ein, so berichtet der NDR Kultur. Aus Bremen kommt derweil aus der freien Szene die Forderung einer Quote für lokale Produktionen, wie die taz in einem längeren Interview berichtet.

Öffnung unter Bedingungen

Testläufe zur Wiederaufnahme öffentlichen Lebens sollen in Niedersachsen in 25 Regionen unterschiedlicher Größe durchgeführt werden. Fast alle niedersächsischen Städte und Kommune haben sich als Modellregionen für Lockerungen beworben, berichtet Kulturreporterin Anina Pommerenke im NDR Kultur. Am Mittwoch endete hierfür die Bewerbungsfrist. Als Vorraussetzung gilt eine sieben-Tage-Inzidenz unter 200, sowie ein "schlüssiges Hygienekonzept und eine Teststrategie." Neben Geschäften und Außengastronomie würden die Lockerungen auch bei Kulturzentren, Theater, Opernhäuser und Kinos erprobt, so Anina Pommerenke. Wo genau wird sich am Sonntag entscheiden. 

10.000 Schnelltests

In anderen nördlichen Bundesländern sind noch keine Lockerungs-Pläne in Aussicht - Vorsorge wird dennoch betrieben. Anina Pommerenke verweist im NDR Kultur auf eine Recherche des Hamburger Abendblattes (Artikel hinter Paywall), die den Konzepten verschiedener Theaterhäuser nachgeht. So habe beispielsweise das Ohnsorg-Theater bereits 10.000 Schnelltests bestellt. Auch das Schauspielhaus habe sich eingedeckt - mit 2.500 Tests. Und das Schmidts Tivoli habe sich mit dem Testzentrum direkt vor der Türe arrangiert: im Ticketpreis soll ein Test-Slot enthalten sein.

"undurchführbar und unwirtschaftlich"

Weniger optimistisch: In Mecklenburg-Vorpommern wurden die Störtebecker Festspiele abgesagt aufgrund der Planungsunsicherheiten. 1.000 Zuschauer:innen würde das Gesundheitsamt Vorpommern-Rügen maximal erlauben. Der NDR Kultur zitiert dazu Geschäftsführerin Anna-Theresa Hick, die deutlich macht, "dass an eine Umsetzung unserer Produktion unter den gegebenen Umständen nicht zu denken ist".

Bremer Quote

Im Interview mit der taz argumentieren die Theatermacher Michael Rettig und Ralf Knapp für eine auf zwei Jahre angelegte 70% Quote für bremische Produktionen in der örtlichen Schwankhalle, einer Spielstätte der freien Szene. "Natürlich muss die auch Impulse von außen bekommen und darf nicht immer nur im eigenen Saft kochen. Aber in Bremen haben wir eher das Problem, dass die freie Szene gar keinen Ort hat!" sagt Rettig in der taz. Die Forderung wird angesichts der durch die Pandemie strapazierten Theaterszene gestellt. So könnten auch die in der Pandemie entstandenen Stipendienprogramme in Veranstaltungen präsentiert werden.

ein höchst nervöser Ort

Neben der Quote sprechen sich Michael Rettig und Ralf Knapp auch für inhaltliche Reformen des Spielorts der freien Szene aus. Es habe in den 18 Jahren des Bestehens der Schwankhalle immer an Vertrauen in die lokale freie Szene gefehlt, sagt Knapp in der taz. "Man hat ihr schlicht nicht zugetraut, einen solchen Ort zu füllen. Dann kann sich auch nichts entwickeln.".  Jetzt sei die Gelegenheit günstig, dies zu ändern.
Für inhaltliche Debatten, die Fragen der sexuellen, ethnischen und kulturellen Identität mit sozialen und ökologischen Themen zusammen bringen sei die Schwankhalle "als höchst nervöser Ort mit einem hellwachen Publikum einfach prädestiniert".

( taz.de / NDR Kultur / schwankhalle.de / joma)