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Scala goes "Premiumprodukt"

10. April 2021. Der seit Juli 2021 amtierende Intendant der Mailänder Scala Dominique Meyer hat für das Opernhaus konkrete Pläne. Diese betreffen vor allem die Digitalisierung des Hauses sowie die Ausbildungsstätte Accademia Teatro alla Scala, wie die FAZ im Feuilleton berichtet.

 Wie ein Schwimmbecken ohne Wasser

- so beschreibt Meyer das Gefühl einer Aufführung ohne Live-Applaus. Als er die Staatsoper Wien verließ und an die Scala wechselte, habe er pandemiebedingt innerhalb von zehn Tagen zwei Häuser schließen müssen, erzählt er in der FAZ. Das Haus habe in Übertragungstechnik investiert, nachdem die Eröffnungsgala der Saison allein im italienischen Fernsehen Zuschauer:innenzahlen von zweieinhalb Millionen erzielte. Streamings würden sich wohl auch post-pandemisch in der Aufführungspraxis halten.

Sozial-digital

Plan ist jetzt, das Opernhaus "sozialer" zu gestalten: Kartenpreise von 15 Euro für eine Familie und geringer besetzte Aufführungenin verschiedenen Bezirken der Stadt, um "das "Premiumprodukt“ der Scala auch für "normale Leute“ erreichbar" zu machen.

Funktionalität interessiere Meyer mehr als leidenschaftlich geführte ästhetische Diskurse, so die FAZ. Eine rundum-Ausstattung mit Tablets für Bühnenpersonal, Orchestermusiker und Publikum ist vorgesehen, Partituren sollen digitalisiert werden. Mit der Informatisierung werde auch eine "Verringerung des Ressourcenverbrauch" angestrebt - zehn Tonnen Papier verbrauche das Haus sonst jährlich.

Akademie

Als besonders vielversprechend für die Zukunft des Hauses gelte die ans Haus angeschlossene Akademie. Diese habe sich laut FAZ seit der durch den Dirigenten Arturo Toscanini nach dem zweiten Weltkrieg vorgenommenen Einrichtung von "Ausbildungsmöglichkeiten für junge Opernschaffende"  im Laufe der Jahre zu einer "weiltweit einzigartige(n) Universität der Opernberufe" entwickelt. Nirgendwo sonst gäbe es ein so breites Angebot zu allen künstlerischen, technischen und leitenden Berufen der Sparte. Ein neuer Campus ist für 2026/27 in Planung. Geld werde vom Next-Generation-Fonds kommen, verspricht Akademie-Präsident Giuseppe Vita.

Das Feuilleton schließt mit der Reflektion, ob "die Oper als Gattung ihre Relevanz" möglicherweise als universitäres "Forschungs- und Entwicklungsprojekt" verteidigen könne - auf der Agenda stehe das aber bislang nicht. 

( faz.net / wikipedia.org / joma )