Maria Stuart

29. Mai 2021. Schwellköpfe, driftende Rollenzuteilungen, Kreischenergien, ein großer Ausrast-Auftritt der Titelfigur. Claudia Bauers Eröffnung der Internationalen Schillertage 2019 Arbeit aus Mannheim stellt nicht geringe Anforderungen an das Auffassungs- und Inszenierungs-Selbstkonstruktionsvermögen ihres Publikums. Ihr Zugriff weist die Regisseurin, die bereits zweimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, als eine der wichtigen Künstlerinnen des deutschsprachigen Theaters aus. In Kooperation mit Spectyou zeigt nachtkritik.de "Maria Stuart" nun noch einmal vom Samstag, den 29. Mai um 19 Uhr bis zum Montag, den 31. Mai, 19 Uhr.

 21 NAC Stream Maria Stuart Anmo

 

Auf der Webseite des Nationaltheater Mannheim heißt es zu Claudia Bauers Version von "Maria Stuart":

"Ist »weibliche Politik« nur so denkbar – durch Anpassung an die Regeln des Patriarchats? Claudia Bauers Inszenierung zeigt die beiden Frauen als Akteurinnen und Getriebene zugleich und Schillers Stück als Spiel um die Frage: Was bedeutet es, die Königin zu sein?"

Deutschlandfunk Kultur (21.6.2019) schrieb zu der Inszenierung: "Polyfunktionale Bühnenwesen ohne feste Rollenzuordnung. Bei Bedarf inszenieren sie sich als eine der beiden Königinnen, schlüpfen in die politischen Körper der Maria Stuart, ihrer Amme, ihres Beichtvaters, oder wechselweise in den von Elisabeth und ihrer zwielichtigen Berater – wobei sie alle zu Double des Doppelagenten Mortimer werden. Diese ebenso außergewöhnliche wie geglückte Theateridee vergegenwärtigt das unstete, schlüpfrige Milieu dieser Arena der bodenlosen Machtspiele auch körpersprachlich."

Und Shirin Sojitrawalla schrieb in ihrer Nachtkritik: "Claudia Bauer inszeniert das Stück als grelle Travestie, legt dabei eher die Strippen frei als die Zieher. Ein überdimensionierter Reifrock dient der Inszenierung als Kerker, Liebesnest und Manifestation der Macht. Der Hysterielevel ist durchweg hoch, Stimmen quietschen, Musik plärrt, wenig dezent das alles."

Maria Stuart
von Friedrich Schiller
Regie: Claudia Bauer, Bühne: Patricia Talacko, Kostüme: Andreas Auerbach Musik: Friedrich Byusa Blam, Licht: Nicole Berry, Video: Hanna Green, Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer.
Mit: Sophie Arbeiter, László Branko Breiding, Johanna Eiworth, Sonja Isemer, Robin Krakowski, Vassilissa Reznikoff, Patrick Schnicke, Nicolas Fethi Türksever.
Premiere am 20. Juni 2019
Dauer: 1 Stunde und 50 Minuten, keine Pause

www.nationaltheater-mannheim.de

 

nachtkritik.de dankt dem Nationaltheater Mannheim und Spectyou für die kostenlose Zugänglichmachung des Streams.

 

 
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