Wurzeln und Entwurzelung

Klagenfurt, 20. Juni 2021. Die Preise des Wettlesens in Klagenfurt wurden vergeben: Die Schriftstellerin Nava Ebrahimi gewinnt den Ingeborg-Bachmannpreis 2021. Sowohl der Publikumspreis als auch der KELAG-Preis gehen an den Autor Necati Öziri. Das teilen die "45. Tage der deutschsprachigen Literatur" auf ihrer Website mit.

Die iranisch-stämmige, in Graz lebende Autorin Nava Ebrahimi erhält den mit 25.000 Euro dotierten und nach der in Klagenfurt geborenen Autorin Ingeborg Bachmann benannten Hauptpreis. Sie wird für ihren Text "Der Cousin" geehrt. Die Jury-Entscheidung lief auf ein Stechen hinaus: Ebrahimi setzte sich gegen die deutsche Autorin Dana Vowinckel durch. Nava Ebrahimis Text behandelt familiäre Schicksale vor dem Hintergrund kultureller Entwurzelung.

Der BKS Bank Publikumspreis geht in diesem Jahr an Necati Öziri, der neben Prosa auch Hörspiele und Theatertexte verfasst und als Autor und Dramaturg arbeitet. Er las auf Einladung von Insa Wilke den Text "Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben". Darin wendet sich der todkranke Protagonist Arda an seinen Vater, der seine schwangere Mutter und Schwester noch vor seiner Geburt verlassen hat und zurück in die Türkei gegangen ist.
Öziri war mit seinem Stück "Get Deutsch Or Die Tryin’" bereits beim Nachwuchs-Dramatikerfestival Heidelberger Stückemarkt 2018 eingeladen und arbeitet als Hausautor am Nationaltheater Mannheim. Auch der mit 10.000 Euro dotierte KELAG-Preis geht an den Autor.

Den Deutschlandfunk-Preis gewinnt Dana Vowinckel, nach zwei Stichwahlen errang Timon Karl Kaleyta den 3sat-Preis.

Wie im Vorjahr konnte der Wettbewerb nicht unter üblichen Bedingungen stattfinden. Die Lesungen der neun Autorinnen und fünf Autoren waren im Vorfeld aufgezeichnet worden. Der Literaturwettbewerb fand im ORF-Theater von Klagenfurt statt, den Vorsitz der siebenköpfigen Jury hatte erstmalig Literaturkritikerin Insa Wilke inne.

(bachmannpreis.orf.at / sdre)

 
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