Nur Beruhigung des schlechten Gewissens

14. April 2021. Am vergangenen Montag veranstaltete die Kulturstiftung des Bundes eine Online-Klimawerkstatt des Theaters, um den Diskurs der "Betriebsökologie" am Theater weiter voranzubringen. Für Till Briegleb von der Süddeutschen Zeitung brachte die Veranstaltung "viele unverbindliche Initiativen" zusammen, "von freiwilligen Klima-AGs in den Häusern zu losen Netzwerken auf digitalen Plattformen“, doch sie bewies auch, dass es im Kulturbereich "völlig an verantwortlichen Strukturen", fehlt, "die sich verpflichten, konkrete Ergebnisse zu liefern".

"Ein durchschnittliches Stadttheater verbraucht 2,2 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr, was 880 Tonnen CO₂-Emissionen entspricht", rechnet Briegleb vor. Um hier wirksam zu reduzieren, brauche es andere Maßnahmen als "diesen freundlichen Aktionismus": "Theater müssen ihren gigantischen Energieverbrauch reduzieren sowie den zweitgrößten Verursacher von Klimagasen endlich ernst nehmen. Die Fahrten von Mitarbeitern und vor allem des abendlichen Publikums zur Vorstellung gehören in eine ehrliche Klimabilanz. Diese lassen sich nur mit Ausgleichszahlungen für Klimaschutzprojekte kompensieren. Gegenüber der Notwendigkeit, die so entstehenden Tonnen an Gasabfällen zu reduzieren, sind die ganzen privaten Ideen zum grünen Theater nur Beruhigung des schlechten Gewissens."

Als wichtig wird in dem Text die Forderung des Leiters des "Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit in Kultur und Medien", Jacob Bilabel (hier im nachtkritik-Interview), aufgeführt, "dass der ökologische Umbau der deutschen Kulturlandschaft nicht aus dem Kulturetat, sondern von Wirtschafts- oder Umweltbehörden finanziert werden müsse – oder von den drei Milliarden Euro, die Deutschland mit dem Emissionshandel einnimmt".

(sueddeutsche.de / chr)

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