Multifunktionale Theaterbauten

29. Juni 2021. "Welches Theater braucht das Land in den nächsten Jahrzehnten? Wer stellt die Weichen, trifft die Entscheidungen?" fragt in der FAZ Hubert Spiegel und Matthias Alexander und schaut dabei insbesondere auf verschiedene Sanierungsvorhaben in der bundesdeutschen Theaterlandschaft. 

Weil es hier stets nicht nur um viel Geld sondern auch um Fragen des kulturellen Selbstverständnisses geht, ergeben sich für das Autorenduo noch weitere Fragen: Wie viel Mitspracherecht hat das Publikum, und wie verschafft es sich Kompetenz und Gehör in einer derart komplexen Debatte? Die extrem hohen Kosten für die Sanierung von Theaterbauten seien stets erklärungsbedürftig.

Die Entscheidung, ob Neubau oder Sanierung hänge dabei nicht nur von finanziellen Erwägungen ab. "Immer häufiger sind auch ökologische Argumente zu hören; mit Verweis auf die im Bestandsbau enthaltene 'graue Energie' wird gegen Abriss und Neubau polemisiert. Entscheidend ist aber, wie beliebt ein Theaterbau und sein Standort bei den Bürgern sind. In Karlsruhe etwa hat sich der Gemeinderat gerade mit großer Mehrheit für die 580 Millionen Euro teure Sanierungsvariante entschieden, obwohl starke politische Kräfte zwischenzeitlich einen angeblich günstigeren Neubau an anderer Stelle favorisiert hatten." 

Anders als oft vermutet, mache die Bühnentechnik nicht den Löwenanteil aus, ihr Anteil liegt Spiegel und Alexander zufolge nur zwischen zehn und zwanzig Prozent. "Mit bis zu vierzig Prozent schlagen die gesetzlich geregelten Aufwendungen für Brandschutz und Haustechnik zu Buche. Klima- und Belüftungsanlagen sind heute größer als früher, der vermehrte Raumbedarf macht tiefe Eingriffe in die Bausubstanz nötig. Energetische Vorgaben kommen hinzu, gegebenenfalls auch solche des Denkmalschutzes." 

Auch stellen Spiegel und Alexander die Frage, wie sinnvoll die oft dreistelligen MIllionenbeträge eigentlich in die Sanierung alter Theaterbauten investiert sind, und "ob das Theater der Zukunft nicht womöglich neue und ganz andere Anforderungen an Architektur und Ausstattung der Gebäude stellen wird als bisher". Bei den Sanierungen dürfe es daher "nicht nur um die Ertüchtigung oder Rekonstruktion altbekannter Strukturen auf neuestem technischen Stand gehen. Wer die Rolle des Theaters in einer Stadt neu definieren will, sollte sich nicht nur mit dem Spielplan beschäftigen. Die Standortfrage sowie ein multifunktionales Nutzungskonzept sind entscheidende Faktoren."

Und hier schreiben FAZ-Feuilleton-Redakteure 13 Kurzporträts aktueller Theaterbaustellen von Augsburg bis Osnabrück. (Leider hinter Paywall).

(sle)

 
Kommentar schreiben